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Produktion stockt: Chip-Mangel belastet Smartphone-Herstellern

Die Rezession konnte der Smartphone-Industrie scheinbar nichts anhaben. Nun bekommt die Branche die Krise doch noch zu spüren – durch die Hintertür: Den Herstellern gehen die Chips aus. Nur der Branchenprimus zeigt sich unbeeindruckt.

Viele Smartphone-Hersteller können derzeit nicht genug Geräte produzieren. Quelle: APN
Viele Smartphone-Hersteller können derzeit nicht genug Geräte produzieren. Quelle: APN

HB NEW YORK. Apples Konkurrenten können derzeit nicht genug Geräte produzieren, weil die Chip-Hersteller im vergangenen Jahr die Produktion heruntergefahren haben und sie nun nicht schnell wieder steigern können. Betroffen sind auch Mobilfunk-Konzerne, die ihre Netzwerke nicht so schnell ausbauen können, wie sie es möchten. Auch Computerpreise könnten steigen.

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Dabei ist es nun nicht so, dass generell ein Mangel an Chips herrscht. Es ist eher so, dass es hier und da, in den verschiedensten Bereichen kleinere Probleme mit dem Nachschub gibt. Aber bei den Smartphones reicht es aus, wenn nur eines der 20 bis 30 wichtigen Teile fehlt, und schon stockt die ganze Produktion.

Der US-Mobilfunkanbieter Sprint Nextel konnte zum Beispiel zeitweise in einigen Teilen der USA die Nachfrage nach dem Smartphone EVO 4G von HTC nicht befriedigen. Motorola erklärte, wegen Engpässen bei einer Reihe von Chips, so Speicher-Chips und Kamerasensoren, hätten nicht genug Droid-X-Geräte an Verizon Wireless geliefert werden können. Derzeit meldet der Online-Shop eine Wartezeit von zwei Wochen. Experten erwarten, dass die Probleme auch noch bis zum Weihnachtsgeschäft anhalten.

Investitionen wurden stark zurückgefahren

Hergestellt werden viele Chips in riesigen Fabriken von Herstellern wie Taiwan Semiconductor Manufacturing und United Microelectronics, wo aber auch Bauteile für Fernseher und Switches in Rechenzentren gefertigt werden. Der Grund für die jetzigen Engpässe liegt schon mehr als ein Jahr zurück, als die Chip-Industrie 2009 einen schlechten Start hatte und im Februar einen Umsatzrückgang um gleich 30 Prozent hinnehmen musste, wie die Semiconductor Industry Association (SIA) berichtete.

Die Lage besserte sich zwar im Laufe des Jahres, aber die Branche griff trotzdem hart durch und kürzte die Investitionen in die Fabriken drastisch. Die Kapazitäten zur Chip-Produktion gingen zurück.

Jetzt kommen die Fabriken nicht hinterher. Die Auslastung liegt bei 96 Prozent, wie die SIA berichtete. Auf dem Höhepunkt der Rezession waren es nur 56 Prozent. Die Marktforschungsfirma Gartner erwartet derzeit deshalb, dass die weltweiten Investitionen in die Chip-Industrie in diesem Jahr um 84 Prozent auf 47,5 Mrd. Dollar hochschnellen werden. Im März wurde „nur“ ein Anstieg um 56 Prozent erwartet.

Aber auch wenn die Investitionen anziehen, so wird es noch Monate dauern, bis neue Anlagen in Betrieb und die alten erneuert sind. Manager erwarten deshalb, dass die Engpässe noch bis nächstes Jahr andauern werden. Zurückhaltung ist wohl auch angebracht, weil noch nicht sicher ist, wie stabil der Aufschwung ist.

Auch wenn die Konsumenten derzeit vielleicht etwas auf ihr neues Smartphone warten müssen, große Preissteigerungen wird es wohl kaum geben. Dazu werden die Geräte von Netzbetreibern viel zu stark subventioniert und auch der harte Wettbewerb unter den Anbietern wird wohl dafür sorgen, dass die Preise weitgehend stabil bleiben.

Apple ist der „King“

Was den PC betrifft, so erwartet die Marktforschungsfirma iSuppli steigende Preise vor allem für Speicher-Chips. Besonders kleinere Hersteller müssten ihre Produktionsanlagen erneuern, erklärte iSuppli. Auch Netzwerkausrüster, die schon im Frühjahr über Engpässe berichteten, melden weiter Probleme. Cisco Systems erwartet, dass sie in diesem Jahr auch weiter anhalten.

Eine Ausnahme ist Apple. Auch diese Firma kann zwar die Nachfrage nach iPad und iPhone vier nicht ganz befriedigen, Grund sollen aber nicht fehlende Teile, sondern schlicht die völlige Auslastung der Kapazitäten sein. Es könne sein, dass Apple nur Glück habe, sagt Linley Gwennap, Chef der Forschungsfirma The Linley Group.

Es könne aber auch daran liegen, dass Apple „der King“ sei. „Als Chip-Hersteller bedient man seinen besten Kunden zuerst“, sagt Gwennap. „Wenn ich vor der Wahl stünde, Apple oder einen kleineren Kunden glücklich zu machen, dann würde ich alles nehmen, was ich habe, und es Apple geben.

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