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Nexus S im Test: Samsung dreht krumme Dinger

Das Nexus S ist Googles Referenzmodell für ein Android-Smartphone. Das neue Modell kommt diesmal von Samsung. Es hat ein anschmiegsam gekrümmtes Display und auch sonst einiges zu bieten.

Beim neuen Google-Referenzmodell setzt der Suchmaschinenhersteller auf Samsung statt HTC. Quelle: Reuters
Beim neuen Google-Referenzmodell setzt der Suchmaschinenhersteller auf Samsung statt HTC. Quelle: Reuters
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Bei seinem zweiten Smartphone hat Google die Pferde gewechselt und lässt statt HTC mit dem Nexus One nun Samsung das Google Nexus S bauen. Die Technik basiert auf den bekannten Galaxy S-Modellen, allerdings haben die Koreaner einen aktualisierten Prozessor spendiert. Der rennt immer noch mit 1Ghz-Taktfrequenz, aber weist eine bessere Grafikleistung auf. Das kommt allgemein der Geschwindigkeit zu Gute und davon profitiert auch Adobes Flashplayer (10.1). Web-Videos kommen bei guter Internetanbindung sauber und ruckelfrei aufs Display. Der Aufruf des Daten- und rechenintensiven Google Earth ist die reinste Freude. Das Betriebssystem Android des Testgeräts trägt die Versionsnummer 2.3.3, ist also auf dem aktuellsten Stand. Bei Geräten der Konkurrenz muss man genau hinschauen: 2.2 oder sogar 2.1 ist hier derzeit noch Standard. Version 2.3 wartet mit zahlreichen kleinen Fehlerbereinigungen und leicht modifizierter Oberfläche auf. Die Bildschirmtastatur ist bedienungsfreundlicher geworden, die Oberfläche übersichtlicher.

Ein Download-Ordner hält übersichtlich alle aus dem Web geladenen Dateien, von Programmen bis Musik, bereit - sehr nützlich. Praktisch ist die nahtlose Integration von Voice over IP, also Internet-Telefonie. Dafür nötig ist allerdings ein "SIP-Konto" bei einem entsprechenden Anbieter. Außerdem dürfte nicht jeder Mobilfunkbetreiber diese Funktion auf seinem Netz erlauben - leider. Insgesamt ist Android 2.3 ein klarer Pluspunkt für Nexus S. Der integrierte NFC-Chip (früher nannte man es RFID, aber das wollte keiner haben und jetzt heißt es eben NFC) für Datenaustausch auf kurze Distanz, ist momentan mangels Anwendungen nutzlos. Bezahlen mit dem Smartphone mittels NFC-Authentifizierung ist aktuell nur in Japan populär.

Das schwarze Gehäuse ist aus Kunststoff, liegt gut in der Hand, wirkt sauber verarbeitet, aber nicht so wertig wie bei den Wettbewerbern mit Metallhülle oder beim Vorgänger. Der Vorteil: mit 140 Gramm ist das Nexus gut tragbar. Witzig: Bei genauem Hinsehen zeigt das 4-Zoll-LCD-Display eine ganz leichte, konkave Krümmung, damit sich das Gerät beim Telefonieren angenehmer an die Wange schmiegt. Leider verbaut Samsung im deutschen Nexus S nicht seine hauseigenen, knackscharfen AMOLED-Displays, sondern LCD-Bildschirme. Die sind ausreichend gut für die 480 x 800 Pixel Auflösung und reagieren spontan auf Eingaben. Aber sie sind halt doch zweite Wahl. In den USA gibt es zum Beispiel die besseren AMOLEDs.

Gadgets und Hardware

Kritikpunkt ist der fehlende SD-Card-Slot für eine Speichererweiterung, eine Unart, die immer weiter um sich greift. Beim Nexus S ist also bei 16 GB Speicherplatz Schluss. Das mag für die meisten Kunden genug sein. Aber wer viel Musik hört und Videos speichert kommt schnell an die Grenzen. Die 5-Megapixelkamera mit Blitz und Autofokus hat im Test sehr gut gefallen, mehr ist nicht nötig. Die Kameramenüs wurden optisch aufpoliert, statt nerviger Menüs zum aufklappen stehen jetzt am Bildrand konstant die wichtigsten Funktionen zur Verfügung. Die Frontkamera bietet VGA-Auflösung.

Die Akkulaufzeit ist durchschnittlich, unter voller Last mit eingeschaltetem GPS, Videos schauen und WLAN hält es keinen Tag durch. Dafür ist der 1500 mAh-Akku zu schwach. Wird hauptsächlich telefoniert, hält er gut zwei Tage. Reines Sprechzeit: knapp 6,5 Stunden. Die Sprachqualität war im Test durchweg angenehm. Ein spaßiges Detail: Beim Ausschalten verabschiedet sich das Nexus S wie ein den guten alten Zeiten ein Röhrenfernseher mit einem von Außen nach innen dunkel werdenden Schirm und einem kleinen Lichtblitz.

Fazit: Zweifelsfrei das beste Android-Gerät im Markt. Für den Moment jedenfalls. Mitte bis Ende des Jahres werden die ersten Super-Smartphones mit Doppelkern-Prozessoren erwartet, dann gehört auch das Nexus S plötzlich zur Mittelklasse. Wen das nicht stört und wer mit dem fixen Speicherausbau leben kann, für den ist das Nexus S für rund 550 Euro erste Wahl.

Axel Postinett berichtet für das Handelsblatt aus dem Silicon Valley über Trend in Technolgie und Technik.

  • 05.04.2011, 10:41 Uhrblicklog

    Tatsächlich ist das Nexus S eine ganz neue Welt, vor allem wenn man von Windows Mobile 6.5 kommt. Es macht richtig Spaß.
    Das Konzept ohne SD-Karte habe ich zunächst auch skeptisch gesehen. Der Trend geht aber dahin, entsprechenden Tarif vorausgesetzt, sich seine benötigten Dateien aus der Cloud zu ziehen. Über Dropbox und später vielleicht Google-Music erhält man so bequemen Zugriff auf seine Daten.

    Kritisch bleibt der Datenschutz. Dem neuen Nutzer wird auf die Schnelle überhaupt nicht klar, welche Daten eigentlich von ihm eingesammelt werden.

  • 05.04.2011, 10:40 Uhrblicklog

    Tatsächlich ist das Nexus S eine ganz neue Welt, vor allem wenn man von Windows mobile 6.5 kommt. Es macht richtig Spaß.
    Das Konzept ohne SD-Karte habe ich zunächst auch skeptisch gesehen. Der Trend geht doch aber dahin, entsprechenden Tarif vorausgesetzt, sich seine benötigten Dateien aus der Cloud zu ziehen. Über Dropbox und später vielleicht Google-Music erhält man so bequemen Zugriff auf seine Daten.
    Kritisch bleibt der Datenschutz. Dem neuen Nutzer wird auf die Schnelle nicht klar, welche Daten eigentlich von ihm eingesammelt werden.

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