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22.09.2007 
Nachhaltigkeitsindizes

Deutsche Konzerne besser positioniert

von Susanne Bergius

Der weltweit tonangebende Nachhaltigkeitsindex DJSI World wird neu zusammengestellt, wobei er künftig mehr deutsche Unternehmen enthält. Aber auch wenn nun mehr heimische Werte im Index vertreten sind – beim Europaindex DJSI Stoxx fallen zwei wichtige deutsche Unternehmen heraus.

BERLIN. Deutsche Firmen sind ab 24. September im Dow Jones Sustainability Index (DJSI World) erneut stärker vertreten. Der Nachhaltigkeitsindex integriert gleichrangig ökonomische, ökologische und soziale Kriterien. Aufsteiger sind E.On, Fraport, Henkel und Volkswagen; Absteiger ist Hypo Real Estate, die dies noch nicht kommentieren will. Das Gewicht Deutschlands im Weltindex erhöht sich von 6,9 auf 8,3 Prozent.

In den DJSI Stoxx hingegen rückt nur Eon auf, während Deutsche Post und MAN herausfallen. „Wir bedauern das und müssen unsere Anstrengungen steigern. Dazu werden wir die Ergebnisse in den nächsten Tagen analysieren“, sagte ein MAN-Sprecher. Die Post wird nicht notiert, obwohl Tochter DHL Kunden bei der stark beworbenen Klimainitiative GoGreen einen klimaneutralen Versand bietet. „Der Index notiert nur die Besten einer Branche. Höhere Nachhaltigkeitsleistungen bei Wettbewerbern können zum Ausschluss von Unternehmen führen, die sich nicht im selben Umfang verbessert haben“, begründet Alexander Barkawi, Direktor der Schweizer SAM Indexes GmbH. Sie erstellt die insgesamt 20 Indizes.

„Die schlechtere Bewertung ist angemessen, weil DHL beim Flugtransport, der die größten Umweltbelastungen verursacht, noch kein richtiges Klimakonzept hat“, urteilt Christoph Bals, Politischer Direktor der Umweltorganisation Germanwatch. „Wir sind enttäuscht, die Hürde knapp verfehlt zu haben. Es ist klar, dass sich andere Unternehmen stärker verbessert haben als wir und wir setzen alles daran, um nächsten Jahr wieder aufgenommen zu werden“, sagte ein Sprecher der Deutschen Post dem Handelsblatt.

Auf Unverständnis stößt bei Umweltschützern die Aufnahme von Eon. Der Konzern diskutiere zwar eine neue Strategie, aber habe noch nichts entschieden. Auch die weitere Notierung von RWE sei ungerechtfertigt. „Ihre Emissionen allein sind größer als die gesamten vom Emissionshandel in Frankreich erfassten. Und Investitionsplanung und Lobbying konzentrieren sich noch immer auf klimaschädliche Braunkohle-Kraftwerke“, kritisiert Bals.

Bei Henkel und Volkswagen ist der Jubel groß. Beide rutschten 2005 aus dem Weltindex. Volkswagen wollte „alles tun, um wieder hineinzukommen“. Henkel, damals Opfer einer neuen Brancheneinteilung, überholt jetzt Verbrauchsgüterkonzern Procter & Gamble und wird Branchenleader. „Dabei ist entscheidend, dass wir entlang der gesamten Wertschöpfungsketten verantwortlich handeln“, sagt Wolfgang Gawrisch, Forschungsleiter und Vorsitzender des Nachhaltigkeitsgremiums. Umweltverbände teilen die Einschätzung und begrüßen die Notierung.

Der DJSI gilt bei nachhaltigen Investments als weltweit führendes Kursbarometer. Die Revision beeinflusst Entscheidungen von Vermögensverwaltern in 15 Ländern, die auf Basis der Indexfamilie 4 Mrd. Euro verwalten. Im Weltindex sind 327 Titel, im Europaindex 157 Titel. Hierbei zeigen sich internationale Trends. „Eine zunehmende Zahl von Unternehmen betrachtet die Aufnahme in den DJSI als Unternehmensziel und wichtiges Signal für Investoren“, berichtet Barkawi.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zwei deutsche Branchenführer im Weltindex

Der Wettbewerb darum nimmt zu, die Firmen selbst legen die Messlatte höher. Indizes passen die Kriterien daran an. „Unternehmen richten sich zunehmend auf materielle Nachhaltigkeitsfaktoren aus sowie deren Anbindung an finanzielle Indikatoren“, sagt Barkawi. „Vermehrt sehen sich auch jene Sektoren den Risiken und Chancen von Klimawandel und Klimaschutz ausgesetzt, deren Aktivitäten, wie die der Banken, indirekte Auswirkungen darauf haben.“

Noch stets bestehe aber eine große Diskrepanz zwischen dem Erkennen der Bedeutung von Nachhaltigkeit und dem Risikomanagement. Aber immer mehr Firmen nutzen die Analysen, um Lücken bei Nachhaltigkeitsleistungen zu identifizieren und ihre Leistungen mit denen der Wettbewerber zu vergleichen. Die niederländische TNT Group, Branchenleiter im Logistikbereich, veröffentlicht gar die SAM-Bewertung und das Benchmarking.

Wie schon im Vorjahr hat Deutschland mit Allianz und BMW im Weltindex zwei Branchenführer. Umweltschützer wundern sich, dass BMW erneut Sector Leader und trotz der hohen durchschnittlichen Verbräuche beziehungsweise Emissionen seiner Fahrzeuge ist. Der Verbrauch ist aber nur eines von mehreren Kriterien für Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsleistungen. BMW liege im Bereich „Low Carbon Strategies“ über dem Industriedurchschnitt, jedoch unter dem Wert des Unternehmens, das für dieses Kriterium am besten abschneide, erläutert Barkawi von SAM Indexes: „Gleichzeitig aber nimmt BMW in anderen Bereichen eine klare Vorreiterrolle ein, so dass das Gesamtergebnis das Unternehmen an die Spitze seiner Branche stellt.“

Deutschland stellt im Weltindex 22 Firmen, Japan 36 Unternehmen und Großbritannien fast 70. Die einst aufgrund ihrer offensiven Ökostrategie bejubelte BP wird, wie kaum anders zu erwarten gewesen war, nicht mehr notiert. Dem Ölkonzern halfen Investitionen in Solarenergie und Saubermann-Image nicht, da der gnadenlose Sparkurs im Kerngeschäft zu großen Fehler und katastrophalen Ergebnissen führte: Verrostete Ölleitungen in Alaska verursachten Umweltschäden und Produktionsausfälle und der Konzernschefs trat zu Jahresbeginn zurück.


Anlage-Tipps

Kriterien: Der Wettbewerb um ein gutes Abschneiden bei Nachhaltigkeitsratings nimmt zu. Die Kriterien werden darum immer strenger. Aber weil der DJSI die zehn Prozent besten Großkonzern aller Branchen aus dem Dow Jones notiert und keine Ausschlusskriterien hat, sind auch Unternehmen enthalten, die von Umweltschützern kritisiert werden.

Messlatte: Anleger, die eine strengere Auswahl wünschen oder nicht in bestimmte Branchen investieren wollen, können sich an Indizes mit Ausschlusskriterien orientieren, wie dem britischen FTSE4Good oder dem noch strengeren Naturaktienindex (NAI). Bei ihnen ist zu beachten, dass das Anlageuniversum kleiner ist.

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