
DÜSSELDORF. Stellen Sie sich vor, Sie radeln durch den Stadtpark. Das Thermometer zeigt 30 Grad. Sie stoppen, ziehen ihr Smartphone aus der Tasche und öffnen eines der Miniprogramme, um nach dem Weg zu schauen. Da erscheint eine kleine Anzeige auf dem Display, Werbung für ein neues Sportgetränk. Daneben ist Ihre Position im örtlichen Stadtplan markiert. Und ein roter Punkt, ganz im Norden des Parks: Hier steht ein Kiosk, an dem es das Getränk zu kaufen gibt.
Was Sie nicht wissen: Sie werden auf Schritt und Tritt überwacht. Ihr Telefon hat per Satellitennavigation seinen Standort bestimmt. Weil Sie schneller unterwegs sind als ein Fußgänger und weil Sie in dem Park lokalisiert werden, schlussfolgert die Software auf einem weit entfernten Server, dass Sie mit dem Fahrrad unterwegs sind. Der Server sucht die Temperaturdaten des Standorts heraus und erkennt: Es ist heiß. Der Nutzer könnte durstig sein.
Noch ist diese zwischen Big Brother und treffsicherem Marketing angesiedelte Szene eine Vision. Doch schon in ein paar Monaten werden immer mehr Handynutzer von solchen Erlebnissen berichten. Denn was lange ein Traum der Werbewirtschaft und ein Albtraum der Datenschützer war, wird Realität: die höchstpersönliche, auf individuelle Interessen- und Bewegungsprofile sowie den Standort angepasste Werbebotschaft auf dem Handy. Die Weichen dafür werden jetzt gestellt.
Quer durchs Netz verfolgt
Im klassischen Internet ist nutzerspezifische Werbung längst Alltag. Wer online ausgiebig nach neuen Fahrrädern sucht, den verfolgen Banner von Radsportgeschäften daraufhin quer durchs Netz. Egal, ob der Nutzer News-Seiten auf- oder E-Mails abruft. Denn er hat im Netz Spuren hinterlassen, sogenannte Cookies verfolgen seinen Weg und verraten den Werbefirmen, welche Seiten er besucht hat.
Nun dringt die personalisierte Reklame über das mobile Web noch tiefer in unseren Alltag vor. Dank des Booms online vernetzter Handys vom Schlage iPhone können die Werber ihre Botschaften exakt auf unsere vermeintlichen Interessen abstimmen. Gerade erst hagelte es Kritik, als Apple sich in den Geschäftsbedingen für das neue iPhone-Betriebssystem iOS4 das Recht sicherte, anonym abrufen zu dürfen, wo sich der Kunde aufhält. Damit kann der Konzern Bewegungsprofile seiner Nutzer erstellen, um ihnen passende Werbung zu senden.
Diese Positionsdaten sind eine Goldmine. Denn das sogenannte Geotargeting schafft einen streuverlustfreien Zugang zu Zielgruppen. So könnte ein Werbevermarkter wie Google etwa gezielt Reklame für American-Express-Kreditkarten an alle Blackberry-Nutzer schicken, die sich wochentags am Flughafen Tegel aufhalten. Schließlich handelt es sich bei ihnen sehr wahrscheinlich um viel reisende Geschäftsleute, die oft mit Kreditkarte zahlen.
interessant... Solange ich keine Apps oder sonstiges runterlade, bleibt Wlan, UMTS, bluetooth, GPS etc. ALLES AUS! ;-)
irgendwann wird die Werbewirtschaft den Menschen bedürfnisse einreden, die sie gar nicht haben. Wie verlockend kann es sein, den Weg in eine bar gewiesen zu bekommen, wenn man abends noch eine Stunde arbeiten muss.
Darüberhinaus fördern die Smartphones die Anpassungsfähigkeit der Menschen. Die Menschen bewegen sich, wenn sie beobachtet werden, eher in der breiten Masse, um nicht aufzufallen. individuelle Menschen werden immer seltener. Hinter der modernen Technologie verbirgt sich ein gewaltiges Umerziehungsprogramm zur Konformität.
Drittens suggeriert die Werbewirtschaft, sie wolle den Menschen durch gezielte Werbung helfen, ihr Leben reicher zu gestalten. Doch Werbebotschaften sind Seifenblasen. Man sollte nie vergessen, dass solche informationen in einer Wettbewerbsgesellschaft auch dafür benutzt werden können, Menschen gezielt zu schaden.
Die moderne Technologie erscheint als eine Verlockung. Sie wird die Gesellschaft aber eher auf einem Horrortrip geleiten. in diese Richtung sind die Weichen vor langer Zeit schon gestellt worden…
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