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Soziales Netzwerk Google+: Googles Himmelfahrtskommando

Google+ ist schon der zweite Versuch des Internetriesen, ein eigenes soziales Netzwerk zu etablieren. Auch wenn Google gute Gründe hat, es noch einmal zu probieren, stehen die Chancen gegen Facebook schlecht.

Personenkreise statt Freunde-Einheitsbrei: Google+ soll die Privatsphäre besser schützen als Facebook. Quelle: Reuters
Personenkreise statt Freunde-Einheitsbrei: Google+ soll die Privatsphäre besser schützen als Facebook. Quelle: Reuters

DüsseldorfGroßes hatte Google am 9. Februar 2010 auf einer Pressekonferenz im Unternehmenssitz Mountain View zu verkünden. Google-Mitgründer Sergey Brin persönlich nahm an der der Konferenz teil, um zu skizzieren, wie sich Google das soziale Web der Zukunft vorstellt. Mit Google Buzz sollte das E-Mail-Postfach von Google zur zentralen Schaltstelle des Internets werden. Egal ob E-Mails, Chats, Fotos und Videos – alles sollte mit Freunden über Google Buzz geteilt werden können. Dabei setzte der Internetriese auf die breite Nutzerschaft des E-Mail-Dienstes: Jeder Google-Mail-Nutzer wurde flugs zum Teil von Buzz, so lange er dem in den Einstellungen nicht explizit widersprach.

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Von einem frontalen Angriff auf Facebook war damals die Rede – ganz so wie heute mit Google+. Doch der Service fiel bei den Nutzern durch. Zu technisch, zu kompliziert, zu verkopft, so die Kritiker. Auch Datenschutzverstöße wurden bemängelt. Buzz führte dazu, dass die Nutzer Informationen mit anderen E-Mail-Kontakte teilten, ohne dem explizit zugestimmt zu haben. Google willigte deshalb schließlich ein, dass der Datenschutz von unabhängiger Seite jedes Jahr überprüft wird. Bis heute ist es Google nicht gelungen, größere Nutzerschichten für seinen Dienst zu begeistern.

Nun wagt der Suchmaschinenriese einen zweiten Anlauf im sozialen Web– aus gute Gründen: Empfehlungen von Freunden gelten als einer der Schlüssel für das Suchmaschinengeschäft der Zukunft. Denn wo Suchmaschinenoptimierer mit immer raffinierteren Methoden versuchen, Maschinen zu überlisten, zählen die Empfehlungen von echten Menschen immer mehr.

Google will die Suche sozialer machen

Vor allem sind mit der Verknüpfung der Daten von sozialen Netzwerken und Suchmaschine individuell abgestimmte Ergebnisse möglich. Bei Linkempfehlungen vertrauenswürdiger Freunde handelt es sich nicht um unerwünschte Werbung. Was Freunde des Nutzers bereits empfohlen haben, könnte ihn ebenso interessieren. Kaum etwas verrät mehr über Interessen und Vorlieben – und damit die erwünschten Suchergebnisse – als das persönliche Netzwerk.

In einem klugen Schachzug sicherte sich Microsoft schon 2007 1,6 Prozent an Facebook – für gerade einmal 240 Millionen Dollar. Deshalb hat Microsofts Websuchmaschine Bing bisher exklusiven Zugriff auf die Daten des mit Abstand größten sozialen Netzwerks der Welt, während Google auf eine Partnerschaft mit dem immer bedeutungsloseren Online-Netzwerk MySpace setzte. Google droht daher bei sozialen Empfehlungen den Anschluss zu verlieren – und steuert seit einiger Zeit gegen. Vor kurzem integrierte Google erstmals testweise Empfehlungen von Suchergebnissen direkt in die Suche. Der +1-Button, der analog zum „Like-Button“ von Facebook funktioniert, ist eine Ausgliederung aus Google+.

„Urs-Quake“ führte zur Entwicklung von Google+

Als Auslöser für Googles Angriff auf Facebook gilt ein internes Memo des Google-Managers Urs Hölzle. Das Memo, das intern als „Urs-Quake“ („Urs-Beben“) bezeichnet wird, warnte im März 2010 davor, dass Google den Anschluss bei sozialen Netzwerken verlieren würde.

Aus dem Scheitern von Google Buzz hat der Konzern aber offensichtlich gelernt: Anders als Buzz wurde Google+ eher vorsichtig und leise angekündigt – durch eine Pressemeldung, nicht über eine groß angelegte Pressekonferenz. Und Google+ bietet einen echten Vorteil gegenüber Facebook: Nicht jeder wird als Freund gleich behandelt, stattdessen gibt es verschiedene Personenkreise („Circles“), mit denen man verschiedene Informationen teilen kann – oder eben auch nicht. Damit will Google das echte Leben besser abbilden, wo auch nicht jede Information automatisch mit jedem Bekannten geteilt wird.

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