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RIM in Nöten: Sturm auf Blackberry bringt Ende der Privatheit

Blackberry-Hersteller RIM ist in Nöten: Arabische Staaten wollen den E-Mail-Dienst des Mobilfunkkonzerns abschalten, weil sie nicht mitlesen dürfen. Doch was wie ein Tabubruch klingt, ist nur das letzte Rückzugsgefecht. Denn was beim Blackberry nicht möglich ist, tun praktisch alle westlichen Regierungen bei anderen Geräten wie iPhones und Android-Smartphones schon heute: Sie lesen beim Informationsaustausch via Handy mit.

Für den Blackberry-Hersteller RIM könnte der Streit mit den arabischen Staaten folgenschwer werden. Quelle: Reuters
Für den Blackberry-Hersteller RIM könnte der Streit mit den arabischen Staaten folgenschwer werden. Quelle: Reuters

DÜSSELDORF. Manager nutzen ihn, Politiker, Banker, Fußballstars - und Terroristen auch. Als sich fundamentalistischer Hass im November 2008 bei den Anschlägen auf Nobelhotels in der indischen Hafenstadt Mumbai entlud, kommunizierten die Täter während und vor der Tat über das wahrscheinlich sicherste mobile Datenkommunikationssystem: Blackberry.

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Die Welt des Blackberrys ist bis heute selbst für die meisten Experten eine Blackbox. Die Daten werden auf speziellen Servern verschlüsselt, entschlüsselt, nochmals codiert und schließlich beim Empfänger wieder decodiert. So macht das kanadische Unternehmen - anders etwa als sein Wettbewerber Apple mit dem iPhone - es ab Werk für jeden Unbefugten unmöglich, der Kommunikation zu folgen. Blackberry ist der letzte Hort der Privatkommunikation - und zugleich der Alptraum für Terrorfahnder und Strafverfolgungsbehörden.

Die Sicherheitsbehörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten wollen das Privatheits-Privileg nicht länger akzeptieren. Sie drohen damit, den Dienst am 11. Oktober abzuschalten, wenn sie nicht bis dahin Zugriff auf die verschickten Inhalte erhalten. Und sie sind nicht allein.

Auch Saudi-Arabien, wo 400 000 Blackberrys am Netz sind, hat ein Ultimatum gestellt: Noch in diesem Monat solle RIM, Hersteller des Blackberrys und Betreiber des gleichnamigen Netzes, den Behörden in Riad Zugang zum Datenverkehr der dort betriebenen Blackberrys gewähren, sonst werde der Datentransfer via Messenger eingestellt, sagte ein Vertreter von Saudi Telecom dem Fernsehsender Al Arabiya.

Kuwait und Bahrain haben im Frühjahr ein Aus für Blackberrys angedroht, sollte es keinen Datenzugang geben. In Bahrain wurden lokale Blackberry-Infodienste wie "Breaking News" abgeschaltet. Auch Pakistan schaltet teilweise ab, nur Katar wartet noch ab.

Der Sturm auf Blackberry hat begonnen. Es wirkt wie der Endkampf um die Privatsphäre im Zeitalter des ständigen Informationsaustauschs. Ein ungleicher Kampf, weil das private Bedürfnis nach Vertraulichkeit dem Wissensdrang der Staaten gegenübersteht. Diese besitzen überall auf der Welt das Gewaltmonopol - also auch das Recht, die Privatsphäre von Bürgern und Firmen, von Verbänden und Parteien zu verletzen.

Alle technischen Sperren nutzen nichts, wenn die Schlüssel zur großen Dechiffriermaschine an die Staaten ausgeliefert werden müssen. Viele Gesetzgeber wollen Mobilfunkbetreiber und Gerätehersteller dazu zwingen. Im Zeitalter des islamischen Terrors nach den Anschlägen auf das World Trade Center wurden überall Datenschutzgesetze zugunsten der staatlichen Verfolgungsbehörden gelockert. Am 11. September 2001 begann das Ende der Privatheit, wie man sie bis dahin verstand.

  • 03.08.2010, 17:36 UhrAnonymer Benutzer: Schreckgespenst

    Zauberwort: nationale Sicherheit. Natürlich werden mal wieder die Anschläge des 09/11 dazu benutzt, die bevölkerung zu kontrollieren. Wir sind nicht im terroristischen Zeitalter, sondern im Überwachungszeitalter angelangt. Als besitzer eines black berry kann ich diese Aufregung nicht verstehen. ich finde es sehr wichtig, dass vertrauliche Geschäftliche Daten nicht von jedem ausspioniert werden können.

  • 03.08.2010, 16:36 UhrAnonymer Benutzer: ubu65

    Die schön in diesem Artikel zusammen gefassten Fakten zur Sicherheit bei blackberry, iPhone und Android sind doch seit langem bekannt. Jeder der sich ernsthaft mit dem Einsatz im business beschäftigt, wird keines dieser OS wählen.
    Und auch der Privatkunde wird angesichts der Speicherung von GPS-Daten durch Apple nicht das iPhone kaufen. Denn zwar werden die Daten unpersonalisiert gespeichert, es wird aber schnell klar, dass der Rückschluss von diesen Daten auf den Nutzer keine Probleme bereitet. Wenn man weiß, dass Sie sich jeden Tag um 11:00 Uhr an dem einen Ort und um 20:15 an einem anderen Ort befunden haben, dann wird ersteres ihr Arbeitsplatz und letzteres ihr Wohnort sein. Selbst ein Laie benötigt keine zehn Minuten um aus diesen Daten die Person zu identifizieren.
    Für den business-Einsatz eignet sich meines Erachtens ausschließlich Nokia (ohne Push-Dienst). Erstens handelt es sich um ein Open-Source-OS (d.h. ich weiß was das System macht). Zweitens kann ich direkt auf meinen Email-Server zugreifen und drittens meine Daten selbst verschlüsseln. Mehr Gründe, warum im business-Einsatz nur Nokia / Symbian Sinn macht, finden sich auch in der letzten Ausgabge der Fachzeitschrift Connect.
    bei mir im Unternehmen setze ich nur Nokia ein und bin höchst zufrieden damit.
    p.s. Ansonsten bin ich ein (höchst zufriedener) Apple-Aktionär

  • 03.08.2010, 16:35 UhrAnonymer Benutzer: ergo sum

    Fantastisch für RiM, dass die Araber zugeben mussten, dass blackberry das einzige System ist, das sie nicht zu entschlüsseln in der Lage sind. Eine bessere Werbung für das beste Produkt gibt es nicht.

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