
HB SAN FRANCISCO. Hewlett Packard stellt heute Abend gegen 19:00 Uhr deutscher Zeit in San Francisco einen eigenen Tablet-PC vor. Das neue Gerät, erwartet werden zwei Modelle mit verschiedenen Bildschirmgrößen, wird auf dem Betriebssystem WebOS basieren. Der Einstieg in den Tablet-Markt wird die erste Bewährungsprobe für den neuen CEO Léo Apotheker.
HP hat die Rechte an WebOS vergangenes Jahr im Rahmen der Akquisition des gestrauchelten Smartphone-Herstellers Palm für rund 1,2 Mrd. Dollar erworben. Der Versuch, mit einen eigenen Betriebssystem anzutreten, ist mutig: der Tablet-Markt wird derzeit einsam von Apples iPad beherrscht und Geräte mit dem Betriebssystem Android stehen in den Startlöchern, um den fulminanten Erfolg Googles bei Smartphones zu wiederholen. Android ist Ende 2010 zum Weltmarktführer bei Smartphone-Betriebssystemen aufgestiegen, vor Symbian (Nokia) und Apple.
Gleichzeitig fehlt der Großkundenfirma HP noch eine coole Markenausstrahlung bei Privatkunden, wie sie Apple oder Google haben. Der größte Negativpunkt aber: als Smartphone hat WebOS schlicht keine Schnitte gemacht. Der Marktanteil der Palm-Pre-Modelle kam nie über zwei Prozent hinaus. Palm musste sich schließlich angesichts einer drohenden Finanzkrise in die Arme HPs retten. Einer der größten Kritikpunkte war die mangelnde Unterstützung des Palm-Onlineshops durch Softwareentwickler.
Wenn der HP-Tablet auf den Markt kommt, wird er auf starke Gegner treffen. Die größere Version mit 9 Zoll-Bildschirm wird in direkter Konkurrenz zum Apple iPad 2, das gerade in Produktion gegangen sein soll, und dem Motorola Xoom stehen. Das Xoom wird voraussichtlich als erster Tablet-PC mit Googles neuer Android-Software "Honeycomb" starten. "Honeycomb" ist eine Android-Version extra für Tablet-PC. Eine kleinere Version mit 7 Zoll-Bildschirm wird gegen Samsungs Galaxy-Tablet und Blackberrys kommenden Playbook positioniert.
Der Alleingang des PC-Giganten kam völlig überraschend. HP hatte Mitte 2010 in einem ungewöhnlichen Schritt den weltgrößten Software-Konzern Microsoft düpiert. Die Entwicklung eines von Microsoft-Chef Steve Ballmer persönlich auf der Consumer Electronics Show 2010 in Las Vegas gezeigten HP Tablet-PC mit Microsoft Windows und Intel-Prozessor wurde kurzerhand eingestellt. Offenbar waren weder genügend Leistung noch ausreichende Akkulaufzeiten realisierbar. Steve Ballmer war ohne Vorwarnung sein wichtigster Hardware-Partner abhanden gekommen. HP hatte nur Wochen zuvor in einem Handstreich Palm übernommen und zehn Monate später wird jetzt ein Tablet ohne Microsoft vorgestellt. Auf der CES 2011 im Januar verkündete Steve Ballmer, dass Windows nun für die beliebten ARM-Prozessoren, die in Motorolas Tablets, im iPad und wohl auch in HPs Tablet arbeiten, neu programmieren werde.
HP hat im abgelaufenen Finanzjahr rund 126 Milliarden Dollar netto umgesetzt und einen Nettogewinn von 8,8 Milliarden Dollar erzielt.
Jetzt heißt es für HP "klotzen und nicht kleckern"! Marktmacht und "Kriegskasse" haben sie ja. Dazu ein überlegenes betriebssystem, das in Sachen bedienerfreundlichkeite die Konkurrenz sogar übertrumpft. Problem: Wenig Apps, kein Hype. Also ist überlegene Hardware und ein Kampfpreis gefragt. Dass es geht, in einen scheinbar gesättigten Markt einzudringen hat Apple ja vorgemacht. Wie man es richtig versemmelt ohne Mut sich anzustrengen, hat Siemens in Sachen Handys gezeigt. Also HP: Jetzt Tempo und Marketing und Qualität und Value for money!! Viel Glück!
1 Kommentar
Alle Kommentare lesen