
DüsseldorfComputer sind Kopiermaschinen. Das liegt schon daran, wie sie funktionieren: Wer eine Website aufruft oder ein Programm ausführt, der kopiert den Inhalt in den Arbeitsspeicher, damit Prozessor und Grafikkarte ihn bearbeiten können. Das Wesen des Computers ist die Kopie.
Jahrelang war das kein Problem. Der Rechner war ein Arbeitsgerät, meist zur Textverarbeitung eingesetzt oder zum passiven Konsum von Inhalten. Doch mit dem Web 2.0 wurden Computer und Smartphone zum Tor zu einem interaktiven Kulturraum und dadurch für Millionen von Menschen zum unverzichtbaren Teil ihres Privatlebens. Zudem werden auch Filme und Musik wie selbstverständlich aus dem Netz geladen. Die „Generation Tauschbörse“ war geboren - und der Konflikt programmiert: der Streit über das Urheberrecht.
Ob eine Kopie von Werken zulässig ist, regelt in Deutschland das Urheberrecht. Es wurde einst im 18. Jahrhundert geschaffen, um das Verhältnis zwischen den Schöpfern und Rechteinhabern von Werken zu regeln. In den Zeiten, als Verlage und Rundfunkstationen ein Monopol auf die massenhafte Verbreitung von Informationen hatten, interessierte das Urheberrecht daher höchstens Experten.
Heute besitzen rund 75 Prozent der Haushalte in Deutschland einen Computer mit Internetzugang. Das Urheberrecht betrifft damit alleine in Deutschland fast 60 Millionen Menschen direkt. Gingen die Jugendlichen früher gegen Atomraketen oder für den Weltfrieden auf die Straße, protestieren sie heute für die freie Nutzung der Inhalte im Internet. Sie wollen das schützen, was ihnen als Ort der Entfaltung dient. Und sie sehen diesen Ort durch Gesetze aus einer längst vergangenen Zeit gefährdet - und durch neue Abkürzungs-Monster wie Sopa, Pipa, ACTA und seit neuestem Cispa.
Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement, kurz ACTA, ist ein internationales Handelsabkommen das derzeit zwischen 39 Ländern - darunter auch die 27 EU-Staaten - verhandelt wird. ACTA soll internationale Standards im Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen setzen.
Netzaktivisten befürchten, ähnlich wie bei PIPA und SOPA in den USA, dass die Haftung für Inhalte durch ACTA auf Provider und Plattformanbieter verlagert würde, wodurch Überwachung und Zensur von Inhalten gefördert würde. Das EU-Parlament muss dem Abkommen zustimmen, damit es in der EU in nationales Recht umgesetzt wird.
Stop Online Piracy Act, kurz Sopa, hieß ein gegen Internet-Piraterie geplante Gesetz, das im Repräsentantenhaus diskutiert wurde - inzwischen aber auf Eis liegt. Das Repräsentantenhaus ist neben dem Senat eine der beiden Kammern des US-Parlaments. Beide Kammern des Parlaments werden gemeinsam als Kongress bezeichnet.
Der Gesetzentwurf wurde am 26. Oktober 2011 vom republikanischen Abgeordneten Lamar Smith aus Texas vorgelegt.
Der Protect IP Act, kurz Pipa, war ein ganz ähnlicher Gesetzesvorschlag wie Pipa, der im Senat diskutiert wurde - der zweiten Kammer des US-Parlaments. IP steht dabei für Intellectual Property, also geistiges Eigentum. Der Senat stimmt am 24. Januar zunächst über Verfahrensfragen bei der Behandlung von Pipa ab. Inzwischen hat das Gesetz keine Chance mehr auf eine Mehrheit. Eingebracht wurde Pipa vom demokratischen Senator Patrick Leahy in Vermont.
Ursprünglich waren sowohl in PIPA als auch in SOPA Netzsperren für Inhalte im Auslands vorgesehen. Inzwischen scheinen diese Vorschläge vor allem aus IT-Sicherheitserwägungen vom Tisch. Die Netzsperren sollten über Manipulationen am Domain Name System (DNS) umgesetzt werden. Das DNS sorgt dafür, dass eine bestimmte Webadresse einer bestimmten IP-Adresse zugeordnet wird. So wird beispielsweise http://www.wiwo.de in http://217.110.229.130 umgewandelt. Eine Manipulation dieser Einträge, um den Zugriff auf ausländische Seiten mit illegalen Inhalten zu sperren, steht im Widerspruch zu Bemühungen Manipulationen an DNS-Einträgen durch technische Maßnahmen zu verhindern. Die Manipulation von DNS-Einträgen wird auch von Cyberkriminellen genutzt, um Nutzer auf falsche Websites zu lotsen.
Wer sich einen Eindruck davon verschaffen möchte, wie dieser Kulturraum aussieht und warum er so erbittert verteidigt wird, sollte einen der beiden populären Blog-Dienste Soup oder Tumblr besuchen. Dort tummeln sich jeden Tag Millionen von Nutzern - überwiegend Jugendliche. Auf den Blogs werden vor allem Bilder veröffentlicht - lustige, kuriose, interessante. Fast nie sind es die eigenen, fast immer stammen sie von irgendwo im Netz.
In den seltensten Fällen ist klar, wer der Urheber eines Bildes ist. Die Urheberrechtverletzung ist für einen Nutzer von Soup oder Tumblr immer nur einen Klick entfernt - denn mit einem Klick übernimmt er ein fremdes Bild in das eigene Blog - samt Hinweis auf das Blog, von dem das Bild übernommen wurde. Das macht den ganzen Zauber dieser Online-Dienste aus, denn so verbreiten sich die interessantesten und lustigsten Bilder in Windeseile unter den Nutzern. Die Urheber der Fotos stört das in der Regel nicht.
Das Problem: Tumblr und Soup wären bei einer konsequenten Durchsetzung des Urheberrechts oder des angelsächsischen Pendant Copyright tot - und niemandem wäre damit geholfen. Oft findet sich ein Hinweis auf dem Foto, in dem der Urheber des Bildes auf seine Website hinweist. Er möchte, dass sich das Bild möglichst weit verbreitet, es stellt eine Anerkennung seines Werkes dar - und es ist kostenlose Werbung für die Website.

