28. Mai 2012 

Handelsblatt

_

"Schlichtweg gefährlich": Digitalwirtschaft warnt vor "Hacker-Währung"

Der Aufstieg einer digitalen Schattenwährung schreckt die deutsche Digitalwirtschaft auf. Ihr Bundesverband warnt Verbraucher und Händler vor Bitcoins als Zahlungsmittel - und hält die Währung für gefährlich.

Logo der Bitcoin-Währung. Die deutsche Digitalwirtschaft warnt vor der Verwendung der digitalen Münzen. Quelle: Public Domain
Logo der Bitcoin-Währung. Die deutsche Digitalwirtschaft warnt vor der Verwendung der digitalen Münzen. Quelle: Public Domain

DüsseldorfDer Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) rät Verbrauchern von der Nutzung der Zahlungsmittel Bitcoins ab. Nach Ansicht des Verbands besitzt die digitale kryptografische Schattenwährung das Potenzial, der gesamten Gesellschaft durch Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder illegale Geschäfte nachhaltig zu schaden. Für die Sicherheit der Verbraucher und im Interesse aller Marktteilnehmer empfiehlt der BVDW auf die bewährten Zahlungsmittel und -methoden bei Online-Transaktionen im E-Commerce zu vertrauen.

"Zum einen sind Ausgabe und Kontrolle von Zahlungsmitteln in unserer Gesellschaft eine hoheitliche Aufgabe" heißt es in einer Presseerklärung. Durch die Nutzung von Bitcoins als Zahlungsmittel werde außerdem die notwendige Kontrolle durch den Staat in den Fällen von Steuerhinterziehung oder Geldwäsche unmöglich. "Deswegen sind Bitcoins schlichtweg gefährlich und haben das Potenzial, der gesamten Gesellschaft eben durch Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder andere illegale Geschäfte nachhaltig zu schaden", teilte der Verband mit.

Bitcoins Digitale Schatten-Währung wertet massiv auf

Ein Hacker hat eine Währung mit einzigartigen Eigenschaften geschaffen. Dezentrale Computer übernehmen die Aufgabe einer Notenbank, vorbei an jeder Kontrolle. Der Wert der Währung steigt rasant. VON STEPHAN DÖRNER

Bitcoins: Digitale Schatten-Währung wertet massiv auf

"Die reale Wirtschaft darf nicht zum Monopoly-Spiel werden", so der BVDW. Der Verband geht davon aus, dass "Ersatzwährungen" wie Bitcoins früher oder später verboten werden. Eine Ansammlung von Bitcoins als monetäre Reserve könnte daher von einem auf den anderen Tag durch den staatlichen Eingriff entwertet werden, warnte der Verband.

Im Interview mit "Spiegel Online" hatte der Währungsfachmann Gerhard Rösl, Professor an der Fachhochschule Regensburg, das Missbrauchspotential als nicht dramatisch eingestuft. Auch Bargeld erlaube anonyme Zahlungsvorgänge, "und nicht jeder, der mit Bargeld bezahlt, ist ein Verbrecher", kommentierte Rösl den Aufstieg der Schattenwährung.

Auch Bargeld könne für kriminelle Handlungen missbraucht werden, sagte auch Linus Neumann von netzpolitik.org im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Rein technisch betrachtet beruhe das Bitcoin-Projekt auf einer soliden Basis. "Die Frage ist nur: Ist das am Ende konvertibel? Ist das nur ein Hype oder mehr?" Beim vertrauten Zahlungsmittel Geld sorge der Staat für das nötige Vertrauen. "Solange es kein allgemeines Grundvertrauen zu Bitcoins gibt, ist das nicht mehr als ein Spaß."

Bei Bitcoins handelt es sich um eine seit 2009 im Umlauf befindliche reine digitale und nicht offizielle Währung. Die Geldmengensteuerung funktioniert dezentral über das Errechnen neuer gültiger Bitcoins, wobei die Menge der Bitcoins auf maximal 21 Millionen begrenzt ist. Bitcoins erlauben anonymes Bezahlen über das Internet und können auf verschiedenen Händler-Seiten im Internet in andere Währungen wie Euro und Dollar getauscht werden. Ziel der Aktivisten, die Bitcoins erschaffen haben, ist die Etablierung einer digitalen Alternativwährung, die völlig frei von der Kontrolle von Banken und Staaten ist.

Am Mittwoch wurde ein Bitcoin für etwa 8,7 Dollar gehandelt, wie aus den auf der Website Bitcoinwatch veröffentlichten Umsätzen hervorging. Damit setzte sich der Höhenflug der Schattenwährung fort: Noch am Montag kostete eine Bitcoin 7,5 Dollar. Im Februar war eine Bitcoin dagegen nur etwa einen Dollar wert. Derzeit sind etwa 6,4 Millionen Bitcoins im Umlauf, die etwa 56 Millionen Dollar wert sind.

Digitale Bezahlsysteme Wie man heute im Internet bezahlt

  • Digitale Bezahlsysteme: Wie man heute im Internet bezahlt
  • Digitale Bezahlsysteme: Wie man heute im Internet bezahlt
  • Digitale Bezahlsysteme: Wie man heute im Internet bezahlt
  • Digitale Bezahlsysteme: Wie man heute im Internet bezahlt