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Tracking: Der Fingerabdruck des Browsers

Ein Student erforscht, ob er Internetnutzer anhand der Informationen, die ihr Browser preisgibt, wiedererkennen kann. Er kann. Der Fall zeigt, wie schwierig es ist, im Internet seine Spuren zu verwischen.

Browser-Fingerprinting nennt Henning Tillmann sein Forschungsprojekt – er nimmt digitale Fingerabdrücke. Quelle: dpa/picture alliance
Browser-Fingerprinting nennt Henning Tillmann sein Forschungsprojekt – er nimmt digitale Fingerabdrücke. Quelle: dpa/picture alliance

HamburgHenning Tillmann sammelt Daten. Daten über Browser. Für seine Diplomarbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin untersucht der Informatikstudent, ob er Internetnutzer auch ohne den Einsatz von Cookies wiedererkennen kann. So viel vorweg: Er kann.

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Schuld sind die Informationen, die der Browser preisgibt, ohne dass der Nutzer etwas davon mitbekommt. Browser-Fingerprinting nennt Tillmann sein Projekt – er nimmt digitale Fingerabdrücke.

Um eine möglichst aussagekräftige Datenbasis zu bekommen, stellt Tillmann auf bfp.henning-tillmann.de sein Projekt vor und bittet um zwei Klicks. Einen für die Einwilligung, dass Daten erhoben und ausgewertet und später zusammen mit allen anderen Daten der Diplomarbeit in anonymisierter Form veröffentlicht werden. Einen weiteren Klick für die Teilnahme.

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Anschließend bekommt jeder Teilnehmer zu sehen, was sein Browser über ihn verrät. Mehr als zwei Dutzend Datenkategorien – darunter IP-Adresse, Betriebssystem, Bildschirmauflösung, Sprache, Farbtiefe, Plug-ins und installierte Schriftarten – ergeben den Fingerabdruck.

Insbesondere die Schriftarten können verräterisch sein, sagt Tillmann. Wer zusätzlich zu seinem Standard-Paket noch weitere Schriftarten installiert, sei schon anhand von insgesamt drei bis vier Datentypen wiederkennbar. Abgesehen davon „sind, wenn man sich zum Beispiel die Schriftart einer bestimmten Partei installiert, auch persönliche Vorlieben erkennbar“.

Cyberkriminalität

Tillmann ist nicht der erste, der diese digitalen Fingerabdrücke untersucht. Die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hatte bereits Anfang 2010 auf das Problem der verräterischen Browser hingewiesen.

  • 29.11.2012, 00:39 UhrTorbanner

    Wenn ich anonym im Internet unterwegs sein will, finde ich dafür Lösungen wie Tor, die mit einem Verlust an Funktionalität und Geschwindigkeit verbunden sind.

    Als Betreiber einer kleinen journalistischen Webseite nutze ich alle verfügbaren Möglichkeiten, möglichst wenig Daten von meinen Nutzern einzusammeln. Ich habe überhaupt nicht die Absicht, ihnen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen irgendwelche Daten zu entreißen.

    Um meine Webseite ein wenig durch Bannerwerbung zu finanzieren, habe ich mich einem Banner-Netzwerk angeschlossen. Dieses Netzwerk wiederum arbeitet wie andere Banner-Netzwerke auch mit Cookies. Mit den Cookies werden Käufe oder Anmeldungen registriert, die meine Nutzer nach einem Klick auf das Werbebanner vornehmen.

    Wenn meine Nutzer in ihren Browsern die Cookies deaktivieren, fällt diese Einnahmequelle weg - und damit eine eigentlich wichtige Möglichkeit, mein unabhängiges journalistisches Informationsangebot zu finanzieren. Dann betreibe ich nur noch kostenlose Werbung für meine Partner.

    Müsste es nicht eine Möglichkeit geben, dass Internetnutzer anonym bleiben können - und gleichzeitig Käufe und Anmeldungen der Webseite zugeordnet werden können, über welche die Transaktion erfolgt ist?

  • 28.11.2012, 14:15 Uhrp-s

    Anonymitätstests sind so alt wie das Netz selbst. Ein bekanntes eigenständiges Projekt das schon 10 Jahre existiert ist JonDo von der TU Dresden. Auf deren Seite kann sich jeder ohne Anmeldung ein Anonymitätstest inkl. Fingerprint anzeigen lassen. Gilt als sicherer, da anders als bei Tor die Server zertifiziert werden und nicht in China stehen....

  • 28.11.2012, 14:00 Uhrhermann.12

    Das Identifizieren ist insgesamt noch das geringste Problem.
    Wirklich problematisch wird es dadurch, dass Unternehmen, Politiker und sonstige Interessierte die statistischen Daten nutzen, um ihr Risiko zu minimieren. wer die größeren Einflussgruppen in einer Gesellschaft identifizieren kann, braucht keine Mehrheiten mehr oder Produkte, die auch kleineren Gruppieren nutzen versprechen. Das leistet der Diktatur der relevanten Minderheiten Vorschub, bei Angeboten und auch Politik. Denn damit lassen sich Gewinne maximieren bei gleichzeitiger maximaler Risikoreduzierung,
    das gleiche gilt für Wahlaussagen.
    Damit ist es eine reale Bedrohung für die politische Freiheit und der Bedarfsdeckung der Märkte, die der Profitmaximierung geopfert wird.
    Tendenzen dazu sind sowohl in der Politik, als auch in der Wirtschaft bereits Realität. Mit genaueren Erfassungen lässt sich dann viel zielsicherer manipulieren.
    Die ungefragte Datenerfassung sollte rigoros verboten werden, sie ist letztlich staatsfeindlich!
    Und alles was möglich ist, wird letztlich auch genutzt, wie wir an unserer Geschichte erleben durften letztlich bis hin zum Völkermord.

    H.

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