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Twitter: Wie Osamas Todesnachricht das Netz eroberte

Twitter war am schnellsten: Bereits eine Stunde vor der offiziellen Verlautbarung hat sich dort die Nachricht vom Tod Osama bin Ladens verbreitet. Doch ausgerechnet der deutsche Regierungssprecher vertippte sich.

Verschiedenen Onlineseiten englischsprachiger Zeitungen verbreiten die Nachricht über den Tod des Terroristenführers Osama bin Laden. Twitter war wieder einmal schneller. Quelle: dpa
Verschiedenen Onlineseiten englischsprachiger Zeitungen verbreiten die Nachricht über den Tod des Terroristenführers Osama bin Laden. Twitter war wieder einmal schneller. Quelle: dpa

Keith Urbahn, Büroleiter des ehemaligen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, weiß es offenbar als erster: Bereits gegen 4 Uhr morgens deutscher Zeit verkündet er via Twitter, was er von „vertrauenswürdige Personen“ erfahren hat: „Sie haben Osama bin Laden getötet.“ Davon nimmt allerdings kaum jemand Notiz, denn die Nachrichten des Rumsfeld-Mitarbeiters abonnieren nur etwa 3000 Nutzer auf Twitter.

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Schon Stunden vorher hat ein Twitter-Nutzer live von der Militäraktion im pakistanischen Abbottabad berichtet - allerdings ohne zu wissen, worum es geht. „Ein Hubschrauber schwebt um ein Uhr nachts über Abbottabad (ist ein seltenes Ereignis)“, lautete der erste Tweet des IT-Beraters Sohaib Athar (Twitter-Name ReallyVirtual). Später berichtete er von einer schweren Explosion und einem Hubschrauberabsturz und dass laut einem Taxifahrer die Umgebung vom Militär abgeriegelt wurde.

Ebenfalls noch vor Urbahns Twitter-Posting entfacht Dan Pfeiffer Spekulationen, der offizielle Regierungssprecher des Präsidenten. In knappen Worten kündigt er auf Twitter eine Rede von Barack Obama an die Nation an, ohne weitere Details zu nennen. Der auf Twitter besonders aktive CNN-Moderator Anderson Cooper kommentiert: „Ich weiß nicht, um was es gehen wird. Irgendetwas zum Thema nationale Sicherheit. Ich stelle mich auf etwas sehr ernstes ein.“

Etwa eine Stunde, nachdem Urbahn die Nachricht von der Weltöffentlichkeit kaum bemerkt bereits verraten hat, kommt die offizielle Bestätigung – wieder über Twitter: Regierungssprecher Peiffer erklärt im Namen des Präsidenten: „Ich kann dem amerikanischen Volk und der Welt verkünden, dass die Vereinigten Staaten eine Operation durchgeführt haben, die Osama bin Laden getötet hat“. Von da an verbreitete sich die Nachricht rasant über den Kurznachrichtendienst.
Gegen 5 Uhr morgens deutscher Zeit ist Osama bin Laden das höchste „Trending Topic“ bei Twitter – in Deutschland und international.

Erst mit Verzögerung verbreitet sich die Nachricht auch über die klassischen Nachrichtenkanäle. Laut „Winfuture“ ist die US-Online-Zeitung Huffington Post eine der weltweit ersten, die die Nachricht aufgreift. Die „New York Times“ stoppt den Druck ihrer Montagsausgabe, um die Titelseite auszutauschen, wie ein Redakteur der Zeitung via Twitter berichtet.

Dass die Schnelligkeit des Mediums Twitter auch Tücken hat, zeigt ein verhängnisvoller Tippfehler des deutschen Regierungssprechers Steffen Seibert. Im Namen von Kanzlerin Angela Merkel verkündet er, „Obama“ sei verantwortlich für den Tod tausender Unschuldiger und habe die Grundwerte des Islams und aller Religionen verhöhnt. Lasse Becker, Vorsitzender der FDP-Jugendorganisation Julis, regt prompt an, den Tweet zu löschen. Seibert bemerkt den Tippfehler offenbar schnell, sendet erst eine Korrektur-Nachricht und löscht seinen verhängnisvollen Tweet dann ganz.

Der Regierungssprecher bleibt an diesem Tag nicht allein mit seinem Vertipper: „Spiegel Online“ unterläuft derselbe Fehler im Liveticker, auf Twitter kursieren mehrere Screenshots von Nachrichtensendern, die den Namen Obama statt Osama eingeblendet haben.

Auch gewollt witzige Bemerkungen machen die Runde auf Twitter – selbst unter Politikern. So zitiert die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl einen anderen Twitter-Nutzer mit der scherzhaften Frage, ob der Terroristenführer wohl ein iPhone gehabt habe und man ihn deshalb nun so schnell gefunden habe – und spielt damit auf den jüngsten Datenskandal bei Apple an.

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