Rund ein Jahr nach dem ersten Apple
-Handy ist am Freitag der Nachfolger in 21 Ländern in den Handel gekommen. Und wie 2007 war das Interesse gross. Die neue Generation bietet nun auch die schnellere Daten-Übertragung über UMTS und GPS-Navigation. Den Rummel um das iPhone können aber selbst die Werbe-Profis von Apple
nicht beliebig oft wiederholen.
HB KÖLN/TOKIO/NEW YORK. In Tokio versammelten sich am Freitag rund 1500 Menschen vor dem Geschäft des japanischen Mobilfunk-Partners Softbank
, in anderen Ländern wie den USA oder selbst Neuseeland gab es ebenfalls einen Ansturm. Auch aus den Filialen der Deutschen Telekom wurde "Rieseninteresse" gemeldet. "Egal ob Hamburg, München oder Bonn, es ist überall rappelvoll", berichtete eine T-Mobile-Sprecherin in Bonn.
"Ich bin extra um 05.00 Uhr aufgestanden und aus Wuppertal hergefahren, weil ich meiner Frau unbedingt ein weißes iPhone morgen zum Geburtstag schenken wollte", sagt Ulli Schulte. Der Polizist ist seit 15 Jahren Apple
-Fan und hielt am Freitag trotz Nieselregens bereits ab 6 Uhr den vordersten Platz in der Schlange vor dem Telekom-Shop in der Kölner Schildergasse besetzt. Zum Verkaufsstart des neuen iPhone 3G ist eben keine Mühe zuviel: "Ich hatte gehört, dass in ganz Wuppertal schon alle weißen Telefone vergeben sind. Und ich will ein weißes, weil das die Frauenfarbe ist."
Teststrecke Special: iPhone 3G - mehr Evolution als Innovation
Rund 40 Apple
-Fans standen am Morgen vor dem Geschäft geduldig Schlange, um möglichst früh in den Besitz des Kult-Handys zu gelangen. Manche warteten bereits seit Stunden. Mit dem Rummel im vergangenen Jahr, als die erste Generation des Telefons in Deutschland auf den Markt kam, war das allerdings nicht zu vergleichen: Damals warteten vor demselben Shop hunderte Kaufwillige die Nacht hindurch. Der Telekom-Laden ist einer von insgesamt 1 800 Verkaufspunkten bundesweit - und einer von vieren, in denen die Telekom das Erscheinen des iPhone 3G besonders beworben hat.
Auch ein anderer der Wartenden in der Schlange war von der Sorge, keines der neuen Handys zu ergattern, in aller Frühe aufgestanden. "Es gab Berichte, dass die Telefone wohl schnell ausverkauft sind" sagt der Krankenkassen-Angestellte. Unbegründet war diese Sorge wohl nicht: T-Mobile - Sprecher Alexander von Schmettow sagte, er rechne damit, das iPhone 3G in einigen Länden schon am Freitag ausverkauft sein werde.
"Ich habe schon schlecht geschlafen heute Nacht, weil ich dachte ich bekomme keins", sagt Student Emanuel Schmidt-Halswick. Er reihte sich an diesem Freitag in die Schlange ein, obwohl sein Handy-Vertrag noch mehrere Monate läuft. Beim alten iPhone habe er sich noch zurückgehalten und lieber für das neue gespart: "Ich wusste, dass die zweite Generation besser und billiger sein würde, so ist das immer bei Apple."![]()
Ein Mitwartender war nicht so geduldig: "Ich habe schon das alte iPhone, das verkaufe ich jetzt an einen Freund. Handy kann jeder, aber die Qualität des iPhones ist einfach unschlagbar." Das Pärchen wenige Meter dahinter will zwei iPhones. "Endlich ein Telefon, das richtig mit meinem Mac funktioniert", sagt die Frau. "Seit zehn Jahren habe ich auf so ein Gerät gewartet", ergänzt ihr Mann.
Machen Sie den Test: Sind Sie ein iPhone-Maniac?
Um 10 Uhr öffnen sich endlich die Türen. Mitarbeiter begrüßen die Wartenden mit Apfel-Schorle - heute als Apple
-Schorle deklariert - und Tabletts mit grünen Äpfeln. Drei Jungs stürmen in die Filiale, verfolgt von ihrer Mutter. "Das neue iPhone", raunen sie sich ehrfürchtig zu. "Wir wollen eigentlich Kindersachen kaufen", erklärt die Mutter entschuldigend, "aber für Elfjährige ist natürlich das iPhone cooler".
