_

Urheberrechtsverletzungen: Luxemburger Richter kippen Copyright-Filter im Netz

Der Europäische Gerichtshof hat Copyright-Filtern eine Absage erteilt. Nach Einschätzung von Experten hat das weitreichende Konsequenzen für die Webwirtschaft - und möglicherweise auf die Diskussion um das ACTA-Abkommen.

Screenshot des Datei-Tauschprogrammes Bittorrent. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs müssen Webdienstanbieter keine automatischen Zensur-Systeme einrichten, um Urheberrechtsverletzungen zu verhindern. Quelle: dpa
Screenshot des Datei-Tauschprogrammes Bittorrent. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs müssen Webdienstanbieter keine automatischen Zensur-Systeme einrichten, um Urheberrechtsverletzungen zu verhindern. Quelle: dpa

Luxemburg/BerlinBetreiber von Internet-Plattformen müssen keine Filtersysteme für urheberrechtlich geschützte Werke einrichten. Eine Verpflichtung zum Einrichten zum Copyright-Filtern wäre nicht im Einklang mit einem angemessenen Gleichgewicht zwischen dem Urheberrecht und dem Schutz der unternehmerischen Freiheit, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Donnerstag in Luxemburg. Solche Filter führten zu einer präventiven Überwachung und Identifizierung der Netzwerk-Nutzer. Damit würden deren Rechte auf den Schutz personenbezogener Daten und auf freien Informationszugang verletzt. Diese Rechte seien ausdrücklich durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union geschützt. Auch die Nutzer von Internet-Angeboten hätten „Rechte auf den Schutz personenbezogener Daten und auf freien Empfang oder freie Sendung von Informationen“.

Anzeige

In dem konkreten Fall ging es um juristische Schritte der belgischen Rechtevereinigung Sabam gegen das Soziale Netzwerk Netlog in den Niederlanden. Sabam, die „Vereniging van Auteurs, Componisten en Uitgevers“, wollte Netlog gerichtlich dazu bringen, mit einem technischen Filtersystem das Copyright auf den Profilseiten seiner Nutzer durchzusetzen.

Der Verband der deutschen Internetwirtschaft (Eco) begrüßte das Urteil. Damit werde bestätigt, „dass Hosting-Provider nicht für Inhalte haften, von denen sie keine Kenntnis haben“, erklärte Eco-Vorstandsmitglied Oliver Süme. Das Verbot von Filter-Technologien zur Überwachung von Kundendaten sei eine endgültige Absage an die Forderung nach solchen Systemen, mit denen Provider zur Überwachung ihrer Kundendaten gezwungen werden sollten.

Urheberrecht ACTA-Gegner mobilisieren das Web

Im Internet wächst der Widerstand gegen den Acta-Vertrag, der die Durchsetzung des Urheberrechts international verankern soll. Kritiker rufen für Samstag zu Demonstrationen in mehr als 50 deutschen Städten auf.

Urheberrecht: ACTA-Gegner mobilisieren das Web

„Das Urteil dürfte auch Usenetbetreibern und One-Click-Hostern wie zum Beispiel Rapidshare neuen Aufwind geben“, erklärte der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke. „Letztlich werden auch große Plattformen wie Youtube oder Facebook erheblich von der Entscheidung profitieren, da auf diese Weise mehr Rechtssicherheit in Sachen Haftung für nutzergenerierte Inhalte (user generated content) geschaffen worden ist“, so Anwalt Solmecke.

95 Millionen Nutzer

Netlog hat nach eigenen Angaben mehr als 95 Millionen Mitglieder, laut EuGH nutzen täglich über zehn Millionen Menschen das soziale Netzwerk. Mitglieder können dort persönliche Profile anlegen, kommunizieren und auch Daten austauschen. Die Sabam geht deshalb davon aus, dass Nutzer dort auch illegal Musik und Filme austauschen. Sie forderte deshalb von Netlog, dies mit Filtern zu verhindern.

Die Luxemburger Entscheidung könnte auch Auswirkung auf die Diskussion um das umstrittene internationale Handelsabkommen zur Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie haben. ACTA soll den Schutz geistigen Eigentums verbessern und etwa illegale Downloads von Musikdateien in Internet-Tauschbörsen erschweren. Dafür sollen Behörden etwa Provider unter bestimmten Bedingungen zwingen können, Kundendaten offenzulegen.

Urheberrechts-Debatte im Netz

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat die Unterzeichnung des Abkommens jedoch vorerst auf Eis gelegt. Am vergangenen Wochenende waren europaweit zehntausende Menschen gegen das Abkommen auf die Straßen gegangen. Eco verwies in diesem Zusammenhang auf die von ACTA ausgehenden Gefahren: Das Abkommen wolle den Druck auf die Provider erhöhen, „die wirtschaftlichen Interessen der Copyright-Industrie zu bedienen“. Das verletze den Kern der eigentlichen Providerleistungen und zerstöre das Verhältnis zu den Kunden.

  • 19.02.2012, 23:20 Uhrujf99

    "Web-User gibt es seit bald zwanzig Jahren. Seltsame Menschen sind das. Die kapieren auch in 20 Jahren nicht, dass es keinen Rechtsanspruch darauf gibt, sich alles gratis reinzupfeifen, was andere Menschen ersonnen haben. Das einzige, was sie gelernt haben, ist selbstgefällig rumzupöbeln."

    Das ist unverschämter Blödsinn, meinen Sie? Mag sein. Es ist Ihr Niveau.

  • 16.02.2012, 18:49 UhrAnonymer Benutzer: georg

    Meine volle Zustimmung zu Ihrem Beitrag, nur die Behauptung Buchhalter seien nicht kreativ ist unzutreffend.Beim Eurobeitritt Griechenlands waren doch sehr kreative Buchhalter am Werk...

  • 16.02.2012, 17:04 UhrGernotMeyer

    Das Web gibts seit bald zwanzig Jahren. Und da muss man denn schon sagen, das sind recht seltsame Menschen, diese Damen/Herren Kreativschaffenden. Ihnen fällt nach zwei Jahrzehnten immer noch kein zeitgemässes Geschäftsmodell ein. Stattdessen versuchen sie stur, ihre Mitmenschen mittels eines überkommenen Urheberrechts zu kriminalisieren. Vielleicht denken sie mal dran, sich zu Buchhaltern umschulen zu lassen, die haben auch kein kreatives Talent. Aber das brauchen die auch nicht.

  • Die aktuellen Top-Themen
Ethik-Diskussion: Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Bei einer Tagung des Chaos Computer Club haben Hacker versucht, für sich eine neue Ethik zu formulieren. Doch die Szene streitet, was Hacker dürfen sollen.

Expo 2012: Viel High Tech, wenig Gäste

Viel High Tech, wenig Gäste

Mit einer Expo zur nachhaltigen Nutzung der Meere will Südkorea Gäste aus aller Welt ins Land locken. Allein im deutschen Pavillon stecken 15 Millionen Euro. Doch die ersten Besucherzahlen waren enttäuschend.

Dragon besucht ISS: Das Andock-Manöver in Bildern

Das Andock-Manöver in Bildern

Erstmals dockt an der Raumstation ISS etwa 350 Kilometer über der Erdoberfläche ein privat finanzierter Raumtransporter an. Die beeindruckenden Bilder zu einem Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft