Außerdem gelten nun drei Stufen, um deutlicher zu machen, welche Unternehmen sich ganz oder nur teilweise an GRI halten und welche Berichte extern geprüft wurden, erläutert Thurm. Die externe Prüfung bleibt freiwillig, wird aber von Experten aus zwei Gründen empfohlen.
„Die Prüfung von Berichten ist vor allem von internem Nutzen, indem sie Schwachstellen im Managementsystem aufdeckt und diese dem Vorstand berichtet“, sagt Markus Nöthinger, Direktor von PricewaterhouseCoopers in Zürich. Zudem sei sie ein klares Bekenntnis nach außen, dass extra-finanzielle Aspekte dem Unternehmen und für Investoren wichtig seien. „Nur wenn Berichte geprüft und somit glaubwürdiger sind, nimmt die Finanzbranche sie ernst.“ Andernfalls hätten sie den Beigeschmack von Marketing.
Ein G3-Report strukturiere die Informationen besser, reiche aber noch nicht aus, meint Nöthiger. „Unternehmen müssen überdies konkret zeigen, wie Nachhaltigkeit strategisch dazu beiträgt, mehr Gewinn und Umsatz zu machen oder Kosten und Risiken zu senken - das wollen Investoren wissen.“
Doch viele Unternehmen betrachten schon die Leitlinien als Bürde. „Wer GRI aber konstruktiv nutzt, profitiert davon. Er trainiert die Fähigkeit des Unternehmens, Stakeholderfragen zu beachten, die eigene Unternehmensführung zu überprüfen, die interne Kommunikation zu verbessern und Leistungen vergleichbar darzustellen“, berichtet Florian Nehm, Nachhaltigkeitsmanager des Axel Springer Verlages, der seine Berichte prüfen lässt. GRI biete eine riesige Dienstleistung, weil sie Stakeholderfragen bündle, verdichte und international abstimme. In die neuen Leitlinien flossen während mehrerer Jahre Anregungen tausender Interessengruppen ein. G3 verlange von Unternehmen deutlich mehr Analyse- und Interpretationskompetenz, sagt Rehm.
„Der Bericht als strategisches Managementelement sowie das durch GRI mögliche Benchmarking führt zu mehr Selbsterkenntnis über eigene Stärken und Schwächen und oft zu neuen Zielen und Verbesserungsmaßnahmen“, berichtet Sabine Braun, Geschäftsführerin der akzente Kommunikationsberatung, aus ihrer Arbeit mit Unternehmen wie Volkswagen, RWE, Robert Bosch und Bosch Siemens Hausgeräte. Probleme im sozialen Bereich oder in der Lieferkette seien oft nur ins Blickfeld gerückt, weil Firmen ihre Berichte an GRI orientierten.
