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07.10.2007 
Alternative Solartechnik

Effizient, aber teuer

von Christian Parth

Zahlenmäßig ist der Wettstreit der Solar-Systeme in Deutschland längst entschieden. 90 Prozent aller sonnenversorgten Haushalte benutzen Flachkollektoren, nur zehn Prozent haben sich Vakuumröhren auf das Dach montiert. Doch in Sachen Effizienz haben die einen entscheidenden Vorteil.

KÖLN. Der Grund für die Entwicklung ist simpel: „Flachkollektoren sind deutlich günstiger“, sagt Gerhard Stryi-Hipp, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Vakuumröhren seien zwar leistungsfähiger, aber je nach Qualität auch doppelt so teuer. Ihr Mehrertrag liegt im Vergleich zum Flachkollektor nur bei rund 20 Prozent. Ergebnis: „Rein rechnerisch kann das Plus an Energie den höheren Preis derzeit nicht ausgleichen“, sagt Stryi-Hipp.

Wilfried Zörner von der Fachhochschule Ingolstadt geht sogar noch weiter. „Es gibt derzeit keinen einzigen Grund, sich Vakuumröhren anzuschaffen.“ Seine Erkenntnis basiert auf einem Versuch, den er vor rund zwei Jahren auf einem Zweifamilienhaus in Bayern gestartet hat. Auf dem Dach des Hauses haben Ingenieure beide Systeme parallel installiert. „Wir wollten in einem normalen Praxistest erfahren, welches der Systeme das effizientere ist.“

Das Ergebnis überraschte selbst den Experten: Die für gewöhnlich leistungsstärkeren Vakuumröhren konnten ihrem Ruf nicht gerecht werden. Die prozentuale Abdeckung des Wärmebedarfs für Heizung und Warmwasser war bei beiden Systemen ähnlich. Er lag im Oktober bei 30, im November immerhin noch bei 15 Prozent.

Der Versuch der Ingolstädter Ingenieure führte in der Branche zu verschnupfter Stimmung. Die Hersteller der Vakuumröhren zweifelten die Ergebnisse an, Zörner wurde gar beschimpft. Der Experte konterte mit Argumenten. Ein großes Problem sei eben, dass sämtliche Systeme meist nur im Labor getestet würden. Der Neigungswinkel der Dächer beträgt dort zum Beispiel immer ideale 45 Grad, zudem sind sie genau gen Süden ausgerichtet. Die Wirklichkeit sehe aber deutlich anders aus. Gerade in Alpennähe und den Mittelgebirgen, wo die Winter schneereich und die Nächte Reif bringen, sei von Vakuumröhren dringend abzuraten, sagt Zörner. Denn hier verfängt sich auch noch Schnee in den Vakuumröhren wie in einem Gitter und kann nicht so leicht abrutschen wie von einem Flachkollektor.

Bildet sich Reif, werden Vakuumröhren obendrein Opfer ihrer eigenen Leistungsfähigkeit. Da sie Hitze nur aufnehmen, aber aufgrund der hervorragenden Isolation nicht abgeben, braucht es wesentlich länger, bis das vereiste Wasser schmilzt und die Röhre voll leistungsfähig ist. „Und was nützt ein Mercedes auf dem Dach, wenn er fährt wie ein Trabant“, sagt Zörner.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Flächenmäßig ist die Röhre im Vorteil.

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