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Wikipedia erscheint erstmals als gedrucktes Lexikon: Wer ist eigentlich Bruce Darnell?

Bertelsmann bringt die Online-Enzyklopädie als gedruckte Version heraus - unter Wikipedianern war das bis zuletzt umstritten. Das Lexikon liefert die 50 000 populärsten Suchbegriffe: Von den "Böhsen Onkelz" bis "Bruce Darnell".

Bald im Bücherregal zu finden: Wikipedia. Foto: dpa
Bald im Bücherregal zu finden: Wikipedia. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Ab heute liegt sie vor: die weltweit erste gedruckte Version des Online-Lexikons Wikipedia. Auf 29 Seiten sind am Ende des Werkes die Namen der 90 000 Online-Autoren aufgelistet. "Wir haben die kleinste überhaupt mögliche Schrift dafür ausgewählt", heißt beim Gütersloher Wissen Media Verlag. Eigentlich hätte die Bertelsmann-Tochter die Autoren überhaupt nicht nennen müssen. Denn sie schreiben ihre Einträge für das Online-Lexikon, ohne Recht und Lohn. Auch in gedruckter Form werden sie leer ausgehen. Denn das Autorenhonorar geht als Spende an den Wikimedia, der gemeinnützigen Organisation der Wikipedianer.

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Bertelsmann ist stolz als erster Konzern weltweit ein Lexikon der eigentlich freien Internet-Enzyklopädie in gedruckter Form zu verkaufen. "Wir wollen damit jüngere Zielgruppe für das Lexikon gewinnen", sagt die Bertelsmann-Managerin Beate Varnhorn. Denn gedruckte Enzyklopädien sind im Zeitalter von Wikipedia nur noch schwer verkäuflich. "Der Lexikon-Markt ist kein Wachstumsmarkt", sagt Varnhorn beschönigend. Tatsächlich kämpfen die vielbändigen Lexika wie das traditionsreiche Brockhaus ums Überleben.

Seit heute ist nun das 992 Seiten umfassende Wikipedia-Kompendium zum Preis von 19,95 Euro erhältlich. Mitglieder des krisengeschüttelten Bertelsmann-Buchklubs erhalten den blauen Wissensklotz sogar einen Euro billiger.

Die Kooperation zwischen den freien Wikipedianern und den weltgrößten Buchkonzern wurde unter den Autoren heftig diskutiert. "Die Community hat nicht einstimmig Hurra geschrieben. Aber am Ende gab es doch einen Konsens", erinnert sich Catrin Schoneville von Wikimedia. Schließlich kann der Verein die Geldspritze aus Gütersloh gut gebrauchen, um Messeauftritte oder Schulprojekte zu organisieren. Zu dem hoffen die Wikipedianer darauf, mit Hilfe Bertelsmanns populärer zu werden, um noch mehr Autoren und Leser zu gewinnen. Deshalb hat der Verein auch das schmale Honorar von 20 000 Euro bei einer Auflage von knapp 30 000 Exemplaren akzeptiert. Ursprünglich war geplant, dass ein Euro pro Buch in die Kassen des Vereins fließen sollte.

Das einbändige Wikipedia-Lexikon ist kein klassisches Nachschlagewerk. Es wurden vielmehr die 50 000 populärsten Suchbegriffe ausgewählt und von Bertelsmann redaktionell bearbeitet. "Wir liefern Begriffe, welche die Leser heute brauchen", heißt es beim Bertelsmann-Verlag. Die Konzentration auf die Alltagskultur führt allerdings zu fragwürdigen Einträgen. So wird beispielsweise die als rechtsextrem kritisierte Musikband "Böhse Onkelz" dargestellt oder das in die Jahre gekommene TV-Model Bruce Darnell aufgelistet.

Einen ernsthaft lexikalischen Anspruch erfüllt das gedruckte Wikipedia nicht. "Es versteht sich als aktuelles lexikalisches Jahrbuch", sagt Projektleiterin Varnhorn. Ob das "Wikipedia-Lexikon in einem Band" eine Fortsetzung findet, ist offen. "Wenn der Markt das Buch annimmt, können wir uns das Wikipedia-Lexikon als jährliches oder zweijähriges Projekt vorstellen", sagt Projektchefin Varnhorn. An den Wikipedianern wird eine Fortsetzung aber nicht scheitern. Wie heißt es so schön im gedruckten Wikipedia: "Sie (die Autoren) räumen jedermann unentgeltlich das Recht ein, die Inhalte unter bestimmten Bedingungen - auch kommerziell - zu nutzen, zu verändern und zu verbreiten."

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