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05.10.2007 

Um zukunftssicher zu wirtschaften, fordert der Wissenschaftler Friedrich Schmidt-Bleek seit Jahren eine Verringerung des Ressourcenverbrauches um den Faktor zehn bis Mitte des Jahrhunderts. Die Bauwirtschaft könnte einen großen Teil dazu beitragen.

Doch noch hat man den Eindruck, dass sie sich kaum darum schert. Planer, Architekten, Bauherren, Baufirmen und Gesetzgeber stehen hier vor einer großen Herausforderung. Meist aber schrecken sie vor innovativen Bau- und Energietechniken zurück, denn sie fürchten höhere Baukosten - und lassen die Folgekosten außer Acht. Experten halten das für kurzsichtig, denn: „Zehn Prozent niedrigere Betriebskosten über 30 Jahre rechtfertigen sogar um bis zu 25 Prozent höhere Baukosten!“, betont Alois Flatz, Berater für nachhaltige Investments.

Ökobauten können aber sogar kostenneutral oder preiswerter als konventionelle Gebäude erstellt werden. Das zeigt zum Beispiel das weltgrößte Passivbürohaus namens lu-teco in Ludwigshafen. „Es ist verbraucht keine fossile Energie, belastet die Umwelt nicht und ist wegen seiner ökonomischen Optimierung nicht teurer als die konventionelle Bauweise“, sagt Architekt Walter Braun, der das Projekt entwickelte. Das Gebäude wurde 2006 fertig gestellt.

Je nach Technik können Ökobauten auch 5 – 10 Prozent mehr kosten als konventionelle Gebäude. „Doch weil bei Industrie- und Bürobauten die Folgekosten bereits nach zehn bis zwölf Jahren die Baukosten überschritten, lohnten sich Investitionen in nachhaltige Immobilien schon mittelfristig, bestätigt Sabrina Vonach, Strategieverantwortliche der österreichischen Rhomberg Bau AG.

Entscheidend ist, bei der Planung anzusetzen. „Hier werden 80 Prozent der Gesamtkosten fixiert – durch frühe Optimierung sind höhere Mieteinnahmen und Renditen möglich“, sagt Vonach. „Gebäude mit niedrigen Nebenkosten erlauben höhere Kaltmieten“, ergänzt Markus Graf, Leiter Immobilien Asset Management Schweiz der Credit Suisse Asset Management. Zunehmend investieren deren Immobilienfonds in Neubauten nach dem Schweizer „Minergie“-Standard, darunter reine Geschäftshäuser wie das ‚Leonardo’ in Zürich.

"Werden Gebäude bereits vom ersten Planungsgedanken nachhaltig konzipiert, so sind die dafür notwendigen Investitionen nur geringfügig höher“, berichtet Primo Bianchi, Leiter Bau des Rückversicherers Swiss Re. „Dabei verfolgen wir eine Doppelstrategie: unmittelbare Wettbewerbsvorteile sowie einen besseren Werterhalt über dem Lebenszyklus. Wir erreichen dadurch für unsere Kunden eine höhere Lebensqualität zu tiefen Nebenkosten und das führt für uns zu einer besseren Vermietbarkeit, zu tieferen Leerständen, zu sinkenden Unterhaltskosten und somit letztlich zu besseren Nettorenditen." Die Swiss Re achtet bei allen Neuinvestitionen auf ökologisch und gesundheitlich bedenkenlose Materialien, schonenden Ressourceneinsatz, minimalen Energieverbrauch, behinderten- und altengerechte Gestaltung sowie viel frische Luft und Licht sowie naturnahe Gärten.

„Nachhaltige Kriterien spielen bei all unseren Immobilienprojekten, bei selbst genutzten als auch bei Kapitalanlagen, eine sehr wichtige Rolle“, sagt auch Hubert Garzorz, Leiter Entwicklung Immobilien der Meag, dem Vermögensverwalter der Münchener Rück. Energie- und Kostenreduzierung werde in den nächsten fünf bis zehn Jahren zum Wettbewerbsfaktor. Denn die Nebenkosten für fenstergelüftete Gebäude betrügen nur 2,50 Euro pro Quadratmeter, die für vollklimatisierte bis zu sechs Euro. Diese Erwägungen spielten auch bei dem Meag-Projekt ‚Upper East Side’ in Berlin eine Rolle, einem Gebäude an der Friedrichstraße im Herzen der Stadt mit einer Bruttogeschossfläche von 40000 Quadratmeter für Einzelhandel, Büros und Wohnungen, dessen Grundstein im September 2007 gelegt wurde. Die Nebenkosten werden laut Garzorz pro Quadratmeter Nettogrundfläche 2,70 Euro betragen, weil viel in Wärmedämmung investiert und unter anderem eine Kühldecke installiert wird, die die Mieter abschalten können, wenn ihnen die Nebenkosten noch zu hoch sind.

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