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28.11.2006 
Handy-Besitzer nutzen nur wenige neue Funktionen

Mobilfunker planen an Kunden vorbei

von Joachim Hofer und Sandra Louven

Handy-Besitzer haben die Qual der Wahl: Stand früher das Telefonieren im Mittelpunkt, so sind moderne Mobiltelefone Alleskönner. Wer will, kann mit Handys E-Mails verschicken, im Internet surfen oder kleine Filme drehen. Trotz der Flut an Angeboten sind die Kunden aber zurückhaltend. Weltweit nutzen die Handybesitzer jeweils nur ganz wenige der neuen Dienstleistungen.

Obwohl es zahlreiche Angebote gibt, nutzen die Mobilfunk-Kunden in der Regel nur wenige Handy-Funktionen.Lupe

Obwohl es zahlreiche Angebote gibt, nutzen die Mobilfunk-Kunden in der Regel nur wenige Handy-Funktionen.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Eine groß angelegte Umfrage von TNS Infratest unter Handybesitzern in Industriestaaten sowie den aufstrebenden Zentren von Schwellenländern zeigt, dass die Menschen an lieb gewonnenen Gewohnheiten trotz des rasanten technischen Fortschritts festhalten: Nach wie vor ist die SMS, also die Kurzmitteilung in Textform, die mit Abstand am meisten genutzte Dienstleistung. Erst mit weitem Abstand folgen Handy-Spiele und die Fotofunktion. MMS, das heißt der Versand von Bildern und Filmschnipseln, ist weit abgeschlagen.

„Die neuen Dienste sind ebenso wie die Sprachminuten noch viel zu teuer“, sagt Bernd Jäger von der Unternehmensberatung Jäger Consult. Er erwartet zwar, dass Anwendungen wie Handy-TV eine große Zukunft haben. Für ihren Erfolg sei der Preis aber von entscheidender Bedeutung. „Wenn man in den Massenmarkt rein will, darf man nicht versuchen, die Investitionen mit den ersten Nutzern zu refinanzieren“, sagt Jäger.

Beispiel MMS: Mehr als die Hälfte aller von TNS-Befragten nutzen ihre Handys, um Fotos zu machen. Nur ein Drittel verschickt diese Bilder aber auch. „Viele Menschen wissen nicht, was MMS kostet. Die Leute vermuten aber, dass es teuer ist, und nutzen es deshalb nicht“, meint Robert Wieland, Geschäftsführer von TNS Infratest in München. Nach Ansicht von Wieland können die neuen Dienstleistungen nur dann erfolgreich sein, wenn die Kunden die Preismodelle verstehen und als attraktiv erachten. Wieland: „Jetzt ist das Marketing gefragt.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: 16 000 Handybesitzer befragt

Mehr als nur Telefon. Grafik: HandelsblattLupe

Mehr als nur Telefon. Grafik: Handelsblatt

TNS Infratest hat weltweit mehr als 16 000 Handybesitzer im Alter von 16 bis 49 Jahren zu ihren Mobiltelefon-Gewohnheiten befragt. Dabei ergeben sich zwar Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Aber es gibt auch wesentliche Gemeinsamkeiten. So zeigt sich, dass das Interesse an den neuen Handy-Diensten durchaus da ist. Nur: Oft nehmen sie lediglich ganz spezielle Zielgruppen in Anspruch.

Dies gilt etwa für den Internetzugang von unterwegs. „Das wird mehr und mehr nachgefragt“, sagt TNS-Manager Wieland. Vor allem Selbstständige und Manager würden die Möglichkeiten nutzen, die der neue Mobilfunkstandard UMTS bietet. Wieland: „In der relevanten Zielgruppe ist das angekommen.“

Dass UMTS in der Öffentlichkeit dennoch als Flop angesehen wird, liegt unter anderem daran, dass es von der breiten Masse bis jetzt nicht wahrgenommen wird. Experten gehen davon aus, dass viele Angebote noch nicht den Wünschen der Nutzer entsprechen. „Keiner weiß bisher, was die Kunden eigentlich wollen“, sagt Klaus von den Hoff von der Unternehmensberatung CSMG Adventis. Zudem sei der Verkauf von Inhalten für die Netzbetreiber wie Vodafone häufig kein gutes Geschäft. An Klingeltönen zum Beispiel verdienten nicht die Netzbetreiber, sondern Drittanbieter wie Jamba.

Dass ein Handy-Besitzer jemals alle Funktionen seines Geräts nutzen wird, ist unwahrscheinlich. Im Schnitt nutzen die Menschen in Westeuropa lediglich fünf Angebote. Selbst in China, der Gegend mit der größten Begeisterung für neue Funktionen, nehmen die Leute nur sieben Features in Anspruch.

Die Mobilfunkanbieter schaffen deshalb immer mehr Angebote für einzelne Zielgruppen. Ein guter Weg, meint Marktforscher Wieland: „Der Kunde will genau wissen, was er für seine speziellen Ansprüche zahlt.“ Am Attraktivsten sind laut Umfrage für die Anbieter Geschäftskunden – und nicht Jugendliche, auf die derzeit viele Angebote zugeschnitten werden. Der Grund: Wem die Firma die Rechnung zahlt, der nutzt viele neue Angebote gerne und ausgiebig.

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