Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen werden Analysten und Investoren künftig mehr Qualität und Klarheit bieten und Firmenvergleiche erleichtern. Dafür sollen die neuen internationalen Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) sorgen. Teils vereinfachen sie die Berichterstattung über wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte, teils fordern sie von Unternehmen mehr Informationen.
Unternehmen wollen ein gutes Image haben und immer mehr veröffentlichen darum Nachhaltigkeitsberichte. Deren Flut ist geprägt von zahlreichen guten Taten. Aber die haben meist nichts mit dem Kerngeschäft zu tun und Leistungen sind mit denen anderer Firmen nicht vergleichbar. Doch Berichte ohne strategischen Inhalt und anerkannte Kennziffern sind pure PR, der Glaubwürdigkeit fehlt. Das erkennen immer mehr Unternehmen und orientieren sich darum an den internationalen Leitlinien der vor zehn Jahren gegründeten Global Reporting Initiative (GRI). Leitlinien für Nachhaltigkeitsberichte, die Abhilfe vom Wust hausgemacht Kriterienkatalogen schaffen sollen.
Die ‚GRI Guidelines’ wurden gemeinsam von hunderten Firmen, Ratingagenturen, Investoren, Wirtschaftsprüfern, Gewerkschaften, Wissenschaftlern und Nicht-Regierungsorganisationen entwickelt und haben sich daher international als Standard der nachhaltigen Berichterstattung etabliert. Seit Oktober 2006 gibt es die dritte Generation, die inzwischen auch in deutscher Sprache erhältlich ist.
Weltweit nutzen rund 1 100 Unternehmen, Verbände und Organisationen aus fast 70 Ländern die Vorgaben. In Deutschland orientieren sich 48 Börsenfirmen und GmbHs daran, meist fast vollständig. Komplett nach GRI berichten Axel Springer Verlag, BMW, Daimler-Chrysler, E.on. Otto, Puma und WestLB.
BMW und Puma verpflichten Zulieferer, auf Kinderarbeit zu verzichten und hohe Umweltstandards einzuhalten. Axel Springer engagiert sich mit den skandinavischen Papierherstellern UPM und Stora Enzo sowie Nichtregierungsorganisationen für eine nachhaltige, mit dem internationalen Label „FSC“ zertifizierte Waldbewirtschaftung in Russland. Es wird eine lückenlose Kontrolle der Wertschöpfungskette vom Wald bis zum Papier auch zu Arbeitsunfällen und Korruption aufgebaut.
Dass auch kleine Betriebe und Mittelständler eine Berichterstattung nach GRI leisten können, zeigt unter anderem die österreichische Toni’s Handels GmbH. „Unsere Vision ist, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung selbstverständlicher Standard wird und eine Vergleichbarkeit wie die Finanzberichterstattung erreicht“, sagt GRI-Geschäftsführer Ralph Thurm. Inzwischen halten sich nach einer aktuellen GRI-Recherche bereits 43 der hundert Top-Marken der Welt an GRI, darunter die Top-5: Coca-Cola, Microsoft, IBM, General Electric und Nokia.
Die Bedeutung des Reportings dient inzwischen aber nicht mehr nur der Transparenz, sondern wird von vielen Firmen als ein Treiber für nachhaltiges Wirtschaften erlebt. Nachhaltigkeitsberichte ohne sinnvolle Nachhaltigkeitsstrategie und –management haben keine Aussagekraft, so die Erfahrung von Managern. Die aktuellen GRI-Leitlinien der dritten Generation „G3“ verlangen daher nicht das Abarbeiten von Indikatoren, sondern eine strategische Ausrichtung. Unternehmen sollen künftig erst klären, welche Aspekte für Interessengruppen wie Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer und Gesellschaft „relevant“ sind. Dann sollen sie – für Außenstehende transparent – entscheiden, welche davon für das Firmengeschäft „wesentlich“ sind. Diesen sollen sie sich ausführlich widmen. Mit managementbezogenen qualitativen Aussagen und einem Datenteil mit mehrjährigen Trends und Erläuterungen. Neu ist die Trennung zwischen „harten“ und „weichen“ Aussagen.
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Außerdem gelten nun drei Stufen, um deutlicher zu machen, welche Unternehmen sich ganz oder nur teilweise an GRI halten und welche Berichte extern geprüft wurden, erläutert Thurm. Die externe Prüfung bleibt freiwillig, wird aber von Experten aus zwei Gründen empfohlen.
„Die Prüfung von Berichten ist vor allem von internem Nutzen, indem sie Schwachstellen im Managementsystem aufdeckt und diese dem Vorstand berichtet“, sagt Markus Nöthinger, Direktor von PricewaterhouseCoopers in Zürich. Zudem sei sie ein klares Bekenntnis nach außen, dass extra-finanzielle Aspekte dem Unternehmen und für Investoren wichtig seien. „Nur wenn Berichte geprüft und somit glaubwürdiger sind, nimmt die Finanzbranche sie ernst.“ Andernfalls hätten sie den Beigeschmack von Marketing.
Ein G3-Report strukturiere die Informationen besser, reiche aber noch nicht aus, meint Nöthiger. „Unternehmen müssen überdies konkret zeigen, wie Nachhaltigkeit strategisch dazu beiträgt, mehr Gewinn und Umsatz zu machen oder Kosten und Risiken zu senken - das wollen Investoren wissen.“
Doch viele Unternehmen betrachten schon die Leitlinien als Bürde. „Wer GRI aber konstruktiv nutzt, profitiert davon. Er trainiert die Fähigkeit des Unternehmens, Stakeholderfragen zu beachten, die eigene Unternehmensführung zu überprüfen, die interne Kommunikation zu verbessern und Leistungen vergleichbar darzustellen“, berichtet Florian Nehm, Nachhaltigkeitsmanager des Axel Springer Verlages, der seine Berichte prüfen lässt. GRI biete eine riesige Dienstleistung, weil sie Stakeholderfragen bündle, verdichte und international abstimme. In die neuen Leitlinien flossen während mehrerer Jahre Anregungen tausender Interessengruppen ein. G3 verlange von Unternehmen deutlich mehr Analyse- und Interpretationskompetenz, sagt Rehm.
„Der Bericht als strategisches Managementelement sowie das durch GRI mögliche Benchmarking führt zu mehr Selbsterkenntnis über eigene Stärken und Schwächen und oft zu neuen Zielen und Verbesserungsmaßnahmen“, berichtet Sabine Braun, Geschäftsführerin der akzente Kommunikationsberatung, aus ihrer Arbeit mit Unternehmen wie Volkswagen, RWE, Robert Bosch und Bosch Siemens Hausgeräte. Probleme im sozialen Bereich oder in der Lieferkette seien oft nur ins Blickfeld gerückt, weil Firmen ihre Berichte an GRI orientierten.
