Weltweit setzten bereits rund 500 Architekten Braungarts Ideen um. International genießt der Wissenschaftler, der eine Professur für Verfahrenstechnik an der Universität Lüneburg hält, ein hohes Renommee. US-Regisseur Steven Spielberg dreht derzeit eine Dokumentation über ihn. In seiner Heimat aber gilt er immer noch als Rufer in der Wüste. „In Deutschland ist Umwelt ist Moralthema“, sagt Braungart. „Bei Cradle to Cradle geht es aber nicht um Ethik, sondern um Innovation und Produktqualität.“ Das werde vielfach nicht begriffen.
Das Konzept der Nachhaltigkeit lehnt Braungart ab, da Öko-Effizienz für sich kein Wert sei. Konventionelle Produkte ließen sich aufgrund der enthaltenen schädlichen Stoffe meist nur unter Materialverlust recyceln und selbst in modernsten Mülldeponien nicht gefahrlos verbrennen. „Wir haben die falschen Dinge perfektioniert“, kritisiert der Wissenschaftler.
Die weitere Entwicklung von Cradle to Cradle-Produkten forciert EPEA durch eine Kooperation mit Material Connexion. In der weltweit größten Materialdatenbank können Designer geeignete Öko-Materialien recherchieren. Inspiration bietet auch die internationale Fachmesse Nutec, die im November erstmals auf dem Frankfurter Messegelände stattfindet. Bleibt abzuwarten, was Öko-Prophet Braungart danach im eigenen Land gilt.

