Doch mit der Aufmerksamkeit um die Enthüllungen rückt auch Wikileakls selbst in den Fokus der Medien. Auf der Website Cryptome, die sich für unbeschränkte Meinungsfreiheit einsetzt, wurden anonym Anschuldigungen gegen das Projekt veröffentlicht. Neben der abstrusen Theorie, die Veröffentlichungsplattform sei vom amerikanischen Geheimdienst CIA finanziert, wurde Wikileaks-Kopf Julian Assange auch der Veruntreuung von Spendengeldern bezichtigt, die nach der Veröffentlichung des Irakkrieg-Videos reichlich flossen. Die Anschuldigungen konnte unterdessen von der dem Chaos Computer Club nahestehenden Wau-Holland-Stiftung im Interview mit dem Freitag entkräftet werden. Allerdings verwaltet die Wau-Holland-Stiftung nur den deutschen Spendenanteil, der Schmitt zufolge aber das Gros der Spenden ausmacht.
Um sich der Kritik zu erwehren, soll das Projekt nun transparenter werden, kündigte Schmitt im Gespräch mit Handelsblatt Online an. Das sei aber ein schwieriger Prozess, der Zeit brauche. Derzeit arbeiten alle Wikileaks-Mitarbeiter, darunter fünf hauptamtliche, ehrenamtlich. Daher sei es bisher schlicht nicht nötig gewesen, Transparenz zu schaffen. Das solle sich in absehbarer Zeit aber ändern. Um die Infrastruktur samt bezahlten Mitarbeitern zu tragen, benötige das Projekt rund 600 000 Dollar im Jahr, so Schmitt. Außerdem will Wikileaks die Linie zwischen Dokumentation und journalistischer Einordnung deutlicher ziehen.
Wachstum stellt Wikileaks vor Herausforderungen
Seit der Veröffentlichungen des Irakkrieg-Videos wächst Wikileaks rasant. Die große Zahl der eingereichten Dokumente und immer mehr Freiwillige, die dem Projekt helfen wollen, stellen das Projekt vor Herausforderungen, so Schmitt. Die Organisation müsse wachsen, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Das sei aber schwierig: Bisher prüfen etwa 800 bis 1 000 freiwillige Experten die eingereichten Dokumente auf Authentizität. Diese rekrutierten sich vor allem aus einem persönlichen Netzwerk des gegenseitigen Vertrauens. Künftig will es Wikileaks Außenstehenden aber leichter machen, sich in das Projekt einzubringen.
Mit der größeren Medienöffentlichkeit wächst auch die Verantwortung der Enthüller. Auf die Frage „Ist ‚Leaken’ ethisch?“ antwortet Wikileaks in seinem Wiki: „Jede Person ist der ultimative Schiedsrichter der Gerechtigkeit in seinem eigenen Gewissen.“ Damit schiebt das Projekt die Verantwortung für die Veröffentlichung von Informationen auf den Benutzer ab.
Was das im Extremfall heißt, führte Schmitt im Interview mit dem Podcast Küchenradio aus. Die Frage eines Moderators, ob Wikileaks auch die Teilnehmer-Daten eines schwulen Chat-Rooms samt Namen und Telefonnummern veröffentlichen würde, bejahte Schmitt damals. Heute ärgert er sich über dieses Statement. „Die Antwort auf diese hochtheoretische Frage wird mir wahrscheinlich noch ewig nachgetragen werden“, gibt er sich zerknirscht. Heute würde er auf diese Frage nicht mehr mit Ja antworten. Wer etwas auf Wikileaks hochlädt, müsse deutlich machen, worin die öffentliche Relevanz der Information bestehe. Auch Informationen, die Menschenleben in Gefahr brächten, würden nicht veröffentlicht.
Auf unserer Webseite gibt es konkrete Vorschläge wie effektiver Whistleblowerschutz in Deutschland aussehen könnte (http://www.whistleblower-net.de/content/view/86/99/lang,de/). Aber leider ist dies nicht ganz so sexy wie Wikileaks und wird von den Medien meist ignoriert.
"Neben der abstrusen Theorie, die Veröffentlichungsplattform sei vom amerikanischen Geheimdienst CiA finanziert, wurde Wikileaks-Kopf Julian Assange auch der Veruntreuung von Spendengeldern bezichtigt, die nach der Veröffentlichung des irakkrieg-Videos reichlich flossen. Die Anschuldigungen konnte unterdessen von der dem Chaos Computer Club nahestehenden Wau-Holland-Stiftung im interview mit dem Freitag entkräftet werden. Allerdings verwaltet die Wau-Holland-Stiftung nur den deutschen Spendenanteil, der Schmitt zufolge aber das Gros der Spenden ausmacht."
Also konnte die Wau-Holland-Stiftung die Anschuldigungen nicht "entkräften" - sie konnten lediglich die Aussage machen, dass das angeblich veruntreute Geld nicht über das Stiftungs-Konto abgewickelt wurde.
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