25.01.2006

Musikmesse Midem: Kids laden ihre Hits aufs Handy

Die Branche setzt auf den Vertrieb über das mobile Internet.

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Das neue Walkman-Handy W810 von Sony Ericsson wurde auf der Midem vorgestellt. Foto: apLupe

Das neue Walkman-Handy W810 von Sony Ericsson wurde auf der Midem vorgestellt. Foto: ap

HB CANNES. Die Rückkehr der Katze. Meterhoch und unübersehbar prangt das Symbol für den Niedergang der Musik-Industrie über dem Eingang zum Palais des Festivals in Cannes. Mit verschmitztem Grinsen, die Kopfhörer fest über die spitzen Ohren gezurrt, grüßt die Napster-Katze von einem riesigen Werbeplakat die Besucher der Musikmesse Midem an der Côte d'Azur.

Die Katze war schon mal hier. Vor fünf Jahren repräsentierte sie aber noch die gefährlichste Musiktauschbörse im Internet. Napster, Programmierspaß eines pubertierenden Schülers, war außer Kontrolle geraten und zum Staatsfeind Nummer Eins geworden. Heute ist die Katze domestiziert und verkauft brav Musik im Internet. Bei genauem Hinsehen scheint sie sogar etwas müde zu sein. Doch sie wird bald ihre Krallen gegen neue Gegner ausfahren müssen. Musikdienste über Mobiltelefone drohen den Internet-Shops den Rang abzulaufen, bevor diese noch richtig Fuß fassen konnten.

Rund 1,1 Mrd. Dollar wurden 2005 nach Angaben des internationalen Musikverbandes IFPI mit digitalem Musikvertrieb weltweit umgesetzt nach 380 Mill. Dollar im Vorjahr. Die Hälfte davon bereits über Mobiltelefone. „Anfang 2005 war Musik über das Telefon laden noch eine nette Idee“, sagt John Kennedy, Präsident der Dachorganisation der Phonoverbände (IFPI). „Heute ist es schon Realität." Vierzig Prozent des Download-Umsatzes bei Emi Music wird inzwischen mit Mobiltelefon gemacht, bestätigt Eric Nicoli, CEO des Musikriesen. – „Überwiegend in Japan“, ergänzt er.

Japan ist für den mobilen Musikvertrieb das Maß aller Dinge: Noch vor wenigen Monaten hat nach Einschätzung von Gerhard Fasol vom Tokioter Beratungsunternehmen Eurotechnology alleine der Mobilfunkbetreiber KDDI/AU in Japan mehr Musik über das Telefon verkauft als Apple mit dem Web-Shop iTunes weltweit.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wohin die Reise geht

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