Ratgeber + Tests

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„Leit-Artikel“ Blackberry Z10: Ein Blackberry auf dem Apple-Weg

Ein Blackberry ohne Tastatur – das ist schon ungewöhnlich. Das neue Z10 soll eben nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen. Der Test zeigt: Das funktioniert – so lange der Akku hält.

Eins vorweg, ich bin kein großer Blackberry-Fan. Im Gegenteil: Mit meinem Modell, das ich seit einigen Monaten beruflich nutze, bin ich bisher nicht warm geworden. Privat habe ich ein iPhone, und das ist für mich alternativlos. Nun also das Blackberry Z10, das erste echte Smartphone aus dem Hause Blackberry statt einer effizienten und sicheren, aber irgendwie auch langweiligen E-Mail-Maschine. Und das erste Gerät mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10, das den kanadischen Hersteller aus der Misere führen soll.

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Optisch hat das neue Modell, das seit kurzem im Handel ist, mit seinen Vorgängern nicht mehr viel zu tun. Fast schon stylish kommt es daher. Doch mit dem iPhone – dieser Vergleich muss erlaubt sein – kann es nicht mithalten. Während das iPhone chic und hochwertig aussieht, hat es beim Z10 leider nur zu einem Plastikgehäuse gereicht. Und das sieht eben doch irgendwie billig aus. Schade, denn die Form des Geräts ist schön.

Der Abstieg von Blackberry

  • Ein unterschätzter Konkurrent

    Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

  • Erstes Blackberry ohne Tasten

    Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

  • Neues Betriebssystem

    RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

  • Ein Konkurrent fürs iPad?

    RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

  • Der Brain Drain beginnt

    RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

  • Serverausfall erschüttert Vertrauen

    Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

  • Probleme mit dem neuen System

    Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

  • Die Chefs treten ab

    Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

  • Neue Geräte, neues Glück?

    Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte.

  • Käufer gesucht – frisches Geld bekommen?

    Im August 2013 macht Blackberry öffentlich, dass ein Sonderkomitee Optionen für die Zukunft des Unternehmens auslotet. Neben einer Partnerschaft ist auch ein Verkauf möglich – Blackberry schafft es nicht mehr aus eigener Kraft. Im September erhält die kanadische Finanzfirma den grundsätzlichen Zuschlag mit einem Gebot über 4,7 Milliarden Dollar, doch Anfang November wird der Verkauf abgesagt. Fairfax und andere Investoren wollen dem Unternehmen stattdessen eine Milliarde Dollar frisches Geld geben. Der deutsche Chef Thorsten Heins soll abtreten, wenn das Geld eingegangen ist.

Eingefleischte Blackberry-Fans, davon habe ich einen in der Familie, vermissen die physikalische Tastatur. Statt über kleine schwarze Tasten bediene ich das Smartphone über den 4,2 Zoll großen, berührungsempfindlichen Bildschirm. Für eine iPhone-Besitzerin nichts Neues.

Um die Fans nicht zu vergraulen, hat Blackberry sich etwas für die Tastatur einfallen lassen: Das Z10 lernt Begriffe aus Mails und Facebook-Nachrichten, etwa ungewöhnliche Namen und Wörter. Und es verbessert nicht nur regelmäßige Vertipper, sondern hat auch eine clevere Vorschlagfunktion. Wer häufig seine Mails mit „Liebe Kollegen“ beginnt, tippt beispielsweise nur noch „Lie…“ ein und das Gerät schlägt das komplette Wort „Liebe“ vor, anschließend reicht schon ein K und es schlägt „Kollegen“ vor. Angeblich soll das System bis zu zwei Drittel der Tastaturanschläge einsparen.

Smartphones So sehen die neuen Blackberrys aus

  • Smartphones: So sehen die neuen Blackberrys aus
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  • Smartphones: So sehen die neuen Blackberrys aus
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Gewöhnen muss ich mich an die Navigation. Denn die ist komplett anders als etwa bei Apple. Um beispielsweise die aktiven Anwendungen anzuzeigen, streiche ich mit dem Finger vom unteren Rand des Displays nach oben – so habe ich es in der kleinen Erklär-Show nach dem Starten des Geräts gelernt. Und ich streiche vom oberen Rand nach unten, um beispielsweise die Einstellungen aufzurufen. „Flow“ nennt der Hersteller dieses Bedienkonzept, das im Zentrum des neuen Betriebssystems Blackberry 10 steht. Damit kommt das Z10 ganz ohne Tasten an der Vorderseite aus.

  • 08.08.2013, 13:40 UhrDoc

    die Version 10.2 des BB10 wird nun endlich rSAP unterstützen, das haben ja viele bemängelt.

  • 29.06.2013, 21:33 UhrRolandHoltz

    Wenn man über ein solches Gerät schreibt, muss man sich zunächst mit der Motivation möglicher Nutzer auseinandersetzen. Die Motivation ist Sicherheit. Da ist es um Apple sicher nicht schlecht gestellt. 92% aller Attacken auf Mobilfunkgeräte, die auch erfolgreich sind, werden auf Android Betriebssysteme ausgeführt. Die Sicherheitsmängel sind folglich gravierend. Ja und die Anzahl verfügbarer Apps. Lässt vielleicht das Herz eines Verkäufers höher schlagen. Aber es ist ein Graus für jeden sicherheitsbewussten ITler.

    Das BB Z10 basiert deshalb auf einem QNX basierten Betriebssystem, das erheblich sicherer ist, als alle im Markt befindlichen Systeme. Seit der Vorstellung der Version 10 dieses Betriebssystems, sind auch hier Lücken aufgedeckt worden, das war auch nicht anders zu erwarten. Es ist ein neues System und derzeit werden diese Lücken für alle erkennbar geschlossen.

    Hinzu kommt, dass die Mail/Pushmailservices von Blackberry immer zu den sichersten gehört haben, die am Markt verfügbar waren. Genau deshalb war RIM heute Blackberry ja so erfolgreich.

    Das Z10 ist ein Gerät, dass als Smartphone dieser Philosophie folgt. In einer professionellen Umgebung ist das von hohem Wert und jeder der Prism und Tempora etc. in den letzten Tagen verfolgt hat, wird sich über diese Zusammenhänge klar werden. Ich denke einige Unternehmen werden erkennen, dass sie mit Blackberry besser fahren.

    Frau Schwarzer, Sie kennen die wesentlichsten Grundlagen dieses Systems nicht. Sie haben sich mit Fragen der IT-Security noch nie befasst. Sich dann an ein solches Thema zu machen, kann von interessierter Seite nur in der Form beantwortet werden, wie es hier geschehen ist. Sich einem solchen Thema zu nähern, setzt spezifische Kenntnisse, resp. ein Informatikstudium voraus.

  • 15.04.2013, 18:41 Uhranullrich

    Sehr geehrte Frau Schwarzer, ich weiß nicht über welche Themen sie sonst so schreiben. Aber ich denke weniger Kompetenz als zu diesem geht sicherlich nicht. Man sagt nicht umsonst "Schuster bleib bei deinem Leisten." Daher denke ich, dass dies ein einmaliger Ausflug in neue Gefilde war. ... und nein, ich besitze kein iPhone! Aber ich kenne einige die eins besitzen (4S u. 5S) und sich wünschten sie hätten keines übwohl sie eingefleischte Apple Fans sind.

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