Wieso sollte das etwas anderes sein? Das ist genau das was die Piraten und meisten Internetaktivisten fordern, Werke und deren Urheber schützen und gerecht entlohnen. Was die heutigen Regeln nicht unbedingt tun, denn sie schützen und entlohnen in erster Linie Verwerter und die wenige "Topkünstler".

Den Piraten und Netzaktivisten fehlt vollkommen die Reflexion ihres eigenen Denkens:
Mal was von echten Profis? : http://mashable.com/2012/04/10/brain-internet-infographic/

@GhostOfDorian
Ich "verbreite" schon seit Beginn des Netzes und weiß wovon ich rede.
Wo steht denn das ich die Lizenz-Zahlungen der Urheber abschaffen will? Ich denke einfach, das eine Flatrate nichts einbringt, weil eben genau so die Autoren leer ausgehen werden, und die Asche in der Bürokratie verschwindet. Die GEMA hat Einnahmen, welche rund 64000 Mitglieder generieren. Theoretisch hätte dann jedes Mitglied rund 12000 €/Jahr. In Wahrheit werden 80% der Einnahmen für Klassik ausgeschüttet. Ich persönlich kaufe höchstens mal 1 DVD oder ein paar CD's im Jahr. Den Rest lasse ich mich durch GEZ und Werbung bedudeln. Ob mit oder ohne großen Überwachungsapparat, es wird nicht mehr verdient werden. Es ist einfach eine falsche Rechnung, ob man es nun "glauben" will oder nicht. Gute Künstler verdienen dann eben über Konzerte, Lesungen, Theater ihr Geld, na und? Arbeit schändet nicht, oder?
Aber dem schiebt die Gema auch gerade einen Riegel vor, in dem sie Veranstalungen durch Berechnungen von Raumgrößen mit einem Kostenfaktor veranschlagt, den unbekannte Künstler kaum kalkulieren können.
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