Der Spion, den wir lieben

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Allerdings hat die Branche auch noch einiges an Arbeit vor sich: "Wir müssen experimentieren und auch mal Fehler machen", sagt Smaato-Chef Harald Neidhardt. Damit meint er die in dem Zusammenhang lauter werdende Diskussion um Privatsphäre. Da müsse die Branche die Grenzen ausloten, gleichzeitig den Menschen klarmachen: "Wer mehr über sich preisgibt, bekommt auch nützlichere Werbung", wirbt der Smaato-Chef. Auf Geotargeting verzichten will aber niemand.

So werden die Werber in den nächsten Monaten einige Fragen beantworten müssen: Denn über das iPhone können sie auf sehr intime Nutzerdaten zugreifen, herausfinden, welche Musik der Nutzer hört, wen er in seinen Adressbüchern führt, welche Internet-Seiten er angesehen hat, selbst, für welche Aktien er sich interessiert.

Schützen kann sich der Nutzer gegen die Datensammelwut nur durch Totalverweigerung. Wer aber die Vorteile der Smartphones und ihrer - oft kostenlosen - Apps nutzen will, muss bestimmte persönliche Daten freigeben. Dies gilt besonders für Programme. Denkbar sind künftig sogar Telefontarife, die billiger sind, wenn der Kunde viel über sich verrät.

Kleine Punkte in den Schluchten der Großstadt

Bislang kann keiner genau sagen, welche Daten die Unternehmen nutzen, speichern, weiterreichen. Klar ist nur, was möglich ist, werden sie wohl versuchen. Das New Yorker Startup Sense Networks etwa sammelt und analysiert die Positionsdaten von Millionen Handynutzern in den USA. Menschen werden auf kleine Punkte reduziert, die sich durch die Schluchten amerikanischer Großstädte bewegen. Die Bewegungsprofile der Mobilfunkanbieter mischt das Unternehmen mit sozioökonomischen Daten. So weiß Sense, wo Studenten abends feiern und wo Arbeitslose den Tag verbringen.

Damit zeichnet Sense eine Landkarte der Realität. Wer ein Restaurant besucht, zeigt: Dieser Ort ist relevant für Menschen, die ähnlich sind wie ich. Sie erhalten dann Empfehlungen, etwa über das Handyprogramm Citysense, das gerade in San Francisco getestet wird. Damit erfahren Kunden am Handy, welche Kinos, Bars und Restaurants gut besucht sind, wo Menschen mit ähnlichen Interessen tanzen.

Die Spione sind uns näher, als wir glauben: Hamburgs Flughafen wertet seit Kurzem mithilfe der Handyprofile das Verhalten und die Interessen der Reisenden im Airport aus. Eine spezielle Software analysiert anhand der Bewegungen von Mobiltelefonen mit aktiviertem Bluetooth-Funkchip auf den Meter genau, wo sich die Besucher gerade aufhalten, ob sie nach der Sicherheitskontrolle direkt zum Flugsteig gehen oder durch die Shops schlendern. Der Nutzer merkt von all dem nichts.

  • 04.08.2010, 10:28 UhrAnonymer Benutzer: Nick

    interessant... Solange ich keine Apps oder sonstiges runterlade, bleibt Wlan, UMTS, bluetooth, GPS etc. ALLES AUS! ;-)

  • 30.07.2010, 10:11 UhrAnonymer Benutzer: Orwell

    irgendwann wird die Werbewirtschaft den Menschen bedürfnisse einreden, die sie gar nicht haben. Wie verlockend kann es sein, den Weg in eine bar gewiesen zu bekommen, wenn man abends noch eine Stunde arbeiten muss.
    Darüberhinaus fördern die Smartphones die Anpassungsfähigkeit der Menschen. Die Menschen bewegen sich, wenn sie beobachtet werden, eher in der breiten Masse, um nicht aufzufallen. individuelle Menschen werden immer seltener. Hinter der modernen Technologie verbirgt sich ein gewaltiges Umerziehungsprogramm zur Konformität.
    Drittens suggeriert die Werbewirtschaft, sie wolle den Menschen durch gezielte Werbung helfen, ihr Leben reicher zu gestalten. Doch Werbebotschaften sind Seifenblasen. Man sollte nie vergessen, dass solche informationen in einer Wettbewerbsgesellschaft auch dafür benutzt werden können, Menschen gezielt zu schaden.
    Die moderne Technologie erscheint als eine Verlockung. Sie wird die Gesellschaft aber eher auf einem Horrortrip geleiten. in diese Richtung sind die Weichen vor langer Zeit schon gestellt worden…

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