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Privatsphäre: Die Datenexhibitionisten

Wären die Menschen ohne Datenschutz freier, weil dieser ohnehin überholt ist? Die Post-Privacy-Bewegung glaubt daran. Kritiker halten das für naiv.

von Kai Biermann Quelle: Zeit Online
Taugen unsere Vorstellung von Rückzugsräumen im Internet überhaupt noch für die Gegenwart? Quelle: dpa/picture alliance
Taugen unsere Vorstellung von Rückzugsräumen im Internet überhaupt noch für die Gegenwart? Quelle: dpa/picture alliance
Hamburg
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Es gibt im Netz eine Gruppe, die an das glaubt, was Scott McNealy einst behauptet hat: 1999 sagte der damalige Chef von Sun-Microsystems: "You have zero privacy anyway, get over it." Andere waren ihm darin gefolgt, Eric Schmidt beispielsweise, lange Zeit Chef von Google. Die Theorie dazu heißt Post-Privacy und meint die Überzeugung, dass unsere Vorstellung von Rückzugsräumen im Internet für die Gegenwart nicht mehr taugt, und damit auch der Datenschutz nichts mehr nutzt.

Die Post-Privacy-Anhänger gehen sogar noch weiter. Daten vor Zugriff schützen zu wollen, sei schädlich und behindere die Freiheit des Netzes, sagen sie.

Sebastian Westermayer ist einer von ihnen. Unter diesem Namen kennt ihn im Netz kaum jemand, seinem Twitteraccount unter dem Spitznamen @fasel aber folgen bald 2.000 Menschen. Westermayer ist Systemadministrator und Mitglied der Piratenpartei und überzeugt davon, dass Datenschutz nur "als Schutz vor dem Staat" sinnvoll sei. Der Wirtschaft hingegen will er solche Beschränkungen nicht auferlegt sehen. Dort sei Datenschutz nur ein sinnloses Hindernis.

Julia Schramm, Politologin und ebenfalls Piratin, forderte kürzlich in einem Interview bei Spiegel Online: "Keine Macht den Datenschützern." Denn längst hätten wir die Kontrolle über unsere Daten verloren, so ihre Begründung. "Ob wir es nun gut finden oder nicht: Privatsphäre ist so was von Eighties."

Schramm und Westermayer gehören zu einer losen Gruppe, die sich selbst Spackeria nennt. Den Namen gaben sie sich als Reaktion auf ihre Kritiker. Constanze Kurz, eine Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC), hatte die Gruppe beim Kongress des Clubs im Dezember 2010 als "Post-Privacy-Spacken" bezeichnet und gesagt: "Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn sich jeder im Netz nackig machen kann, wie er will. Aber er möge es nicht den anderen als soziale Regel oktroyieren. Und nicht eine tatsächlich nur von den Profiteuren dieser Daten ersonnene Regel als sozialen Standard definieren."

Spackeria also. Inzwischen gibt es ein Blog und einen Twitteraccount, auf denen sie ihre Thesen vertreten, und über beiden prangt das Schmähwort. Den Namen tragen sie durchaus mit Stolz, sie haben kein Problem damit, als leicht irre zu gelten, solange es der Sache dient. Für sie geht es darum, auf die Hilflosigkeit und das Versagen des klassischen Datenschutzes aufmerksam zu machen.

  • 21.04.2011, 14:00 Uhrwonderland666

    Völliger Quatsch: Auch Firmen überprüfen Soziale Netzwerke wenn Sie neue Leute einstellen auf deren Backround. Wenn von jedem die Partyfotos im Netz zu sehen sind, werden einige keine vernünftigen Jobs mehr bekommen

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