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07.01.2009 
Datenübertragung

China vergibt neue Mobilfunklizenzen

von Andreas Hoffbauer, Sandra Louven und Hans Schürmann

Unter dem Druck der Wirtschaftskrise hat China gestern ein riesiges Infrastrukturprojekt gestartet: Nach langem Zögern vergab das Reich der Mitte an die drei Mobilfunkanbieter im Land Lizenzen für eine schnelle Datenübertragung per Mobilfunk.

In China werden künftig drei verschiedene Mobilfunktechniken miteinander konkurrieren. Foto: rtrLupe

In China werden künftig drei verschiedene Mobilfunktechniken miteinander konkurrieren. Foto: rtr

DÜSSELDORF. Diese Technik, die in der Fachwelt auch als dritte Mobilfunkgeneration (3G) bezeichnet wird, bringt das mobile Internet aufs Handy und ist in Europa unter dem Namen UMTS bekannt. Die Lizenzen sind Teil des Konjunkturpakets im Wert von 430 Mrd. Euro, das die chinesische Führung angekündigt hatte. Peking erwartet in den nächsten zwei Jahren allein Investitionen in Höhe von rund 30 Mrd. Euro.

Für die Telekom-Ausrüster verheißt das Projekt im bevölkerungsreichsten Land der Erde neue Aufträge. „Das ist eine goldene Chance für die internationalen Ausrüster und Handyhersteller in Zeiten, in denen es sonst kaum Anzeichen für Wachstum gibt“, kommentierten die Experten des britischen Marktforschers Ovum. Zulieferer wie Nokia Siemens Networks oder Ericsson seien bestens für den Bau der Netze positioniert, prognostizierte Fang Meiqin vom Marktforscher BDA in Peking.

In der Branche heißt es zwar, China wolle die eigenen Ausrüster bei der Auftragsvergabe bevorzugen. Die internationalen Konkurrenten haben aber alle Kooperationen mit den chinesischen Anbietern vereinbart – Nokia Siemens Networks etwa mit Huawei und Ericsson mit ZTE.

Das besondere an den chinesischen Lizenzen ist aber nicht nur der erhoffte Konjunkturimpuls. Die Chinesen führen auch eine ganz neue Technologie ein. Hinter dem kryptischen Kürzel TD-SCDMA verbirgt sich eine Technik, die Ende der 90er-Jahre von der Akademie für Telekommunikationstechnologie in Peking zusammen mit dem chinesischen Telekomausrüster Datang und Siemens entwickelt wurde. Sie ist noch nirgendwo im Einsatz.

Ziel der chinesischen Regierung war es, mit einem eigenen Format für schnelle mobile Datendienste den asiatischen Markt zu erobern und China unabhängig von der europäischen und der amerikanischen Telekommunikationstechnologie zu machen. Doch der bereits für 2005 geplanten Marktstart ist wegen technischer Probleme immer wieder verschoben worden. Nun erzeugt die Wirtschaftskrise zusätzlichen Druck zur Einführung.

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