Nachhaltigkeitsindizes bieten zusätzliche Orientierung bei der Auswahl und Bewertung von Geldanlagen. Für die Unternehmen sind sie außerdem ein Gütesiegel. Dabei sollten sich Anleger die Auswahlmethode der Aktien genau anschauen: Da Nachhaltigkeit ein dehnbarer Begriff ist, gibt es auch Trittbrettfahrer.
FRANKFURT. In einem nachhaltig bewirtschafteten Wald werden nur so viele Bäume gefällt wie nachwachsen, lehrt die Forstwirtschaft. Dies schont nicht nur Natur und Umwelt, sondern ermöglicht auch kommenden Generationen, den Wald zu nutzen. Übertragen auf die Kapitalmärkte bedeutet nachhaltiges Investieren für Anleger, ihr Geld sozial und ökologisch verantwortungsbewussten Unternehmen anzuvertrauen. Dabei steht neben der Rendite auch die gesellschaftliche Verantwortung der Geldanlage im Vordergrund.
Allerdings ist Nachhaltigkeit ein dehnbarer Begriff, der von verschiedenen Anbietern unterschiedlich ausgelegt wird. Als Orientierungshilfe und Wegweiser für Anleger, die über Aktien, Fonds oder Zertifikate Geld nachhaltig investieren wollen, bieten sich daher so genannte Nachhaltigkeitsindizes an. Die bekanntesten sind der Dow Jones Sustainability Index (DJSI), der FTSE4Good, der Domini 400 Social Index und der Natur-Aktienindex (NAI).
Diese Indizes zeigen den Anlegern auf einen Blick, wie sich der Markt für nachhaltige Geldanlagen entwickelt. Denn vereinfacht gesagt ist solch ein Index nichts anderes als die Zusammenstellung von Aktien derjenigen Unternehmen, die nach Meinung des Indexanbieters nachhaltig wirtschaften. Solch eine Vorauswahl nachhaltiger Unternehmen gibt es in globalen Indizes sowie in regionalen oder nationalen Unterindizes. Daneben gibt es Nachhaltigkeitsindizes, die die Kursentwicklung von Unternehmen zu bestimmten Themen wie beispielsweise Klimaschutz oder Umwelttechnologie zusammenfassen.
Die Idee zum nachhaltigen Investieren ist nicht neu. Bereits im 19. Jahrhundert beschlossen religiöse Gruppen aus den USA, nicht in Betriebe zu investieren, in denen Sklaven arbeiteten. Die Kritik am Vietnamkrieg veranlasste in den 70er-Jahren einige Anleger dazu, nicht mehr in Rüstungshersteller zu investieren. Seit den 80er-Jahren gewann der Umweltgedanke an Bedeutung. Um einen Nachhaltigkeitsindex beurteilen zu können, müssen Anleger sich genau anschauen, nach welchen Kriterien der Indexanbieter die Aktien für sein Börsenbarometer auswählt: Manche konzentrieren sich auf die jeweils Besten einer jeden Branche, andere beschränken sich bei der Aktienauswahl auf wenige, ihnen angemessen erscheinende Branchen und schließen andere Bereiche von vornherein aus, und wieder andere setzen auf ökologische Vorreiter.
Weltweit tonangebend ist der Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Der älteste Nachhaltigkeitsindex ist der Domini 400 Social Index von KLD Research & Analytics aus Boston. 250 der 400 Titel für den Domini Social stammen aus dem amerikanischen S&P 500-Index. Dabei werden Unternehmen, die ihr Geld mit Alkohol, Glücksspiel, Kernenergie oder Rüstung verdienen, ausgeschlossen. Die übrigen Titel werden außerhalb des S&P 500 gesucht, dabei kommen 50 Unternehmen wegen ihres besonderen gesellschaftlichen Engagements in den Index. Der Domini Social eignet sich besonders für nachhaltige amerikanische Investments.
In Europa wesentlich bekannter ist der Nachhaltigkeitsindex von Dow Jones, der Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Für ihn wählt der Schweizer Spezialist für nachhaltige Geldanlagen Sustainable Asset Management (SAM) seit 1999 die besten zehn Prozent der 2 500 weltgrößten Unternehmen des Dow Jones World Index nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien aus. Dabei werden die Spitzenreiter aller Branchen berücksichtigt. Durch dieses so genannte Klassenbesten-Prinzip (engl. best-in-class) sollen nicht in den Index aufgenommene Unternehmen einen Anreiz bekommen, nachhaltiger zu wirtschaften und sich ökonomisch, ökologisch und sozial zu verbessern. Vom DJSI gibt es mittlerweile zahlreiche nationale und regionale Subindizes. Insgesamt sind nach SAM-Angaben 4 Mrd. Euro in der DJSI-Familie angelegt.
