Das Potenzial der molekularen Bildgebung ist damit aber bei weitem nicht ausgeschöpft. "Die Anzahl der in Entwicklung befindlichen Marker ist unüberschaubar", sagt Schäfers. Die Neubildung von Blutgefäßen in Tumoren, die Sauerstoffversorgung im Krebsgewebe, das Absterben der Krebszellen - all dies solle künftig im PET darzustellen sein. Auch Gefäßerkrankungen sollen bereits im Anfangsstadium sichtbar werden.
Schon jetzt liegen die weltweiten Umsätze in Milliardenhöhe. Marktforscher geben Wachstumsprognosen für die neuen Technikern der molekularen Bildgebung von rund zehn Prozent jährlich. Vor allem der Umsatz mit radioaktiven Markern verspricht laut Analysen ein großes Geschäft zu werden. Neben traditionellen Herstellern von Kontrastmitteln wie Bayer Schering, Bracco oder Mallinckrodt investieren auch die großen Medizintechnik-Hersteller wie Siemens
, Philips
und GE Healthcare in die Entwicklung neuer Marker. Doch die industrielle Produktion ist logistisch schwierig, denn die schwach radioaktiven Substanzen zerfallen schnell. Noch werden die meisten Marker deshalb von den Kliniken selbst hergestellt, was allerdings nur möglich ist, wenn in der Nähe ein Teilchenbeschleuniger steht.
Ob das PET-CT-Verfahren auch für Massen-Screenings in Frage kommt, hält Schäfers auch aus Gründen der Strahlenbelastung für eher unwahrscheinlich. Der Einsatz des Verfahrens sei vor allem bei Patienten mit einem hohen Krankheitsrisiko sinnvoll. Auch die vergleichsweise hohen Kosten einer PET-CT- Untersuchung sprächen gegen einen Masseneinsatz. Bis vor kurzem hatten sich die gesetzlichen Krankenkassen geweigert, die Kosten dafür zu übernehmen. Mittlerweile werden Untersuchungen bei Lungenkrebs bezahlt, für andere Krebsarten steht eine Entscheidung noch aus.
Indessen feilen die Medizintechnik-Hersteller an weiteren Kombinationsmöglichkeiten für die molekulare Bildgebung. So hat Siemens
vor kurzem in Tübingen den Prototypen eines Magnetresonanztomographen (MRT) mit eingebautem PET eingeweiht. Das Gerät wird derzeit in Tierversuchen erprobt. MRT-Geräte arbeiten ohne Röntgenstrahlung und stellen das weiche Gewebe kontrastreicher dar als CT-Aufnahmen.
Auch den Ultraschall wollen die Forscher künftig für die molekulare Bildgebung nutzbar zu machen. Ultraschallgeräte sind billig in der Anschaffung, stehen in den meisten Arztpraxen und arbeiten ohne Strahlenbelastung. Für Untersuchungen der Gefäße und des Herzens setzen Mediziner bereits spezielle Ultraschall-Kontrastmittel ein - kleine Bläschen, die in die Blutbahn injiziert werden und den Schall zurückwerfen. Diese Bläschen sollen künftig mit Molekülen verknüpft werden, die an Krebszellen oder Kalkablagerungen in den Blutgefäßen binden und sie so sichtbar machen.
Der Clou: Die Bläschen lassen sich auch gleich mit Medikamenten beladen. So könnte man Wirkstoffe über die Blutbahn bis zum Ort des Geschehens transportieren und dort mit einer speziellen Ultraschallfrequenz zum Platzen bringen - die Diagnose und Therapie in einem.
