In Skandinavien, den Niederlanden und Großbritannien sind virtuelle Netzbetreiber bereits weit verbreitet. „Dort haben sie dafür gesorgt, dass das allgemeine Preisniveau deutlich gesunken ist“, sagt Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikation an der Universität Duisburg. Der britische Konzern Virgin beispielsweise vermarktet seit Ende 1999 unter dem Namen „Virgin Mobile“ Mobilfunkverträge auf dem Inselstaat. Die Minuten kauft Virgin bei T-Mobile UK ein.
Für die MVNOs liegen die Vorteile auf der Hand: Durch geringe Anfangsinvestitionen können sie sich auf Nischen konzentrieren. Für die Netzbetreiber sind sie Gefahr und Chance zugleich: „MVNOs wollen mit dem Mobilfunk nicht in erster Linie Geld verdienen“, erklärt Diethard Bühler von der Unternehmensberatung Adventis. Ihr Hauptziel ist eine höhere Kundenbindung. „Im Zweifel akzeptieren sie deshalb schlechtere Margen“, so Bühler.
Bisher halten sich die Netzbetreiber mit Ausnahme von Eplus noch bedeckt:„Wir sind gut aufgestellt und sehen keinen Handlungsbedarf im Billigsegment“, heißt es bei Vodafone. Auch der Marktführer T-Mobile will sich nicht äußern. In Branchenkreisen heißt es allerdings, dass T-Mobile eine entsprechende Kooperation plane.
Seit einem Jahr vermarktet Tchibo als Wiederverkäufer Prepaidverträge von O2 unter eigenem Namen. Der Erfolg ist beachtlich: 335 000 Prepaidverträge hat Tchibo bis Ende Juni geschlossen. Eigene Netztechnik nutzt Tchibo allerdings nicht. „Wir sind zwar für neue Partnerschaften offen“, sagt ein O2-Sprecher. Allerdings werde O2 vorher genau prüfen, ob man dadurch nicht die eigenen Marke „ kannibalisiere“.


