0 Bewertungen
20.02.2008 
Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Autokonzerne geraten unter Öko-Druck

von Susanne Bergius

Der Druck auf Unternehmen zu mehr Transparenz bei Nachhaltigkeit und Umweltschutz wächst. Das zeigt sich derzeit am Beispiel der Autoindustrie: Bei der Erfüllung von Umweltauflagen müssen Autohersteller den realen Verbrauch ihrer verkauften Fahrzeuge angeben - doch die europäischen Autobauer sträuben sich gegen die Transparenzpflicht.

Die europäischen Autobauer sträuben sich gegen eine detaillierte Angabe des Spritverbrauchs ihrer Flottenfahrzeuge. Foto: dpaLupe

Die europäischen Autobauer sträuben sich gegen eine detaillierte Angabe des Spritverbrauchs ihrer Flottenfahrzeuge. Foto: dpa

BERLIN. Erst kündigte die EU Pläne an, in Werbekampagnen für Autos künftig deutlich sichtbare Hinweise auf deren Umweltverträglichkeit oder -gefährdung verpflichtend zu machen. Jetzt fordern auch Investoren und Analysten von den Herstellern detailliertere Veröffentlichungen - vor allem über den Spritverbrauch ihrer verkauften Flotte.

Die Großanleger und Analysten wollen künftige Risiken und Chancen der Unternehmen richtig einschätzen können. Welche Informationen aus ihrer Sicht gewünscht sind, wird in einem Katalog nachzulesen sein, den die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse (DVFA) Anfang März veröffentlichen wird (siehe "Forderungskatalog"). Er wird alle Branchen betreffen.

Zu den speziellen Indikatoren für die Autoindustrie gehören der durchschnittliche Verbrauch der verkauften Fahrzeugflotte in Liter pro 100 Kilometer sowie die CO2-Emissionen pro verkaufte Einheiten. Zu den Risiken der Firmen gehört es aus Analystensicht, Verpflichtungen zur Emissionssenkung nicht einzuhalten.

Die Autohersteller lehnen es bislang ab, in den Lageberichten diesen "realen" Flottenverbrauch der tatsächlich verkauften Fahrzeuge darzulegen. Damit aber verstoßen sie gegen die Transparenzpflicht, zeigt ein neues Rechtsgutachten, das dem Handelsblatt vorliegt. "Die Praxis entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen", urteilt Roda Verheyen, die das Gutachten im Auftrag der Nichtregierungsorganisation Germanwatch erstellt hat. Verheyen arbeitet für die Hamburger Kanzlei Günther, Heidel, Wollenteit, Hack.

"Fast durchgehend ist eine Verletzung der Transparenzpflichten feststellbar", sagt Verheyen. Das zeige eine Auswertung der Lageberichte europäischer Autobauer auf Grundlage des Gutachtens. Auch auf Nachfrage bei Autokonzernen ist der reale Flottenverbrauch nicht zu erfahren. "Der Indikator gilt aber derzeit als der wichtigste, um die Klimarisiken für Automobilunternehmen bewerten zu können", sagt Verheyen unter Bezug auf Finanzmarktstudien. "Eine Quantifizierung ist als Entscheidungsgrundlage für Aktionäre und Anleger erforderlich." EU-weite sowie nationale Gesetzesänderungen verpflichteten die Firmen, die Risiken des Klimawandels offenzulegen, heißt es in dem Gutachten.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Transparenzpflicht und ihre Folgen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Regenwald unter dem Dach

    Regenwald unter dem Dach

    Solarzellen, Recycling-Stahlträger und eine Wärmedämmung, die auf alten Blue-Jeans basiert: In Kalifornien steht einer der ungewöhnlichsten Museumsbauten der Welt. Die frisch eröffnete "California Academy of Sciences" hat jetzt eine besondere Anerkennung erhalten.Bildergalerie 

  • Die Nobelpreisträger 2008

    Die Nobelpreisträger 2008

    Von den kleinsten Bausteinen der Materie bis zum Aufbau unseres Universums reicht die Bandbreite der Forschungen, für die in diesem Jahr Nobelpreise vergeben wurden. Dazu ein Nobelpreis für Litertur, über den sich die Franzosen freuen dürfen. Die Preisträger 2008 im Üb...Bildergalerie 

  • Wohin mit den Millionen Kronen?

    Wohin mit den Millionen Kronen?

    Neben der Ehre ist auch das Preisgeld ein schöner Grund, sich über einen Nobelpreis zu freuen. Immerhin gibt es zehn Millionen Kronen für die Auszeichnung. Da lässt sich manch ein Traum erfüllen - vom schnellen Motorrad bis zum englischen Rasen vor der eigenen Hütte. W...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterHandelsblatt Quiz

Wasserquiz : 20 000 Liter Wasser für ein Kilo Kaffee

Los geht's!Wasser wird oft im Verborgenen verschwendet. Sicher drehen Sie den Hahn zu, wenn Sie sich die Zähne putzen und auch wenn Sie sich unter der Dusche ei...
Testen Sie Ihr Wissen rund um das knappe Nass in unserem Quiz.