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Der britische Indexanbieter FTSE geht ähnlich vor, schließt für die Aufnahme in seinen Nachhaltigkeitsindex FTSE4Good jedoch einige Geschäftsfelder aus: Produzenten von Tabak oder Waffensystemen, Eigentümer oder Betreiber von Kernkraftwerken und Anlagen zur Urangewinnung und -herstellung sowie Unternehmen, die strategische Elemente oder Dienstleistungen zur Herstellung nuklearer Waffensysteme liefern, haben im Index nichts zu suchen. Deutsche Unternehmen wie BMW, Volkswagen oder SAP sind übrigens sowohl im DJSI als auch im FTSE4Good vertreten.
Wesentlich kleiner als DJSI und FTSE4Good ist der Natur-Aktienindex (NAI), der 30 kleinere- und mittlere Unternehmen aus der ganzen Welt enthält, die als Öko-Vorreiter gelten. Betreut wird der NAI von der Securvita, einer Hamburger Gesellschaft zur Entwicklung alternativer Versicherungskonzepte und Anbieter des Ökofonds Green Effects.
Vor rund zehn Jahren wurde der NAI von Max Deml, dem Herausgeber des Informationsdienstes Öko Invest, und der Zeitschrift Natur & Kosmos aus der Taufe gehoben. Nach Rechtsstreitigkeiten mit dem NAI-Lizenznehmer Securvita führt Deml seinen Index seit etwa vier Jahren parallel zum NAI unter dem Namen nx-25 weiter.
Doch egal, nach welchen Kriterien die Indexanbieter ihre Aktien auswählen, unterm Strich schneiden alle Nachhaltigkeitsindizes erfolgreich ab. Denn Nachhaltigkeitsindizes entwickeln sich besser oder mindestens genauso gut wie herkömmliche Börsenbarometer, das belegt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Dafür wurden die 29 bekanntesten nachhaltigen Aktienindizes der Welt untersucht und mit den ihnen als Vergleichsmaßstab zugeordneten klassischen Aktienindizes verglichen. Allerdings ist das Anlagerisiko teilweise höher, da die Indizes wegen ihres je nach Definition verengten Branchenspektrums oder der Aufnahme kleinerer und volatilerer Werte stärker schwanken können, heißt es.
Von der guten Rendite der Nachhaltigkeitsindizes können Anleger auf verschiedene Weise profitieren: Zum einen erleichtert ein Blick auf die jeweilige Aktienauswahl eines Indexes die eigene Suche nach einer Perle fürs Depot. Zum zweiten lässt sich der Erfolg von so genannten Nachhaltigkeitsfonds durch einen Vergleich mit einem ähnlich zusammengesetzten Nachhaltigkeitsindex messen. Und zum dritten werden auf die verschiedenen Nachhaltigkeitsindizes Zertifikate begeben, bei denen die Rückzahlung an die Entwicklung eines dieser Indizes gekoppelt ist.
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Eine Aufnahme in einen der Nachhaltigkeitsindizes ist auch ein Gütesiegel für Unternehmen, schließlich steigert sie das Image und sorgt für mehr Aufmerksamkeit bei potenziellen Investoren. Darum bemühen sich immer mehr Unternehmen, in Nachhaltigkeitsindizes aufgenommen zu werden.
Fallstricke, die Anleger beachten sollten
Zusammensetzung: Nachhaltigkeitsindizes werden nach unterschiedlichen Kriterien zusammengesetzt. Anleger müssen sich daher die Auswahlmethode der Aktien für einen Index und das Werteverständnis des Indexanbieters genau anschauen.
Nachfrage: Je größer die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen, desto reichhaltiger wird das Angebot an neuen Indizes und darauf begebenen Zertifikaten, die Anlegern den Einstieg in diese Investments ermöglichen. Da Nachhaltigkeit ein dehnbarer Begriff ist, gibt es auch Trittbrettfahrer.
Aktienkauf: Wer Einzelaktien erwirbt, weil diese sich innerhalb eines Nachhaltigkeitsindex besonders gut entwickelt haben, geht ein größeres Risiko als mit einem Fonds oder Zertifikat ein. Denn einzelne Werte können stärker schwanken als ein Aktienkorb.
