Das Kreuz mit den Büchern. Der weltgrößte Buchkonzern Random House verfehlte im ersten Halbjahr seine Umsatz- und Gewinnziele. Die operative Gewinn (Ebit)der Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann brach um knapp 30 Prozent auf 31 Mill. Euro (Vorjahreszeitraum: 44 Mill.) ein. Die Erlöse des Branchenprimus gingen um knapp acht Prozent auf nur noch 766 Mill. Euro zurück. Im Vorjahreszeitraum erzielte der in New York ansässige Konzern noch 831 Mill. Euro.
Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski machte heute bei der Vorlage der Halbjahreszahlen gestern die schlechte Konjunktur und den schwachen Dollar für das miserable Abschneiden des weltgrößten Publikumsverlags mit mehr als 5800 Mitarbeitern verantwortlich.
Die Zahlen sind umso verblüffender, weil der global wichtigste Buchmarkt in den USA weiter wächst. Nach Angaben der Marktforschungsfirma Datamonitor wuchs der US-Buchmarkt mit Umsätzen von insgesamt 55,5 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr um jährlich drei Prozent. „Dieser Trend wird sich erwartungsgemäß über die nächsten Jahre bis 2012 fortsetzen“, analysieren die Brancheexperten.
Um Random House mit einer gewärtigen Umsatzrendite von nur noch vier Prozent wieder auf einen Wachstumskurs zurück zu führen, hat sich Bertelsmann-Chef Ostrowski seinen engen Vertrauten Markus Dohle in die New Konzernzentrale geschickt. Ostrowski und Dohle kennen sich aus den gemeinsamen Zeiten beim Mediendienstleister Arvato exzellent. Dohle löste den alt gedienten Random House-Chef Peter Olson ab.
Heute schrieb Dohle einen zweiseitigen Brief an seine Mitarbeiter weltweit. "Ich möchte Sie wissen lassen, dass ich wirklich Ihre Bemühungen in diesen wirtschaftlichen Zeiten schätze", schreibt der frühere Druckexperte an seine Angestellten. Denn die Nervosität in der Belegschaft ist groß. Gar mancher glaubt, dass Bertelsmann Teile des Buchkonzerns verkaufen könnten. Dohle verteilt daher Beruhigungspillen. "Ich kann Ihnen versichern, dass wir auch weiterhin die Unterstützung f ür Random House und seine Mitarbeiter von unserem Eigner, unseren Vorstandschef Hartmut Ostrowski und den gesamten Management haben", formuliert Dohle. Na dann ist ja die Bücherwelt in Ordnung!


