Die Kohlendioxid-Bilanzen vieler Unternehmen weisen noch erhebliche Lücken auf. Denn die meisten Konzerne nehmen nicht ihre gesamte Beschaffungskette unter die Lupe - noch klammern die Konzerne ihre Zulieferer in der CO2-Bilanz weitgehend aus.
BERLIN. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Investorengruppe Carbon Disclosure Project (CDP), die nach eigenen Angaben Institutionen mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 57 Bill. Dollar vertritt.
Nur ein Viertel der Zulieferer hat demnach Ziele zur Emissionssenkung, und nur zwölf Prozent ermitteln ihre indirekten Emissionen. Doch obwohl fast alle 144 Lieferanten aus 22 Segmenten, die auf die Befragung des CDP antworteten, Klimagasregulierungen als Risiko betrachten, messen nur gut die Hälfte ihre eigenen Emissionen.
Das CDP will dies nun ändern und wendet sich seit diesem Monat in einer groß angelegten Kampagne an mehr als 1 000 Zulieferer und deren Großabnehmer. "Ziel ist, mittelfristig Tausende von Zulieferern einzubinden sowie Konzernen und ihren Lieferanten zu helfen, eine Strategie zur Messung und Verringerung ihres gesamten CO2-Ausstoßes zu entwickeln", erläuterte CDP-Vorstandschef Paul Dickinson. An der sogenannten Supply Chain Leadership Collaboration (SCLC) nehmen zahlreiche internationale Einzelhandelsriesen wie Cadbury Schweppes, L'Oreal, Nestlé, Pepsico und Procter & Gamble teil, aber auch Technikkonzerne wie Hewlett-Packard, IBM und Vodafone.
Die Firmen reagieren damit auch auf wachsenden Druck von Umweltorganisationen. So streben andere Initiativen mittelfristig ein CO2-Label für Produkte an, um Verbrauchern Entscheidungshilfen zu geben. Hierfür ist aber eine international einheitliche Erfassungsmethode nötig. Seit Mitte April tragen dazu die Umweltorganisation WWF, das unabhängige Öko-Institut in Freiburg und das Potsdam für Klimafolgenforschung-Institut bei: Ihr "Product Carbon Footprint Pilotprojekt Deutschland" ermittelt die CO2-Bilanzen ausgewählter Produkte deutscher Unternehmen verschiedener Branchen.
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Deutsche Telekom, die Drogeriemarktkette DM, Frosta, Henkel, Tetra Pak und Tchibo machen mit. Im Test sind Toilettenpapier, Duschgel, Waschmittel, Verpackungsklebstoff, tiefgekühlte Wildlachs-Tagliatelle, Ökokaffee, Getränkekartons sowie Hardware und Netzlösung für ein Telekom-Produkt. Die Firmen könnten Emissions- und Kostenminderungspotenziale erschließen und die Vermarktung klimabewusster Produkte erproben, heißt es. In Großbritannien haben 15 Unternehmen eine solche Analyse bereits abgeschlossen und werben inzwischen offensiv mit den danach erfolgten Emissionsreduzierungen.
In Deutschland gehen vor allem drei Konzerne bei der Ermittlung ihrer gesamten Emissionen voran. Der Chemiekonzern BASF
legte im Frühjahr als erstes Unternehmen der Welt eine umfassende CO2-Bilanz vor. In diese wurden sowohl die Emissionen bei der Versorgung mit Rohstoffen und Vorprodukten einbezogen als auch emissionsmindernde Effekte von BASF
-Produkten wie Dämmstoffen. Insgesamt können mit Produkten des Konzerns laut BASF
dreimal mehr Treibhausgas-Emissionen vermieden werden, als bei der Herstellung anfallen.
Außer BASF
gehen auch der Versicherungskonzern Allianz
und die Deutsche Telekom in eine ähnliche Richtung. So kooperiert die Allianz
seit 2007 mit dem WWF, um binnen drei Jahren eine Messmethode für den CO2-Ausgleichsbedarf von Versicherungen, Krediten und Anlageprodukten zu finden. Dann soll das Portfolio des Konzerns daran ausgerichtet werden. Eine echte Herausforderung, die anzugehen einen Wettbewerbsfaktor darstellt, wie Allianz
-Vorstand Joachim Faber dem Handelsblatt sagte.
Auch die Deutsche Telekom arbeitet an einer CO2-Bilanz. Das Unternehmen, das für 0,5 Prozent des deutschen Stromverbrauchs verantwortlich ist, rechnet sich schon seit Mitte der 90er-Jahre die bei der Erzeugung des von ihr benötigten Stroms entstehenden Treibhausgasemissionen an.
