Obwohl wichtige Rohstoffe wie Öl, Metalle oder Wasser immer knapper und teurer werden, lässt die Wirtschaft enorme Möglichkeiten zur Ressourceneinsparung und Kostensenkung ungenutzt. Unternehmen unterschätzen ihre Umweltkosten in der Regel stark, die Praxis zeigt das Einsparpotenzial.
DÜSSELDORF. "Zwei bis fünf Prozent der unternehmerischen Gesamtkosten lassen sich durch gezieltes Umweltmanagement vermeiden - vor allem in den Bereichen Energie, Wasser, Abwasser, Rohstoffe", sagt Maximilian Gege. Er ist Vorsitzender des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M.), der Effizienzprogramme bei zahllosen kleinen Unternehmen, Mittelständlern und Konzernen begleitet hat.
Bei manchen Firmen sinken die Betriebskosten sogar um acht Prozent und die Materialdurchsatzkosten um 20 Prozent, berichtet die Effizienzagentur NRW (EFA) aus langjährigen Erfahrungen mit hunderten Betrieben verschiedener Branchen. Ihr neuestes Beratungsangebot ist ein "Ökoeffizienz-Check" für das Handwerk, der in fünf Tagen die betrieblichen Prozesse unter die Lupe nimmt und Ressourceneffizienz steigernde Maßnahmen erarbeitet. Dabei trägt die EFA 70 Prozent der Kosten, der Betrieb den Rest.
"Eine höhere Ressourceneffizienz könnte Deutschland volkswirtschaftlich 97 bis 200 Mrd. Euro jährlich einsparen, allein im produzierenden Gewerbe bis zu 83 Mrd. Euro. Euro ", berechnete Gege. Das könne die Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen stärken und ihre starke Abhängigkeit von Rohstoffimporten, insbesondere Erdöl, aus oft unsicheren Ländern senken.
"Aber nur knapp ein Prozent deutscher Unternehmen haben Umweltmanagementansätze", resümiert Walter Kahlenborn von Adelphi Research eine für das Bundesumweltministerium realisierte Studie. Warum aber nutzt nur ein Bruchteil der Betriebe die Möglichkeiten zur Energie-, Ressourcen- und Kosteneinsparung?
Wissens-Test: Wer sind die größten Energiefresser im Haus?
Unternehmen unterschätzen die Umweltkosten. "Die meist nur an Entsorgungskosten orientierten ‚Umweltkosten' und die umweltorientierte Analyse der Geschäftsprozesse geben nicht annähernd die tatsächlichen Kosten wieder", kritisiert Jakob Bauer, Vorsitzender des Verbandes der Betriebsbeauftragten für Umweltschutz. "Berücksichtigt man Material-, Verarbeitungs-, Energie- Prüf-, Lager-, Transport- und Personalkosten sind die Umweltkosten zehn bis 40 Mal höher."
Sinnvoller sei die "Ressourcenkostenrechnung", die die indirekten Umweltkosten berücksichtige, Potentiale zur Energie- und Ressourceneinsparung ermittle und wirtschaftliche Praxislösungen für ein besseres Umweltmanagement ermögliche, erläutert Bauer. Seit kurzem bietet der Verband eintägige Weiterbildungslehrgänge dazu an. Ein neuer Leitfaden des Zentralverbandes der Elektrotechnischen Industrie (ZEI) und des VBU hilft Unternehmen, für sich den Nutzen betrieblicher Systeme für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit zu ermitteln.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie Energie- und Ressourceneffizienz in der Praxis aussieht
Wie sieht Energie- und Ressourceneffizienz in der Praxis aus? Beim Programm "Ökoprofit", das eine kostenpflichtige einjährige Beratung durch B.A.U.M. Consult beinhaltet, erzielten zum Beispiel 60 Hamburger Unternehmen jährliche Einsparungen von 4 Mill. Euro. "Das sind je nach Betriebsgröße 4000 bis 260 000 Euro jährlich - leicht verdientes Geld", sagt Gege. Drei Viertel der Maßnahmen kosteten nichts oder die Investitionen amortisierten sich nach nur einem Jahr.
Die Hamburger Hexion Specialty Chemicals GmbH zum Beispiel hat durch acht unterschiedliche Maßnahmen allein im Jahr 2004 jährliche Kosteneinsparungen von 45 000 Euro erzielt. "Die Gesamtinvestitionen lagen bei 100 000 Euro und haben sich überwiegend bereits amortisiert", berichtet Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanager Ingo Birner. "Die Betriebskosten vor Löhnen sanken dadurch um drei Prozent." Allein kürzere Lieferwege durch den Wechsel des Entsorgers und eine stoffliche Verwertung von Abfall erbrachten laut eigenen Angaben fast Hälfte der Einsparung - ohne einen Cent zu investieren.
Dies gelang dem auf die Herstellung von Kunstharzen, Tinten und Monomeren (Kunststoff-Rohstoffe) spezialisierte Chemiekonzern, obschon er kein Anfänger war. Seit 1990 realisiert er kontinuierlich verschiedenste Umweltschutzmaßnahmen, und immer wieder stößt er auf weitere Einsparpotentiale und nutzt sie. Durch das 2004er-Paket spart er insgesamt 178 000 kWh an Energie oder 15 670 Kubikmeter Gas und senkte dadurch seine klimaschädlichen CO2-Emissionen um 37 Tonnen, wie Birner resümiert. Zusätzlich spart das Unternehmen zehn Tonnen Rohstoffe und Abfälle sowie 500 Kubikmeter Wasser.
