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21.09.2007 
Ein Nachhaltigkeitsindex für Deutschland?

Der Ball liegt bei den Investoren

Sieben Fragen an Hartmut Graf, Abteilungsleiter Indizes der Deutschen Börse AG.

Handelsblatt: Die Deutsche Börse hat vergangenes Jahr einen Index für alternative Energien und dieses Jahr den ÖkoDax eingeführt. Warum?

Der Daxglobal Alternative Energy Index ermöglicht Anlegern, an den Investmentchancen von Erdgas sowie Wind-, Solar-, Bio- und anderer alternative Energien internationaler Unternehmen zu partizipieren. Der neue Index ÖkoDAX bildet derzeit die zehn größten deutschen Werte nach Marktkapitalisierung aus dem Bereich der erneuerbaren Energien ab. Deutschland ist in puncto Technologie diesem Bereich führend, daher auch die Nachfrage im Markt nach einem deutschen Index. Für das Wachstumspotenzial dieser Branche sprechen fundamentale Gründe: der zunehmende Energiebedarf, die geforderte Reduktion der Treibhausgase und die absehbare Verknappung des Erdöls.

Die Börse Hannover lancierte im September einen globalen Nachhaltigkeitsindex, der große, mittlere und kleine Unternehmen notiert und an dessen Wertentwicklung Anleger teilhaben können Warum hat sich beim umfassenden Thema Nachhaltigkeit die Deutsche Börse die Butter vom Brot nehmen lassen?

Im Indexgeschäft ist die Deutsche Börse jeweils an unterschiedlichen Stellen aktiv, je nachdem wo wir für Kunden und Partner die optimale Leistung erbringen können. Für den genannten Index sind wir übrigens die Berechnungsstelle.

Immer mehr Anleger wollen in ökologisch und sozial verantwortlich wirtschaftende Unternehmen investieren. Internationale Experten sagen, ein Nachhaltigkeitsindizes für deutsche Unternehmen sei überfällig. Warum bietet die Deutsche Börse keinen solchen Index?

Um einen derartigen Index aufzulegen, braucht man sehr fundierte Bewertungsparameter, die auch qualitative Kriterien enthalten und zu subjektiven Bewertungen führen. Wir aber wollen nicht subjektiv werten, sondern konzentrieren uns auf reine regelbasierte Konzepte. Allerdings unterziehen wir unsere Einschätzung einer regelmäßigen Überprüfung.

Deutschland hinkt aber hinterher: Anbieter in London, Skandinavien, Österreich, den USA, Kanada und Australien bieten durch nationale Nachhaltigkeitsindizes Transparenz. Sind Deutschland-orientierte Anleger nicht benachteiligt?

Es gibt Anbieter, die solche Indizes für Europa haben, die deutsche Unternehmen notieren. Zudem könnten Indexanbieter den deutschen Markt bedienen. Wir reagieren mit Indizes stark auf Themen, die die Investoren beschäftigen. Auch hier gilt, dass wir die aktuelle Entwicklung im Auge behalten und ein mögliches Engagement von unserer Seite aus prüfen.

Die Wertentwicklung mancher Nachhaltigkeitsindices übertrifft die Benchmarks. Müssten Sie Anlegern nicht durch einen Deutschland-Index die Beteiligung an solchen Wertschöpfungspotentialen ermöglichen?

Wir stellen primär keine Informationsbarometer zur Verfügung, sondern Basiswerte für Finanzprodukte. Die Indizes fließen sozusagen in Finanzprodukte ein, über die Anleger die Indexthemen erwerben können.

Aber auch viele Unternehmen, darunter die Deutsche Bank, mahnen einen deutschen Index an. Eine Listung würde ihrer Reputation dienen.

Wenn die entsprechende Nachfrage von Investoren kommt, werden wir darauf reagieren. Wir greifen mit ihnen aktuelle Diskussionen auf. So trafen alternative Energien vor fünf Jahren noch nicht auf offene Ohren, dieses Jahr aber sehr. Ich kann mir gut vorstellen, dass Investoren und Emittenten künftig auch an Nachhaltigkeit stärker interessiert sind. Wir haben das Thema schon mit Researchinstituten angesprochen, denn dafür sind ein spezielles Raster und große Expertise erforderlich. Sollte die deutsche Börse einen Nachhaltigkeitsindex auflegen, wird sie dies sicher mit einem Partner tun, wie auch andere Indexanbieter hierfür Researchpartner nutzen.

Wann gibt es für Anleger einen deutschen Nachhaltigkeitsindex?

Sobald der Bedarf groß genug ist, werden wir zügig reagieren, wie der Alternative-Energie-Index zeigt. Ein Index-Konzept können wir kurzfristig entwickeln.

Das Gespräch führte Susanne Bergius

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