Für die Mobilfunk-Unternehmen sieht die Zukunft nicht schlecht aus. Zum einen gewinnen sie in den Schwellen- und Entwicklungsländern Millionen neuer Kunden. Zum anderen fiebern in den Industrienationen viele Nutzer dem Handy-TV entgegen und sind bereit, dafür auch tief in die Tasche zu greifen. In einigen Städten ist das Fernsehen im Mini-Format schon Realität.
MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Eine Umfrage von TNS Infratest für das Handelsblatt hat ergeben, dass sich 15 Prozent der Handynutzer mit dem Thema angefreundet haben. Vor drei Monaten lag der Wert noch bei 10 Prozent. "Vor allem Schüler sind mobilem Fernsehen gegenüber sehr aufgeschlossen", sagt Stephan Lauer, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens TNS Infratest. Jeder zweite Schüler äußerte sich in der TNS-Umfrage positiv zu dem Thema.
Potenzielle Kunden sind offenbar bereit, für Fernsehen übers Mobiltelefon in die Tasche zu greifen. Die repräsentative Umfrage unter 1 000 Personen ergab, dass die Nutzer im Monat 20 bis 25 Euro für TV und Internet übers Handy ausgeben würden. Voraussetzung sei, dass Inhalte und Tarife stimmen. Lauer: "Das Ganze muss einfach sein, und die Anbieter müssen ein interessantes Bündel schnüren." Die Leute interessierten sich vor allem für Nachrichten und Sport per Handy-TV.
Neue Erlösquellen sind wichtig für die Mobilfunkindustrie, denn in gesättigten Märkten wie Westeuropa kommen Handyhersteller und Netzbetreiber an Wachstumsgrenzen. Die Anbieter setzen darauf, mit neuen Diensten wie Handy-TV den Umsatz zu steigern, denn dafür müssten die Kunden neue Geräte kaufen.
Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat am Mittwoch seine Prognose für den weltweiten Absatz von Mobiltelefonen gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent auf 960 Mill. Geräte erhöht. Bisher waren die Forscher nur von einem Wachstum um 10 bis 15 Prozent ausgegangen.
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Grund für den Optimismus waren allerdings weniger steigende Verkaufszahlen teurer Multimedia-Handys, sondern steigende Absätze in Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Unternehmen gehen dort hin, weil in den Industrienationen bereits fast jeder Bürger ein Handy besitzt. "Zahlreiche Emerging Markets erleben derzeit einen wirtschaftlichen Aufschwung, und die Bevölkerung kann sich deshalb Mobiltelefone leisten", erklärt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Zu den wichtigsten Märkten gehörten Indien, Russland und Nigeria. Weltmarktführer Nokia rechnet damit, dass 70 Prozent des Marktwachstums aus Schwellenländern kommen.
In den Schwellen- und Entwicklungsländern sind die Margen aber deutlich geringer als in den Industrienationen. Die Hersteller sind deshalb darauf angewiesen, auch das lukrative Geschäft mit hochpreisigen Modellen anzukurbeln. Dabei setzt die Branche auch auf Handy-TV.
Die Fußball-Weltmeisterschaft kommt für den großen Ansturm aufs Handy-TV allerdings zu früh: Die Angebote der Mobilfunker und Handyproduzenten fallen zu spärlich aus. Noch sind die Spiele nur in ausgewählten Regionen auf dem Mobiltelefon zu empfangen - und es gibt nur wenige passende Telefone. Für Weihnachten erwartet Lauer aber ein gutes Geschäft mit dem mobilen Fernsehen.
Fernsehfans können die mobilen Bilder vorerst nur als Kunden des Service-Providers Debitel genießen. Das Unternehmen gab gestern den Startschuss für den Sendebetrieb über eine Rundfunkfrequenz für das Handy. Debitel zeigt seinen Kunden in Berlin, Köln, Frankfurt, München und Stuttgart vier Programme. In wenigen Wochen folgen weitere Städte, und im kommenden Jahr sollen 75 Prozent der Bevölkerung das Angebot nutzen können. Kunden können die mobile Mattscheibe für 9,95 Euro im Monat unbegrenzt nutzen. Debitel nutzt als einziger Wettbewerber den in Korea etablierten Übertragungsstandard DMB. Die vier deutschen Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 hatten dagegen am Montag bekannt gegeben, dass sie den konkurrierenden Standard DVB-H unterstützen.


