In den USA wird seit November 2003 Handy-Fernsehen angeboten: Möglich machte dies eine raffinierte Technik aus Aachen, die Software kam von der Firma Main Concept. Nun hat der Software-Riese Adobe die Software des Aachener Herstellers in die neueste Version des Flash Players integriert. Bald können Videos ruckelfrei auf Computern abgespielt werden.
Die USA galten im Mobilfunk lange als nicht sonderlich innovativ. Leistungsfähigkeit und Komfort der dortigen schmalbandigen Mobilfunknetze hinkten den schnellen Breitbandnetzen in Europa und Japan um mindestens eine Generation hinterher. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. So wird Handy-Fernsehen in den Staaten trotz der schwachen Infrastruktur bereits seit November 2003 angeboten. Möglich machte das eine Technologie made in Germany: Software von Main Concept aus Aachen bringt das MobiTV-Programm zum Laufen. Sie sorgt dafür, dass die Filme, die für den Versand über Mobilfunknetze extrem komprimiert werden müssen, auf dem Handy richtig entpackt und weitgehend ruckelfrei wiedergegeben werden. Die Qualität der Bilder ist zwar nicht berauschend, aber immerhin: Es geht.
Main Cocept hat sich auf sogenannte Codecs spezialisiert. Das Kunstwort bezeichnet ein Verfahren, das Bilder, Musik und Videos effizient in digitale Daten umwandelt (kodiert) und für die Wiedergabe dekodiert. Die Software der Aachener arbeitet weltweit in Millionen von DVD-Rekordern, Settop-Boxen, in Digital- und Videokameras. 80 Prozent aller Spielfilmstudios weltweit, ob in Hollywood oder Bollywood, nutzen die Technik der Rheinländer.
Jetzt gelang dem Unternehmen ein Coup: Software-Riese Adobe, bekannt für seine Bildbearbeitungsprogramme und Erfinder des Dokumentenformats PostScript, hat die Main-Concept-Software gerade in die neueste Version seines Flash Players integriert, um Videos besser auf Computern abspielen zu können.
Den Amerikanern gefiel, dass die Software aus Aachen nur 100 Kilobyte groß ist. Flash ist für Multimedia im Internet, was Microsoft Windows für Personal Computer ist. Etwa 98 Prozent aller Computer mit Internet-Zugang nutzen den Adobe Flash Player. Gekoppelt mit einem Webbrowser, spielt die Software Videos oder Animationen direkt auf den Web-Seiten ab – als Videoclip oder Werbebanner.
Seine große Popularität hat auch das Portal YouTube dem Flash Player zu verdanken. YouTube-Nutzer brauchen nur die Web-Seite-Adresse ansteuern, das Video auswählen, und schon erscheint es auf dem Schirm. 800 Millionen Computer sind nach Adobe-Schätzungen derzeit in der Lage, den neuen Flash Player 9 (Kodename Movie Star) abzuspielen. Web-Video und interaktives Online sind Wachstumsmärkte. Die Mediengiganten NBC und News Corp ziehen mit Hulu.com gerade einen Wettbewerber zu YouTube hoch. Einziges Problem: Noch verdient kaum jemand mit Web-Videos Geld. Dafür sind die Ausgaben immens. „Allein zehn Prozent des gesamten Internet-Verkehrs in Nordamerika entfällt auf YouTube“, schätzt Fred Sammartino vom US-Breitbandausrüster Ellacoya.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Neues Programm für Videos kann Kosten sparen.
Die Übertragung großer Datenmengen über das Internet verursacht erhebliche Transportgebühren. Ein besseres Programm für Videos kann immense Kosten sparen. Denn die Anbieter können damit wahlweise die Videoqualität erhöhen oder beim Übertragen an Bandbreite sparen.
Adobe-Chef Bruce Chizen will mit Flash aber nicht nur das Internet dominieren. Er zielt auch auf Mobiltelefone und MP3-Player – Experten sagen dort das größte Wachstum voraus. Auch Microsoft und Sun wollen daran teilhaben. Microsoft stellte Anfang September den Flash-Konkurrenten Silverlight vor, Sun-Chef Jonathan Schwarz sieht sein Unternehmen als den eigentlichen Erfinder des interaktiven Webs. 1995 brachte das Unternehmen die Programmiersprache Java auf den Markt, die heute in 1,5 Milliarden Mobiltelefonen steckt. Eine erweiterte Java-Version soll die Integration von Animationen verbessern.
In der Software von Main Concept „steckt jahrelange Forschung drin“, sagt Firmengründer Markus Mönig, der mit seinen 37 Jahren bereits ein Computervideo-Veteran ist. Zu seinem zwölften Geburtstag hatten ihm die Eltern einen Commodore-C-64-Rechner geschenkt: „Sie waren davon überzeugt, dass den Computer die Zukunft gehört.“ Schon wenig später verfasste der Aachener eigene Programme, mit 20 schrieb er eine preisgekrönte Software zum Bearbeiten von Videos, schwenkte aber nach der Pleite von Commodore auf Microsoft Windows um. Zwei Jahrzehnte später hat Mönig, der sein Studium der Informatik abbrach, einen Weltmarktführer in einer kleinen, aber lukrativen Nische aufgebaut.
In jüngster Zeit bekommt Mönig häufiger Kaufofferten für sein Unternehmen. „Die Konzerne wollen uns oft lieber gleich kaufen, als uns einen großen Auftrag zu geben“, vermutet er. Main Concept wäre wahrscheinlich billig zu haben – der Umsatz wird auf nur neun Millionen Euro geschätzt. Für den Betrag eines Jahresumsatzes würde er das Unternehmen aber nicht hergeben: „Da ist weit mehr drin.“


