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Ungewollt verpixelt: Street-View-Fans schlagen zurück

Auch wenn es in der medialen Debatte manchmal so scheint: In Deutschland gibt es nicht nur viele Gegner von Google Street View, sondern auch glühende Anhänger. Ihnen leuchtet nicht ein, warum öffentliche Häuserwände nicht fotografiert werden sollten - und sie wehren sich in Initiativen gegen die Verpixelung des öffentlichen Raums.

von Jens Ihlenfeld und Stephan Dörner Quelle: Golem.de
Selbst die deutsche Google-Zentrale in München ist verpixelt - weil sich ein Mitmieter beschwert hat. Quelle: DAPD
Selbst die deutsche Google-Zentrale in München ist verpixelt - weil sich ein Mitmieter beschwert hat. Quelle: DAPD

BERLIN/DÜSSELDORF. Nach dem Start von Street View in Deutschland wird sichtbar, wozu das Sommertheater um die Verpixelung von Häusern geführt hat. Zwar sind verpixelte Hausfassaden eher eine Ausnahme, doch so mancher ärgert sich, dass das eigene Haus hinter Pixelbrei verschwindet.

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Das war absehbar, denn Google verpixelt auf Wunsch von Bewohnern und Hausbesitzern. Wer entscheidet im Streitfall, ob ein Haus verpixelt wird oder nicht? Für Google ist die Antwort bislang klar: Wenn auch nur ein Bewohner oder Besitzer eines Hauses oder eines Teils davon eine Unkenntlichmachung beantragt, wird verpixelt. Menschen, deren Häuser ungewollt verpixelt wurden, sammeln sich in der Facebook-Gruppe "Ungewollt verpixelt" und organisieren Widerstand.

Dieser Widerstand besteht zunächst darin, selbst Ansichten der eigenen Wohnhäuser in Google verfügbar zu machen - mit eigenen Fotos. Der Schlüssel dazu ist Googles Dienst Panoramio. Dieser blendet von Nutzern gemachte Fotos in Google Maps ein und zeigt ähnlich wie Street View unter anderem Häuserfronten.

Das darf nicht sein, meint Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar: "Es kann nicht sein, dass dritte Personen die Entscheidung von Hausbesitzern gegen eine Darstellung ihrer Wohnsituation bewusst ignorieren und über den Fotodienst Panoramio Ansichten von verpixelten Häusern anfertigen, die Google dann selbst unverpixelt auf Street View einstellt". Google widerspricht. Man wolle keine "Zensur an User Generated Content betreiben".

Bei Street View gilt derweil: einmal verpixelt, immer verpixelt. Einen Weg zurück vom verpixelten Haus gibt es nicht, denn entsprechend den Absprachen mit den Datenschützern hat Google auch die Rohdaten unkenntlich gemacht. Wer regelmäßig umzieht, hat also die Chance, mehr und mehr Häuser in Street View auf Dauer verpixeln zu lassen. Zudem ist es wohl mit Tricks möglich, auch fremde Häuser verpixeln zu lassen. Das zumindest vermuten die Hamburger Grünen, denn auch deren Büros sind zu ihrem Ärger verpixelt.

Pro-Street-View-Aktivisten sammeln verpixelte Häuser

Unter Street-View-freundlichen Nutzern des Kurznachrichtendiensts Twitter macht derzeit die Adresse http://findedaspixel.de/ die Runde. Nutzer werden aufgefordert, verpixelte Häuser bei Street View zu suchen und zu melden. Die Daten könnten beispielsweise der Initiative des IT-Beraters und Fotografen Jens Best helfen. Der hatte bereits im Vorfeld die Aktion "Verschollende Häuser" ins Leben gerufen, bei der Häuser fotografiert werden sollen, die in Street View verpixelt wurden.

Bests Argumentation: "Wir müssen den öffentlichen Raum im Netz verteidigen". Dazu hat der Internetaktivist bereits 675 Freiwillige in ganz Deutschland gefunden, die sich auf die Jagd nach Häuserfassaden machen, deren Eigentümer oder Mieter einer Veröffentlichung in Google Street View widersprochen haben.

Wie das Nachrichtenportal derwesten.de berichtet, schrecken einige Google-Fans offenbar nicht mal vor Sachbeschädigung zurück. Dem Bericht zufolge haben unbekannte Häuser in Essen mit Eiern beworfen, die bei Googes 3D-Kartendienst verpixelt wurden. An den Briefkästen klebten Zettel mit der Aufschrift "Google’s cool".

Quelle: Golem.de
  • 22.11.2010, 23:38 UhrDaniel

    Die zwangsweise Veröffentlichung verpixelter Häuser ist ein Hobby unausgelasteter NERDs und erzeugt bei mir heftiges Kopfschütteln ! Mit welcher begründung nehmen diese sich das Recht heraus, sich über die Entscheidung der jeweiligen besitzer hinwegzusetzen ? Muss man demnächst auch damit rechnen, von diesen Schwachköpfen ein Facebook-Profil angelegt zu bekommen, wenn man das selbst bisher vermieden hat ? Wo und wie mein Eigentum im internet abgebildet wird, möchte ich selbst entscheiden. PUNKT !

  • 23.11.2010, 12:55 Uhrgollrich

    @Daniel: Erstmal du hast Persönlichkeitsrechte dein Haus nicht, PUNKT!
    ich nehme mir das Recht nicht heraus verpixxelte Häuser zu fotografieren sondern es existiert einfach und nennt sich Panoramafreiheit... ohne diese gäbe es keine Urlaubsfotos oder sonst irgendwelche bilder aus dem öffentlichen Raum, sicher hast du noch nie ein Foto im Urlaub gemacht, wo ein fremdes Haus mit drauf war....
    Um die Abschaffung der Panoramafreiheit zu verhindern, fotografiere ich die Häuser, den wenn man diese Einschränkung jetzt einfach hinnimmt kommt demnächst die nächsten....
    Nur weil sich der Mob von der bildzeitung aufbringen lassen hat, muss man sich diesem nicht beugen...
    PUNKT!

  • 23.11.2010, 16:45 UhrDaniel

    @gollrich: Das ist doch blanker Unsinn. Wer will denn die Panoramafreiheit abschaffen ? Vermutlich die böse bundesregierung ? Die CiA ? Die Freimaurer ?

    Es ist doch das eine, ob Sie im Urlaub Fotos machen und diese ihrem Fotoalbum hinzufügen bzw. meinetwegen auch im internet über ihre persönliche Homepage, Facebook, Flickr oder sonstwie mit anderen teilen (aber eben mit bezug zu ihnen) -oder- ob Sie ein bestimmtes Objekt gezielt und detailiert abfotografieren und eine geographische Zuordnung an einer zentralen Stelle wie Google-Maps herstellen, so dass jeder, der sich für dieses Objekt interessiert, es auch findet. Nennen Sie mir doch bitte einen vernünftigen Grund, warum jeder (Arbeitgeber, Kollegen, Kunden, ...) mit einem Tastenklick auskuntschaften können muss, wie es bei mir zu Hause aussieht (bzw. zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgesehen hat) ? Wer nichts dagegen hat, muss ja nicht verpixeln lassen - der Wunsch der anderen muss aber akzeptiert werden !

    Wenn Sie zu viel Zeit haben, kümmern Sie sich um Themen, wo wirklich bürgerrechte in Gefahr sind.

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