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Stratfor-E-Mails: Wikileaks meldet sich zurück

Wikileaks ist wieder da. Monatelang war es ruhig um die Enthüllungsplattform, jetzt verspricht sie den nächsten Coup: über fünf Millionen E-Mails des US-Strategieberaters Stratfor.

Fans von Wikileaks-Chef Assange: Ein neuer Daten-Coup ist geplant. Quelle: dpa
Fans von Wikileaks-Chef Assange: Ein neuer Daten-Coup ist geplant. Quelle: dpa

London/WashingtonDer lange totgesagten Enthüllungsplattform Wikileaks von Julian Assange ist gemeinsam mit der Anonymous-Bewegung ein neuer Coup gelungen: Wikileaks machte tausende E-Mails des US-Militärberatungsunternehmens Stratfor öffentlich. Nach Angaben von Anonymous hatte die Organisation die Daten Ende vergangenen Jahres an sich gebracht und an Wikileaks weitergegeben. Transparenz sei notwendig, „um unsere Welt zu verstehen“, begründete Anonymous die gemeinsame Aktion in einer Mitteilung im Internet-Dienst Twitter.

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Wikileaks-Gründer Assange sagte am Montag in London, das US-Unternehmen, das von Kritikern auch als privater Geheimdienst bezeichnet wird, sei von „25 Medien aus aller Welt“ mehrere Monate lang beobachtet worden. Die nun veröffentlichten Daten deckten einen enormen Skandal auf. „Die große Story wird in drei bis vier Tagen herauskommen“, kündigte Assange an.

Die Mails stammen laut Wikileaks aus der Zeit zwischen Juli 2004 und Ende Dezember 2011. Diese enthüllten die inneren Arbeitsweisen eines Unternehmens, das vertrauliche Informationen an große Unternehmen wie Dow Chemical oder Lockheed Martin sowie an Regierungsbehörden wie das US-Heimatschutzministerium oder den Militärgeheimdienst DIA liefere. „Die E-Mails zeigen das Informanten-Netz von Stratfor, die Honorarstruktur, Geldwäsche-Praktiken und psychologische Methoden“, heißt es in einer Mitteilung von Wikileaks. Stratfor liefert nach eigenen Angaben geopolitische Analysen.

Anonymous-Hack „Die Website war schlicht schlecht gesichert“

Andreas Bogk ist Hacker und Sprecher des Chaos Computer Clubs. Im Interview zur Attacke auf Stratfor prangert er „peinliche Fehler“ des US-Unternehmens an und sagt, warum er von der Aktion der Hacker nichts hält.

Das Material soll laut Wikileaks auch Informationen über das Vorgehen der US-Regierung gegen Julian Assange enthalten, den Gründer der Enthüllungsplattform. In mehr als 4000 E-Mails gehe es um Assange oder Wikileaks.

Stratfor war am 26. Dezember Ziel eines Angriffs aus dem Internet geworden, zu dem sich die „Operation Antisec“ von Anonymous bekannte. Die Hacker bezeichneten die letzte große Attacke des Jahres als „LulzXmas“ - eine Zusammensetzung aus dem Szenewort „Lulz“ (Spaß) und „Christmas“ (Weihnachten).

Das Unternehmen verurteilte am Montag die Attacke und die Veröffentlichung der E-Mails. Stratfor werde nicht zu den Inhalten Stellung nehmen. Der Gründer und Chef von Stratfor, George Friedman, sei entgegen anderslautenden Gerüchten weiter im Amt.

Wikileaks-Gründer Assange sitzt in Großbritannien fest und wehrt sich gegen eine Auslieferung nach Schweden. Dort werden ihm Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorgeworfen. Er selbst sieht hinter dem Verfahren einen möglichen Racheakt für frühere Veröffentlichungen seiner Enthüllungsplattform. Assange befürchtet, dass er von Schweden an die USA ausgeliefert werden könnte. Wikileaks hatte Ende 2010 rund 250.000 interne Mitteilungen aus US-Botschaften in aller Welt veröffentlicht.

Bereits zuvor hatte Wikileaks große Mengen vertraulicher Daten aus dem US-Verteidigungsministerium zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan öffentlich gemacht. Die mutmaßliche Quelle, der US-Soldat Bradley Manning, sitzt seit mehr Mai 2010 in amerikanischer Militärhaft. Seit Mitte Dezember 2011 wird ihm der Prozess gemacht. Ihm droht lebenslange Haft.

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