Grafiken: Daten zum weltweiten Energieverbrauch und dem Einsatz erneuerbarer Energien
Beispielsweise ergab der Neubau eines Kühlturms für 60 000 Euro jährliche Einsparungen von 10 000 Euro; die Investition amortisiert sich nach vier Jahren. Zudem wird durch niedrigere Kühlwassertemperaturen zwei Prozent an Lösemitteln und Rohstoffen eingespart und 500 Kubikmeter Wasser. Ein neuer Heizkessel mit verbessertem Wirkungsgrad und moduliertem Laufverhalten, das durch stufenloses Hinunter- und Hochschalten auch Energie spart, kostete 20 000 Euro und senkte die Betriebskosten um jährlich 4000 Euro.
Der Einsatz von Kreislaufxylol, einem Lösemittel zur Entwässerung, aus der Prozesswasseraufbereitungsanlage bringt jährlich 5000 Euro. Überdies muss durch die Einrichtung eines Klimaraumes nun nicht mehr der gesamte Laborbereich bei einer Luftfeucht von 50 Prozent gehalten werden, was Strom und Geld spart. Zudem wird die Abwärme der Produktion für die Verwaltung genutzt. Deren Heizung wurde von Öl auf Gas umgestellt.
Dabei blieb das norddeutsche Unternehmen nicht stehen. Vergangenes Jahr wurde für 3000 Euro die Dachfläche zur Gewinnung von Regenwasser ausgeweitet, das wahlweise zur Auffüllung des Kühlsystems oder zur Dampfgewinnung dient und jährlich 2000 Euro einspart. Ein Entgaser für die Dampfkessel-Wasseraufbereitung, der den Sauerstoff physikalisch entfernt und so der Korrosion vorbeugt, kostete 4000 Euro und bringt jährliche Einsparungen von 2000 Euro. Zum Schutz der Umwelt hat der Hersteller überdies in Zusammenarbeit mit Kunden auf aromatenfreie Lösemittel umgestellt und nutzt nun nachwachsende Rohstoffe, die bei der Biodieselherstellung als Abfälle anfallen.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Fazit
"Die meisten Maßnahmen rechnen sich nach zwei bis drei Jahren. Leider ist es in der Wirtschaft heutzutage oft so, dass Projekte zurückgestellt werden, die sich nicht binnen Jahresfrist rechnen", meint Birner. Das erfuhr Hexion vergangenes Jahr selbst, denn für das jüngste Projekt gab es vom Mutterkonzern kein Geld.
In diesen Wochen soll aber die Entscheidung zugunsten des neuen Energiesparprojekt fallen. Die Hamburger wollen einen Energiepass für ihre recht alten Gebäude, um den Wärmeverlust von Dachflächen, Fenstern, Wänden und Klimaanlagen zu ermitteln, und anschließend wollen sie den hohen Klimatisierungs- und Heizaufwand durch Dämmung senken. "Die Investitionen hätte man in kurzer Zeit raus", sagt Birner, der die Idee dieses Jahr realisieren will. "Das Einsparpotential ist bei vielen Betrieben hoch, es gilt dranzubleiben." Der Erfahrungsaustausch mit anderen Firmen im Ökoprofit-Klub sei dafür sehr nützlich.
Strom-Tarife im Vergleich
Gas-Tarife im Überblick
Auch im Süden der Republik ist das Potenzial groß. Praktische Ökoprofit-Beispiele aus Bayern sehen so aus: Mit einmalig 50 Euro sanken die Ausgaben der Vereinsbank Victoria Bauspar AG pro Jahr um 1450 Euro, weil sie die Betriebszeiten der Warmwasserboiler verringerte. Neuere Energietechnik für 2250 Euro bringt dem Posthotel Hofherr jährlich 3600 Euro. Das Deutsche Herzzentrum in München investierte nur 5000 Euro in eine bedarfsgerechte Steuerung der Klima- und Lüftungsanlage, um per anno 50000 Euro einzusparen. Noch größer sind laut Experten die Einsparungen, wenn man ein Umweltmanagementsystem nach der EU-Norm EMAS oder nach ISO14001 einrichtet und dadurch systematisch Potentialen zur Ressourceneffizienz auf die Schliche kommt.
Fazit
- In Betrieben aller Branchen gibt es ständig Potentiale zur Einsparung von Ressourcen und Geld: beim Produktdesign, in der Zuliefererkette, im Betriebsprozess, beim Vertrieb und mit Kunden.
- Der finanzielle Aufwand ist meist viel geringer, als Unternehmen gemeinhin denken. Schon kleine, kostenlose Maßnahmen können eine große Wirkung erzielen.
- Es lohnt sich, die tatsächlichen Umweltkosten zu berechnen, Expertenrat einzuholen und die sondierten Maßnahmen zügig umzusetzen.

