_

Stats Monkey: Der digitale Reporter

Weltweit arbeiten Forscher daran, Computern das Verstehen und Interpretieren von Daten beizubringen. Mit dieser Fähigkeit können Programme scheinbar unzusammenhängende Informationen in ihrem sogenannten semantischen Zusammenhang verstehen und dadurch Trends im Netz aufspüren oder sogar eigene Texte verfassen. Das Potenzial ist enorm.

Baseballspiel: Intelligente Computerprogramme berichten selbständig über den Lieblingssport der US-Amerikaner. Quelle: Reuters
Baseballspiel: Intelligente Computerprogramme berichten selbständig über den Lieblingssport der US-Amerikaner. Quelle: Reuters

Der Autor dieser Zeilen ist ein Mensch aus Fleisch und Blut. Er hat vergangene Nacht knapp sieben Stunden geschlafen, nach dem Aufstehen einen Kaffee getrunken und auf dem Weg ins Büro um ein Haar seine Bahn verpasst.

Anzeige

Den Reportern in der Redaktion des amerikanischen College-Sport-Senders Big Ten Network wird das nie passieren. Sie brauchen weder Schlaf noch Kaffee, um fit zu sein. Und nach Hause gehen sie erst gar nicht: Es sind Computer, die für die Internet-Seite des Senders die Berichte über Baseball- und Softball-Spiele schreiben.

Trotzdem brauchen ihre Texte den Vergleich mit von Menschen verfassten Artikeln nicht zu scheuen, wie die Beispielübersetzung zeigt: "Eine herausragende Leistung von Willie Argo trug Illinois am Samstag im Medlar-Stadion zu einem 11:5-Sieg über die Nittany Lions der Pennsylvania-State-Universität. Argo schlug zwei Home-Runs für Illinois."

"Stats Monkey", zu Deutsch "Statistik-Affe", heißt das Computersystem, das solche Texte nicht nur verfasst, sondern auch ein Foto des wichtigsten Spielers auswählt und gleich die passende Überschrift mitliefert. "Das Programm kann herausfinden, was in einem Spiel passiert ist", sagt Entwickler Larry Birnbaum von der Northwestern University aus Chicago. "Alles, was es dazu braucht, sind Statistiken."

Stats Monkey ist nicht das Ende des Journalismus. Doch die Software beweist beeindruckend, wie Computer Menschen inzwischen helfen können, scheinbar unzusammenhängenden Datenschnipseln einen Sinn zu verleihen und damit Informationen in ihrem sogenannten semantischen Zusammenhang zu verstehen.

Was bei der Statistik eines Baseballspiels im Kleinen gelingt, funktioniert künftig auch mit den Daten eines Unternehmens - oder sogar dem gesamten Web: Das elektronisch abrufbare Wissen der Menschheit wird verknüpft und für konkrete Fragen nutzbar.

  • Die aktuellen Top-Themen
Ethik-Diskussion: Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Bei einer Tagung des Chaos Computer Club haben Hacker versucht, für sich eine neue Ethik zu formulieren. Doch die Szene streitet, was Hacker dürfen sollen.

Expo 2012: Viel High Tech, wenig Gäste

Viel High Tech, wenig Gäste

Mit einer Expo zur nachhaltigen Nutzung der Meere will Südkorea Gäste aus aller Welt ins Land locken. Allein im deutschen Pavillon stecken 15 Millionen Euro. Doch die ersten Besucherzahlen waren enttäuschend.

Dragon besucht ISS: Das Andock-Manöver in Bildern

Das Andock-Manöver in Bildern

Erstmals dockt an der Raumstation ISS etwa 350 Kilometer über der Erdoberfläche ein privat finanzierter Raumtransporter an. Die beeindruckenden Bilder zu einem Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

  • Video

Auto-Visionen Viel Power für wenig Euro - Mazda 3 MPS

Über das Design des sportlichen Japaners kann man streiten - über das Preis-Leistungsverhältnis nicht. Für weniger als 30.000 Euro bietet Mazda satte 260 Pferdestärken. Was sonst noch im MPS steckt, klärt unser Fahrtest.