Eine halbe Stunde nach Öffnung verlässt Ulli Schulte strahlend mit dem gewünschten Geburtstagsgeschenk für seine Frau den Laden. Für sich selbst hat er allerdings keines der Kult-Handys gekauft, wie er sagt:"Ich warte auf die 3. Generation - ich habe Zeit."
In Düsseldorf war der Andrang widerum schnell vorbei: "Ausverkauft", berichtete eine Verkäuferin. "Wir hatten allerdings auch nur zwölf Geräte." In ganz Deutschland sollen nur wenige tausend der Handys zum Verkaufsstart zur Verfügung gestanden haben, was manchen Kaufwilligen verärgert von dannen ziehen ließ. "Wir kommentieren diese Zahlen nicht", hieß es aus der T-Mobile-Zentrale. Es hätten aber mehrere tausend Vorbestellungen vorgelegen. Auch der Computerhändler Gravis sprach von einem großen Interesse. Von der ersten Generation des iPhone sollen in Deutschland bis Mai rund 100 000 Geräte verkauft worden sein.
Das neue iPhone 3G kam am Freitag in 21 Ländern auf den Markt. Ursprünglich war von 22 Märkten die Rede, aber Frankreich folgt nun erst am 17. Juli. Im Vergleich zu der vor einem Jahr eingeführten ersten Version unterstützt das neue Modell schnellere Datenübertragung über UMTS und GPS-Navigation. Außerdem kann man über eine neue Anbindung an Microsofts
E-Mail-Programm Outlook nun ähnlich wie beim BlackBerry
E-Mails besser mobil empfangen und verwalten. Damit zielt Apple
neben der Zielgruppe der privaten Verbraucher verstärkt auch auf Geschäftskunden.
Von Freitag an kann bei Apple
auch ein breites Angebot an Programmen für das iPhone heruntergeladen werden. Es geht dabei zum Beispiel um Spiele und Kommunikations-Software. Die Programme können von Entwicklern im neuen "App Store" auf der iTunes-Plattform von Apple
angeboten werden. Etwa ein Viertel der zunächst über 500 Anwendungen soll kostenlos sein.
Mit der Vielfalt an Programmen will Apple
das iPhone als mobile Computer-Plattform etablieren. Der Konzern hat sich für dieses Jahr den Absatz von zehn Mill. iPhones vorgenommen und würde damit etwa ein Prozent des weltweiten Mobilfunkmarktes halten. Das ist an sich genommen nicht viel, doch gilt das iPhone als ein Flaggschiff für die neue Handy-Generation mit Internet-Anbindung. Dieses Marktsegment wächst rasant und gilt als zukunftsweisend.
Da das iPhone 3G im Gegensatz zum Vorgängermodell von den Mobilfunk-Anbietern subventioniert wird, sanken die Preise für den Kauf des Geräts teilweise radikal. Bei T-Mobile kostet das neue iPhone mit acht oder 16 Gigabyte Speicher in Verbindung mit einem Zweijahres-Vertrag je nach Tarif zwischen einem und 250 Euro - und ist damit etwa halb so teuer wie das Vorgängermodell. Das Vorgängermodell schlug noch mit rund 400 Euro zu Buche.
Das erste iPhone von Apple
avancierte vor einem Jahr bereits kurz nach Verkaufsstart zum Kultobjekt und wurde trotz einiger bemängelter Schwächen schnell zum Maßstab für die Handy-Industrie. Vor allem die leichte Bedienbarkeit mit dem Finger über das "Multi-Touch"-Display hatten viele Hersteller zu kopieren versucht.
Der Verkaufsstart des iPhone 3G markiert den Anfang eine breiten internationalen Expansion. Zuvor wurde das Apple
-Telefon erst in sechs Ländern offiziell angeboten. Am Freitag kam das iPhone 3G neben Japan zum Beispiel in Australien, Hongkong, Spanien, Italien, Schweden oder Mexiko neu in den Markt. Noch in diesem Jahr soll es in 70 Ländern angeboten werden.
Für die neue Generation gab Apple
sein ursprüngliches Geschäftsmodell auf, bei dem der Elektronik-Konzern an den Umsätzen der Mobilfunk-Anbieter mitverdienen wollte. Es scheiterte daran, dass zu viele Nutzer die vorgesehene Bindung an einen Mobilfunk-Partner umgingen. Auch für das Betriebssystem des neuen iPhone soll schon Entsperrungs-Software entwickelt worden sein.


