
DÜSSELDORF. Die Aufnahme in diesen exklusiven Zirkel gilt als Zeichen besonderer Wertschätzung. Einmal im Monat trommelt der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, die Chefs der größten deutschen Telekomunternehmen zusammen, setzt sich mit ihnen im 13. Stock der Bonner Regulierungsbehörde an einen Tisch. Für ein paar Stunden schiebt der illustre Kreis alle Fehden beiseite, diskutiert bei Gebäck über die Zukunft des Internets.
Die Treffen sind mehr als ein Kaffeekränzchen. In kleiner Runde stimmen der Deutschland-Chef der Telekom Niek-Jan van Damme, Vodafones Deutschland-Statthalter Friedrich Joussen, Kabel-Deutschland-Geschäftsführer Adrian von Hammerstein und fünf weitere Top-Manager Grundregeln zum Bau superschneller Glasfasernetze ab. Bevor sie weitere Milliarden investiert, will sich die Creme der deutschen Telekomindustrie auf Eckpunkte verständigen, die dann in die 2011 anstehende Novelle des Telekommunikationsgesetzes einfließen könnten.
Damit die Veranstaltung nicht in den Verdacht eines verkappten Kartells gerät, bittet Kurth die Wettbewerbshüter dazu. Julia Topel, die für Telekommunikation zuständige Beschlusskammervorsitzende beim Bundeskartellamt, wacht hochoffiziell darüber, dass alles mit rechten Dingen zugeht, dass keine Geheimabsprachen hinter verschlossenen Türen ein neues Monopol der Glasfaser-Netzbetreiber schaffen.
Vorsicht ist angebracht: Denn was der Zirkel ausheckt, könnte bald das gesamte Internet revolutionieren. Wollen die Telekomchefs doch dem bisher wild und anarchisch gewachsenen Web erstmals Regeln überstülpen, die direkt oder indirekt in die Geschäftsmodelle aller Web-Dienste und Internet-Seiten eingreifen.
Im Kern geht es angesichts immer datenintensiverer Angebote wie Filme und immer häufigerer Engpässe im Netz um die Grundsatzfrage: Sollen Netzbetreiber wie die Telekom weiter alle Internet-Daten gleich behandeln und ohne Unterschied durch ihre Infrastruktur transportieren? Oder dürfen sie Vorfahrtsregeln aufstellen, bestimmte Daten gegen Entgelt schneller durchleiten als andere?
Statt es - wie bisher üblich - dem Zufall zu überlassen, wann Bits und Bytes beim Empfänger ankommen, wollen die Netzbetreiber verbindlich festlegen, wer welche Daten mit welcher Geschwindigkeit und welchen Qualitätsgarantien durch die Netze jagen darf und welche in der Warteschleife landen. Nur dann wollen die Telekomkonzerne weitere Milliarden in den dringend erforderlichen Glasfaserausbau stecken. Die geplante Internet-Maut ruft jedoch massive Proteste sowohl der etablierten Internet-Riesen wie Google als auch der Web-Gründerszene auf den Plan, die Innovationen dadurch ausgebremst sehen.
Überhaupt nichts 'wird eng'.
Hier geht es einzig und allein um folgendes:
Der techologische Fortschritt führt in dieser branche wie in fast allen anderen Wirtschaftsbranchen dazu, dass sie selbe Leistung, wie sie in frühere Jahrzehnten erbracht wurde, heute nur einen bruchteil der früher nötigen Kosten und Aufwendungen verursacht.
Da man leicht ausrechnen kann, dass die Anforderungen der Kunden der Telekommunikationsunternehmen an die Leistung nicht nicht mehr weiter steigen kann als die Datenübertragung für Fernsehkanäle es erfordert, müßten bei echtem Wettbewerb die Telekomunikationsunternehmen massiv an Wert verlieren, denn diese Kapazitäten sind weitestgehend bereits vorhanden oder (relativ) sehr billig bereitstellbar. -- Den Wertverlust ihrer Unternehmung wollen diese Unternehmen selbstverständlich verhindern: durch Ausnutzung ihrer Oligopolstellung und durch Gesetze, die aus technischer Sicht absurd sind.
Die Differenzierung der Geschwindigkeit je nach Preis käme einer Privilegierung gleich.
Analog dazu könnte man auch die Nutzung der dritten Fahrspur auf Autobahnen von einem zusätzlichen Geldbetrag abhängig machen.
Dieses beispiel macht deutlich wie unsinnig eine solche Regelung für die Volkswirtschaft wäre und wie profitabel für einzelne Unternehmen.
H.
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