Die umstrittenen Gesetzesvorschläge mit den sperrigen Namen SOPA und PIPA sollen Raubkopierern im Internet das leben schwer machen. So ist unter anderem vorgesehen, den Zugang zu ausländischen Websites zu sperren, wenn dort illegal geschützte Werke angeboten werden. Profitieren würde von dem Gesetz vor allem die Film- und Musikbranche, die durch Raubkopien Milliarden verliert.
Die Gegner, fast die gesamte IT-Branche von Facebook über Google, Amazon und Ebay bis zu Microsoft, wittern dagegen Zensur und sehen die offene Struktur des Internets in Gefahr. Vor allem aber stört sie, dass sie künftig auf Antrag Verlinkungen zu Seiten löschen müssten, auf denen möglicherweise illegale Inhalte lagern. Für kleine Internetfirmen, aber auch für große Suchmaschinen, sei das kaum umsetzbar.
Spreeblick ist eines der größten deutschen Blogs. 2002 von Johnny Haeusler und seiner Frau Tanja Haeusler ins Leben berufen, versteht sich das Blog als „Unterhaltungs-, Kultur- und Meinungskanal“. 2006 erhielt das Weblog den Grimme Online Award für „kreative Leistung, Gestaltung und Textqualität“.
Auch die Seite von Sascha Lobo geht am 18. Januar offline. Für 24 Stunden erscheint auf der offiziellen Website des Bloggers, Buchautors, Journalisten und Werbetexters lediglich ein Protesttext.
Auch das erst 2011 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete „Neusprechblog“ knipst für einen Tag die Lichter aus. Die Autoren Martin Haase und Kai Biermann entlarven hier die Worthülsen und verbale Verschleierungstaktiken der verklausulierten Sprache in der Tagespolitik.
Crackajack (früher Nerdcore.de) ist nach eigener Aussage ein Blog über „very cool stuff. Und so.“ René Walter blogt hier über Comics, Zombies, ungewöhnliche Wissenschaftsnachrichten (vor allem Zukunftstechnologien) und viel, viel mehr.
Als einzige Bundestagspartei beteiligen sich die Grünen an dem Protest und gehen für einen Tag offline.
Die Umweltschützer von Greenpeace beteiligen sich ebenfalls an der Aktion gegen Sopa. „In der Geschichte schlechter Ideen ist die Idee, Konzernen das Recht zu geben, das Internet zu zensieren, eine der schlechtesten“, schreiben die Aktivisten auf Facebook.
Der Chaos Computer Club, ein Verein, in dem sich Hacker zusammengeschlossen haben, nimmt seine Seite ebenfalls einen Tag aus dem Netz. Schon in ihrer Präambel fordern die Mitglied, „ein neues Menschenrecht auf weltweite, ungehinderte Kommunikation.“
Auch das CDU-kritische Blog CDU-Watch protestiert für die Freiheit des Internets. Nicht ohne einen Hinweis auf das von der CDU lange befürwortete Zugangserschwerungsgesetz
Auch Rivva geht für einen Tag offline. Normalerweise werden hier aktuelle deutsche Blogtexte gesammelt und nach Wichtigkeit sortiert.
Bei der Piratenpartei ist Internetfreiheit Programm. Daher will auch sie aus Protest für ein paar Stunden ihre Internetpräsenz schließen. Aus technischen Gründen jedoch nicht am Morgen, sondern erst am Mittag des 18. Januar. Nur das Wiki ist bereits vorher offline.
Das Pottblog ist neben den Ruhrbaronen das größte Blog mit Themen rund um Nordrhein-Westfalen.
Deshalb also Protest. Und der geballten Feuerkraft des Internets war die Film- und Musikbranche zumindest am Mittwoch nicht gewachsen. Einigermaßen hilflos versuchte sie über den Tag, ebenfalls von sich hören zu machen. Gegen Mittag verteilte der Branchenverband Motion Picture Association (MPAA) eine Pressemitteilung, wonach PIPA wichtig sei, weil er „Amerikanische Jobs schafft, Amerikas Wirtschaft nach vorne bringt und amerikanische Konsumenten schützt“.
Die Aktion von Wikipedia sei dagegen „der Gipfel an Unverantwortlichkeit“, sagte Verbandschef und Ex-Senator Chris Dodd auf MSNBC. Sie erinnere ihn an seine jungen Kinder, die, wenn sie wütend sind, „schreien oder die Luft anhalten“.
Doch Dodd und seine Branche hatten wenig Erfolg: Am Nachmittag kippten die ersten Abgeordneten um, und zwar parteiübergreifend. Orrin Hatch aus Utah, Roy Blunt aus Missouri and John Boozman aus Arkansas veröffentlichten Stellungnahmen, wonach sie die SOPA und PIPA nicht mehr unterstützen wollten. Der Abgeordnete Jim DeMint aus South Carolina twitterte, die Gesetze seien „fehlgeleitet“ und würden „mehr Schaden anrichten als Gutes tun“. Kollege Robert Menendez aus New Jersey versprach daran zu arbeiten, „dass wichtige Änderungen vorgenommen werden“. Weitere Parlamentarier kündigten Ähnliches an.
Und so blieb dem mächtigen Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, am Nachmittag nur noch folgende geschraubte Feststellung: „Es ist für viele von uns ziemlich klar, dass es an diesem Punkt einen Mangel an Konsens gibt“. Am Dienstag sollen die Gesetzesentwürfe zur Debatte im Kongress liegen. Die Schlacht geht weiter.
@ braunm
Leider haben Sie keine Ahnung. Die Abgaben sind überhaupt nicht erheblich, sondern - von ein paar Ausnahmen abgesehen - beschämend lächerlich.
Als Autor (Journalist) wäre ich ja froh, es gäbe Milliarden für die Kreativen. :-)
Aber nicht einmal die Gema als mächtigste Verwertungsgesellschaft in Deutschland bekommt auch nur eine Milliarde. Die VG Wort, die mich vertritt, hat gute 100 Millionen pro Jahr zu verteilen. Selbst wenn man die Bild-Kunst dazurechnet, ist man von einer (!) Milliarde noch ein Stück weg.
Die Verwerterlobby bekommt im deutschen Urheberrecht weniger ab als die Kreativen (bei uns in der VG Wort sind es normalerweise 30:70 zugunsten der Autoren). Unfairer als die Verlage sind in Wahrheit Firmen wie Grooveshark: Ihr Geschäftsmodell besteht darin, die kreative Leistung Dritter auszuschlachten, aber nichts in die Herstellung der Werke zu investieren. Musikautoren haben nur eine Chance, für diese Art der Nutzung eine Vergütung zu bekommen - über die GEMA.
Übertreiben Sie nicht so. Eine Musikdatei kostet doch keine zwei Euro. Im Prinzip haben Sie natürlich recht. Man müsste als Vergleich für das Gros solcher Sammlungen schon den Preis von CDs am Ramschtisch zu Grunde legen, also eher 40 Cent pro Song. Dann wäre wir nicht bei Ihren maßlos aufgerundeten 20.000 € Schaden und nicht bei 9.900 € Einzel-VP, sondern bei 4.000 €.
Wenn Sie all das, was Gema-Gebühren kostet, wirklich für Mist hielten, könnte es Sie nicht stören, dass die Gema die Hand dafür aufhält.
Man kann sicher darüber streiten, ob bestimmte Gema-Tarife nicht unangemessen sind. Aber grundsätzlich werden Sie sich schon damit abfinden müssen, dass Kreative mit ihrer Arbeit Geld verdienen wollen. Sie durften in der Analogzeit auch keine Schallplatten oder Videokassetten stehlen, deren Verkaufspreis ja nicht als Bezahlung des Materials gedacht war.
Ich vermute mal, Sie verwechseln bei "frei zugänglich" die deutsche Haupt-Wortbedeutung von "frei" (ungehindert) mit der englischen ("free" = gratis). Sie haben freien Zugang zu Bier, aber keinen Anspruch auf Freibier.
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