
BARCELONA. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona wird über alles geredet, nur nicht übers Telefonieren. Der plumpe Austausch gesprochener Wörter verblasst völlig vor dem Hintergrund der neuen Smartphonewelt, in der sich alles um Applikationen, Multimedia, Soziale Netzwerke und umfassender Integration der Adressbücher dreht. In den Mittelpunkt rückt, wie zum Beispiel bei Sony Ericsson, die Person des Handy-Besitzers als solches, um die herum so nahtlos wie möglich alle Kommunikationsmöglichkeiten und die seiner Kontakte gruppiert und miteinander verknüpft werden. Und Nokia und Intel planen derweil einen gemeinsamen Angriff auf Googles Android-Betriebssystem.
Der Siegeszug Androids setzt sich dabei aber bislang ungebremst fort, jedenfalls was die Popularität bei den Herstellern angeht. Denn Android bietet durch seine Offenheit jedem die Möglichkeit, sich durch verschiedene Nutzeroberflächen von der Konkurrenz anzuheben und so beim Kunden zu positionieren.
Von fünf neuen Geräten bei Sony-Ericcson sind drei mit Android, nur je eines mit Windows Mobile und Symbian. Auch LG setzt auf Android-Smartphones, das GT540 soll noch im ersten Halbjahr in Deutschland erscheinen, zu einem interessanten Preis: Das gut ausgestattete Gerät mit 3-Zoll-Touchscreen soll unter 300 Euro kosten.
In die gleiche Kerbe schlägt das Motorola Quench, ein preiswertes Einsteiger-Smartphone auf Android-Basis. Es ist auf die Nutzung Sozialer Netze optimiert und kommt mit der Motorola-eigenen Oberfläche Motoblur. Bis zu 20 Androids will der US-Konzern dieses Jahr auf den Markt werfen.
Motorola wird außerdem für Goolge das Nexus 2 bauen, das aktuelle Gerät wird noch bei HTC in Taiwan gefertigt. Garmin zeigte zwei Navigations-Smartphones auf Android-Basis, A50 und M10. Das A50 wird ab Mai in Deutschland exklusiv bei O2 angeboten werden.
Vor dem Hintergrund der erdrückenden Übermacht der Betriebssysteme Symbian, iPhoneOS, Android und Blackberry OS gewinnt nun auch die erwartete Konsolidierung in diesem Bereich langsam an Fahrt. Intel und Nokia kündigten in Barcelona an, ihre Linux-Betriebssysteme Moblin und Maemo zu „MeeGo“ zusammzulegen.
Maemo wird derzeit nur auf drei Nokia Internet-Tablets verwendet. Durch eine gemeinsame Entwicklungsumgebung erhoffen die beiden Hersteller nun die Attraktivität für Entwickler und andere Gerätehersteller zu erhöhen. Außerdem soll der Programmcode vollständig frei sein und von einer Stiftung verwaltet werden. Damit kopiert MeeGo praktisch komplett den erfolgreichen Google-Ansatz. Vielleicht nur schon zu spät.