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18.03.2008 
Trainingsprogramm

PC coacht Schlaganfall-Patienten

von Hans Schürmann

Der Computer als Rehacoach. Damit Patienten nach einem Schlaganfall schnell und nachhaltig wieder an Lebensqualität gewinnen, müssen sie verloren gegangene Fertigkeiten neu erlernen und Bewegungen trainieren, bis sie in Fleisch und Blut übergehen. Nun haben Forscher speziell für diese Zielgruppe ein computergesteuertes Trainingsprogramm entwickelt.

Krankengymnastik zu Hause: Ein Video auf dem Computerbildschirm demonstriert dem Patienten, wie er einzelne Bewegungen ausführt. Foto: Handelsblatt

Krankengymnastik zu Hause: Ein Video auf dem Computerbildschirm demonstriert dem Patienten, wie er einzelne Bewegungen ausführt. Foto: Handelsblatt

DÜSSELDORF. Das Programm unterstützt den Patienten beim täglichen Üben, motiviert und überwacht, ob der wieder neu zu lernende Bewegungsablauf auch richtig geübt wird. Dazu bedarf es Ausdauer und Motivation.

Vor allem Menschen über 65 Jahren sind von Schlaganfällen betroffen. Auslöser ist entweder ein plötzlicher Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn oder eine Hirnblutung. Durch den verringerten Blutfluss wird das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und Gehirnzellen sterben ab. Je nach Schwere des Schlaganfalls treten unterschiedliche Symptome auf. Diese hängen davon ab, welcher Teil des Gehirns betroffen ist. Häufig kommt es zu einer halbseitigen Lähmung, zu Sprachstörungen oder Schluckbeschwerden.

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten: Im Vordergrund stehen das Training der Skelettmuskeln, damit der Betroffene wieder laufen kann, sowie Sprechübungen mit Hilfe von Logopäden. Die Krankengymnastik erfolgt in der Regel nach dem Bobath-Konzept, das auf der Annahme beruht, dass gesunde Hirnregionen lernen können, die Aufgaben der geschädigten Areale zu übernehmen. Die Therapie des Schlaganfalls wird im Krankenhaus begonnen und muss oftmals zu Hause weitergeführt werden.

"Das größte Problem für viele Schlaganfall-Patienten besteht darin, dass sie von heute auf morgen, ganz einfache Dinge nicht mehr alleine ausführen können", erläutert Elisabeth Steinhagen-Thiesse, Leiterin der Forschungsgruppe Geriatrie an der Berliner Charité. Beispielsweise können Patienten, die rechtsseitig gelähmt sind, oft nicht mehr eine Tasse zum Mund führen oder alleine essen. Physiotherapeuten helfen den Patienten zwar im Krankenhaus und während der anschließenden Rehamaßnahmen diese Fähigkeiten wieder zu erlernen, "doch reichen die Anzahl der Übungsstunden meist nicht aus, um einen langanhaltenden Erfolg zu erzielen", bringt die Berliner Ärztin das Problem auf den Punkt. Hier könnte ein computergesteuertes Trainingsprogramm, wie es die Philips Forscher entwickelt haben, helfen, den Erfolg der Physiotherapie zu verbessern, glaubt die Leiterin der Geriatrie-Forschungsgruppe, die mit einer Patientengruppe die Anwendbarkeit der Philips-Innovation testet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Besonderheiten des Systems.

Das Besondere an dem System, das die Philips-Forscher entwickelt haben, besteht darin, dass es den Patienten nicht nur bei den Übungen anleitet, sondern dass es die Bewegungen analysiert und bei Bedarf auch korrigiert.

Ein Video auf dem Computerbildschirm demonstriert dem Patienten zunächst, wie er einzelne Bewegungsabläufe korrekt ausführt und fordert ihn zum Mitmachen auf. Der Patient trägt während der Übung Sensoren an dem gelähmten Arm und am Oberkörper. Die Bewegungssensoren sind über Funk mit dem Computer gekoppelt, der kontrolliert, ob die Übung richtig durchgeführt wird. "Unsere Software wertet die Daten der Sensoren aus und gibt dem Patienten das nötige Feedback, ob er seine Übungen richtig gemacht hat", sagt Richard Willmann, der das Philips-Projekt leitet.

Mit Hilfe der Bewegungssensoren erkennt der Computer beispielsweise, in welchem Winkel der Arm angehoben wurde, wie Drehbewegungen ausgeführt werden und wie schnell die Bewegungen inzwischen sind. Die Daten werden dazu mit Sollwerten verglichen. So wird transparent, welche Fortschritte der Patient macht. "Mit diesen Informationen kann der Therapeut den Patienten wesentlich besser fördern", sagt Willmann.

Die ersten Tests mit Patienten hätten gezeigt, dass das System funktioniert, sagt Steinhagen-Thiesse. Wenn die Machbarkeitsstudie abgeschlossen ist, folge eine große Studie, in der die Wirksamkeit der Methode gegenüber konventionellen Therapien untersucht werden, sagt die Berliner Ärztin, die sich schon seit längerem darum bemüht, die Effektivität von Reha-Maßnahmen mit Hilfe von unterstützender Technik zu verbessern. Bedenken, dass die vor allem älteren Patienten mit der Technik nicht klarkommen, hat Elisabeth Steinhagen-Thiesse nicht. Das ältere Semester werde, was den Umgang mit neuen Medien angeht, oft unterschätzt.

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