Die High-Tech-Schmiede Nvidia hat Großes vor. In Zusammenarbeit mit Microsoft hat der kalifornische Grafikspezialist einen Hochleistungschip entwickelt, der als Basis für die nächste Generation von Microsoft-Smartphones dienen wird. Der Chip soll die Konkurrenz für das iPhone beleben - er vereint Heimkino mit der Funktionalität des Smartphone.
Smartphones sind auf dem Weg zum mobilen Computer. Foto: Handelsblatt
SANTA CLARA. Die Konkurrenz für das iPhone ist kaum größer als ein Daumennagel. In Barcelona auf dem Mobile World Congress präsentiert der kalifornische Grafikspezialist Nvidia
heute einen kompletten Hochleistungs-PC auf nur einem Chip als Basis für die nächste Generation von Microsoft
-Smartphones.
Der Chip, laut Nvida in "enger Zusammenarbeit mit Microsoft" entwickelt und nur mit Windows Mobile lauffähig, wird die komplette Smartphone-Funktionalität beinhalten und ein Heimkino gleich mit.
Microsoft
Im Januar in San Francisco konnte Apple
-Chef
Steve Jobs vermelden, dass sein iPhone im dritten Quartal 2007 bereits mit fast 20 Prozent Marktanteil die Nummer zwei im US-Smartphonemarkt hinter Blackberry
(RIM) mit 39 Prozent war - und so viel Marktanteil hatte wie Palm,
Motorola
und Nokia
zusammen.
Jetzt soll das eher öde daherkommende Windows Mobile mit Hilfe des Nvidia
-Chipssatzes
aufgebohrt werden. Erste Entwicklereinheiten mit einem iPhone-ähnlichen Multi-Touchscreen von Sharp,
GPS, Wimax und TV sollen demnächst ausgeliefert werden. Die Massenproduktion des Chips "APX 2500" wird für Ende des zweiten Quartals erwartet.
Als erster Handy-Chipsatz wird er Videos in HD-Qualität (720 Bildzeilen) aufzeichnen und auch auf Flachfernsehern in HD-Qualität (per HDMI-Anschluss) wiedergeben können. Er wird Dienste wie 3-D-Navigation mit Microsoft
Virtual Earth ermöglichen. Der eingebauter GeForce-Grafikchip aus dem PC-Bereich wird dreidimensionale Nutzeroberflächen ermöglichen wie sie heute auf MS Vista- oder Apples
Leopard-PCs zu finden sind.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die zweite Computerrevolution.
Jen-Hsun Huang ist geradezu euphorisch. "Das ist nicht weniger als der Beginn der zweiten Computerrevolution", sagt der CEO von Nvidia.
Die High-Tech-Schmiede - die das Wirtschaftsmagazin Forbes gerade erst zum Unternehmen des Jahres 2007 gekürt hat - hat sich viel vorgenommen. Der britische Konkurrent ARM hat nach eigenen Angaben seine Chips in 90 Prozent aller in Barcelona ausgestellten Mobiltelefone verbaut. Darunter das erste Windows-Smartphones von LG, das KS20 im Prada -Stil,
oder Samsungs
"Blackjack II", ebenfalls mit Mobile 6. Dominierende Player bei reinen Applikationschips sind Firmen wie Texas Instruments
oder Qualcomm.
Nvidia
ist hier blutiger Neuling.
Aber wenn der Generationswechsel ansteht, will der PC-Spezialist in den Gewässern von ARM, AMD,
Texas Instruments
und Qualcom räubern: "iPhone hat das Smartphone neu definiert. Standen früher Kalender und E-Mail im Vordergrund, ist es heute visuelles Computing", sagt Mike Rayfield, Manager der Handheld-GPU-Gruppe im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das öffnet die Tür für geballtes Know How aus 15 Jahren PC-Grafikkarten und High-End-Computerspielen. Der Einsatz lohnt sich: Die Marktforscher von IDC glauben, dass sich der Markt nur für Applikations-Prozessoren in Mobiltelefonen bis 2010 auf 3, 3 Mrd. Dollar verdoppeln wird. Gartner rechnet für 2012 mit sechs Mrd. Dollar.
Rayfields Ingenieure in dem futuristischen Bau aus Glas und Stahl im Herzen des Silicon Valleys sind motiviert bis in die Haarspitzen: Der APX 2500 ist das erste Gemeinschaftsprodukt von Nvidia
und Portalplayer. Portalplayer hatte Chips für die ersten fünf Generationen des iPods geliefert, war aber bei iPod touch und iPhone ausgebootet worden. Ohne Apple
brach das Geschäft weg und Nvida kaufte die Firma 2007. Jetzt sinnt man mit Microsoft
auf Rache.
Und die passt auf eine Siliziumscheibe und wird im ultramoderen 45nm-Prozess gefertigt. Das verringert den Stromverbrauch dramatisch. Zehn Stunden HD-Video oder bis zu 100 Stunden MP3-Musik seien möglich. "Ich glaube", so Rayfield, "dass wir mit APX2500 das Wachstum von Smartphones mit Windows-Betriebsystemen signifikant verbessern können." "Wir sehen gerade einen bemerkenswerten Umschwung im Markt", bestätigt auch Adrian Hartog, Senior Vice President bei AMD
Consumer Electronics. "Multimedia war früher Spielerei. Heute verlangen die Käufer es und arbeiten auch damit." Seit der Übernahme des Grafikchipherstellers ATI gibt AMD
im Mobilfunk mächtig Gas. Vom Chip-Riesen NXP werden in Barcelona ebenfalls neue Produkte erwartet.
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