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20.05.2008 
Medizintechnik

Fortschritt bei der Bestrahlung von Tumoren

von Dietrich von Richthofen

Krebszellen, die sich im Körper bewegen, sind für die Strahlentherapie eine echte Herausforderung, oft wird dabei gesundes Gewebe zerstört. Damit könnte es jetzt vorbei sein: Die Kombination von Linearbeschleunigern mit Computertomografen verspricht millimetergenaue Behandlung.

In Kombination mit einem Computertomografen kann die Tumorbehandlung verbessert werden. Foto: PRLupe

In Kombination mit einem Computertomografen kann die Tumorbehandlung verbessert werden. Foto: PR

BERLIN. Millimetergenau zielen - das ist bei der Tumorbekämpfung mit Hilfe der Strahlentherapie heute kein Problem mehr. Schwierig wird es nur, wenn sich die Tumore während der Bestrahlung bewegen. Aber auch dafür gibt es inzwischen Lösungen: Durch Kombination der Linearbeschleuniger - die die harte Röntgenstrahlung erzeugen, mit denen die Krebszellen bestrahlt werden - mit sogenannten bildgebenden Systemen, passen die Ärzte vor jeder Behandlung den Bestrahlungsplan an die aktuelle Lage der Organe an. Dadurch werden Nebenwirkungen reduziert und die Heilungschancen verbessert.

Vor allem im Oberbauch, im Unterleib oder an der Lunge verändern Tumore oft ihre Lage. Hier ließ sich lange Zeit trotz hoch präziser Bestrahlung nicht ausschließen, dass am Rand des Tumors ein Teil der Strahlung daneben geht. Denn wenn der Bestrahlungsplan einmal anhand der ersten CT-Bilder erstellt ist, werden im Normalfall 30 Bestrahlungen ohne weitere Bildkontrolle durchgeführt.

Strahlentherapeuten sind daher trotz der Möglichkeiten einer messerscharfen Strahlentherapie oft gezwungen, bei beweglichen Tumoren eine Toleranzgrenze um das Krebsgewebe mit zu bestrahlen. Vor allem bei Tumoren in Nachbarschaft zu empfindlichem Gewebe kann die Bestrahlung des gesunden Gewebes aber äußerst unangenehme Folgen haben. Die Prostata beispielsweise liegt in der Nähe zum Enddarm - Strahlenschäden an der Darmschleimhaut können nicht heilbare Geschwüre verursachen. Auch Nerven, Drüsen, das Gehirn und das Rückenmark stehen auf der Liste bedrohter Organe.

"Mit Hilfe einer neuen Generation von Bestrahlungsgeräten, die sowohl zur Therapie als auch zur Bildgebung per Computertomographie (CT) genutzt werden können, gelingt es den Tumor mit der größtmöglichen Dosis zu bestrahlen und gleichzeitig das umliegende Gewebe so weit wie möglich zu schonen", sagt Robert Krempien, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie am Helios-Klinikum Berlin-Buch.

Seit Beginn des Jahres steht im Keller des Klinik-Neubaus ein so genanntes "Hi-Art"-Gerät der US-amerikanischen Firma Tomotherapy. Die Röntgenkanone setzt sich in Gang und rotiert langsam um den Patienten, während sich die Patientenliege vorwärts bewegt. Wenige Minuten später erscheint auf dem Bildschirm der Querschnitt durch die Lunge des Patienten - eine CT-Aufnahme. Mit einer speziellen Software wird das aktuelle Bild mit den ursprünglichen Bilddaten überlagert, anhand derer die Bestrahlung geplant wurde. Die Ärzte bewegen die beiden Aufnahmen solange gegeneinander, bis sie möglichst exakt übereinstimmen, die Software berechnet die Verschiebung und passt den Bestrahlungsplan vollautomatisch an.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Grenzen der neuen Technik

In diesem Fall beträgt die Abweichung nur sieben Millimeter - relativ wenig, wie Krempien erklärt. "Verschiebungen um einen halben Zentimeter und mehr sind durchaus möglich", sagt der Radiologe. Die Prostata etwa könne durch eine volle Blase um bis zu einen Zentimeter verrückt werden.

Auch Peter Huber vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg glaubt an die Zukunft der bildgeführten Strahlentherapie. Der Forscher hat an der Entwicklung eines ähnliches Bestrahlungsgeräts von Siemens mitgearbeitet, das vor kurzem in Serie gegangen ist und im März in Heidelberg in Betrieb genommen wurde. Auch die anderen großen Hersteller haben bereits Strahlentherapiegeräte mit Bildgebungsoption im Programm, allen voran Varian und Elekta, die mit GE beziehungsweise Philips kooperieren.

"In naher Zukunft wird man nur noch Linearbeschleuniger mit eingebautem CT-Gerät kaufen können", ist Huber überzeugt. Der Leiter der Forschungsabteilung für klinische Strahlentherapie sieht jedoch bei allen Geräten weiteren Entwicklungsbedarf. "Die Bildqualität der integrierten CT-Geräte lässt zu wünschen übrig", sagt Huber. Auch wenn sich der Tumor nicht nur einfach verschoben, sondern dazu verdreht habe oder wenn Atembewegungen und Herzschlag einkalkuliert werden sollen, stoße die Technik an Grenzen. Zudem sei es wesentlich aufwendiger als bei herkömmlichen Geräten, einen Bestrahlungsplan zu erstellen.

"Die Vorbereitung ist intensiver", bestätigt Robert Krempien. Auch steige durch die zusätzliche Bildgebung die Behandlungsdauer. Während mit einem normalen Linearbeschleuniger täglich 50 bis 60 Patienten bestrahlt werden können, ist das Tomotherapy-Gerät bei rund 35 Patienten pro Tag ausgelastet.

Umso wichtiger ist es deshalb eindeutig zu klären, bei welchen Patienten die Nutzung der zusätzlichen Bildgebung wirklich sinnvoll ist. "Um eindeutige Patientengruppen zu definieren, bedarf es noch weiterer Studien", sagt Huber.

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