Auch der Blick auf die Vermögensstruktur beruhigt. In neun von zehn Fällen wird die so genannte goldene Finanzierungsregel erfüllt. Nach dieser Regel sind langfristige Vermögenswerte jeweils mit Mitteln zu finanzieren, die dem Unternehmen mindestens genauso lange zur Verfügung stehen. „Eine durchschnittliche Quote von 74 Prozent des langfristigen Vermögens zum Eigenkapital spricht für eine solide Unternehmensfinanzierung“, resümiert Kleeberg-Geschäftsführer Karl Petersen.
Die wesentlichen Vermögenswerte sind zudem Sachanlagen. Befürchtungen, dass die ÖkoDax-Unternehmen wesentliche Investitionen im Bereich der immateriellen Werte vorgenommen haben oder Firmenwerte aus Übernahmen das Bilanzbild prägen, sind unbegründet. Das war bei etlichen TV- oder Kinoproduktionsfirmen vom Neuen Markt ganz anders. Damals entpuppte sich manch teure Filmlizenz als Luftbuchung.
Allerdings sind die operativen Umsatzmargen bei einigen ÖkoDax-Mitgliedern extrem niedrig. So verblieb beim Berliner Solarmodulhersteller Solon 2006 nach Abzug der Aufwendungen für Material, Personal und Abschreibungen vom Umsatz nur eine Marge von 1,49 Prozent, bei Nordex waren es 2,4 Prozent. Das bedeutet: Schon eine leichte Verteuerung der Zulieferungen oder ein geringer Preisrutsch können die Unternehmen in die roten Zahlen drücken.
Beispiel Verbio: Für den ostdeutschen Hersteller von Biokraftstoffen kam es in diesem Jahr knüppeldick. Erst führte der Gesetzgeber völlig überraschend im Januar eine Steuer von neun Cent pro Liter auf Biodiesel ein, parallel schossen die Preise für wichtige Rohstoffe in die Höhe. Der Kraftstoffabsatz brach zusammen, der Aktienkurs auch. Im September fiel Verbio aus dem ÖkoDax. Auch den Solar-Unternehmen droht Ungemach. Im Zuge der Novellierung des Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) denkt der Bundesumweltminister laut über eine deutliche Senkung der Einspeisevergütung für Strom aus Sonnenlicht nach.
Für Anleger, die im Bereich der erneuerbaren Energien investieren wollen, sind deshalb insbesondere zukunftsorientierte Informationen wichtig. „Denn durch eine offene und in sich schlüssige Berichterstattung schaffen die Unternehmen Vertrauen bei den Investoren und Sicherheit am Kapitalmarkt“, sagt Carsten Rossi, Vorstandschef von Kuhn, Kammann & Kuhn. Gerade die noch recht kurze Kapitalmarkthistorie stelle die zehn ÖkoDax-Mitglieder hier vor große Anforderungen: etwa bei der Darstellung des eigenen Geschäftsmodels, aber auch bei der Kommunikation von möglichen Risiken in der Zukunft.
