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Smartphones: Neues Internetprotokoll gefährdet Privatsphäre

Weil die Adressen des Internet-Protokolls knapp werden, wird weltweit die neue Version IPv6 eingeführt. In Deutschland ist es in diesem Jahr bei vielen Internetprovidern soweit - mit massiven Folgen für die Privatsphäre vieler Smartphone-Benutzer. Schuld daran sind die Smartphone-Betriebssysteme von Apple und Google.

Apples iPhone meldet sich bei einem IPv6-Server mit einer weltweit identifizierbaren Gerätenummer. Quelle: DAPD
Apples iPhone meldet sich bei einem IPv6-Server mit einer weltweit identifizierbaren Gerätenummer. Quelle: DAPD

HB HANNOVER. Viele moderne Smartphones übertragen unter IPv6 unnötigerweise ihre Hardware-Kennung ins Internet. Damit kann man ihre Besitzer im Netz wiedererkennen, berichtet das Computermagazin "c't" in der aktuellen Ausgabe 3/11.

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Die Einführung der neuen Technik ist zwingend notwendig, denn dem Internet bisheriger Prägung werden wohl noch in diesem Jahr die Adressen ausgehen. "IPv6 hingegen könnte jedem Sandkorn auf der Erde eine eigene Online-Adresse zuweisen", erklärt c't-Redakteur Johannes Endres. In Deutschland wollen neben T-Online viele andere Provider in diesem Jahr IPv6 einführen.

Im Idealfall sollten die Anwender die Umstellung von Webseiten und Internet-Zugang gar nicht mitbekommen. Jedoch sind neue Datenschutzprobleme absehbar, die leicht zu vermeiden wären. So haben Apple und Google ihren aktuellen Betriebssystemen für das iPhone und Android-Smartphones zwar IPv6-Technik eingebaut, sich aber zu wenig Mühe beim Erstellen der Adressen gegeben: Sie fabrizieren die Adresse großenteils aus der Gerätenummer. Infolgedessen melden sich die Smartphones, sofern sie sich aus einem WLAN verbinden, bei jedem IPv6-tauglichen Server mit einer weltweit eindeutigen Kennung.

Dabei wurden in IPv6 explizit zum Schutz der Nutzer die sogenannten Privacy Extensions konzipiert. Wird diese Option genutzt, ist die Identifizierung einzelner Geräte anhand der IPv6-Adresse unmöglich. So wird es unter Windows 7 gemacht, unter Mac OS kann man es einschalten. Apple und Google haben jedoch aus unerfindlichen Gründen entschieden, die Privacy Extensions in iPhones und Android-Geräten nicht zu aktivieren.

Somit ist die Privatsphäre der Anwender dieser Geräte nach der Umstellung auf IPv6 gefährdet. Datensammler können registrieren, wie häufig und wie lange jemand auf bestimmten Webseiten unterwegs war und was er dort getan hat. "Smartphones sind persönliche Geräte, deshalb kann man das beobachtete Surfverhalten auf eine konkrete Person beziehen", warnt c't-Experte Johannes Endres.

  • 15.01.2011, 10:16 UhrAnonymer Benutzer: Domenq

    Es gibt viele Gründe, amerikanische high-tech zu vermeiden - wo es geht...

  • 14.01.2011, 18:28 UhrAnonymer Benutzer: Otto Spürnase

    Wer hat denn das grösste interesse Anwender der neuen Technik zu identifizieren? Dreimal darf man raten. Die s. g. Supermacht hat sich Apple und Google wohl rechtzeitig zur brust genommen. Das internet hat man ja komplett unter Kontrolle. Nicht auszudenken, täte sich hier eine unkontrollierte Lücke auf! big brother is watching you.

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