Nachhaltigkeitsindizes geben einen Überblick. Illustration: Handelsblatt
Institutionelle Anleger bestimmen die Marktentwicklung
Nachhaltige Publikumsfonds für Privatanleger sind aber nur ein kleiner Ausschnitt des Marktes nachhaltiger Kapitalanlagen. Der größte Teil besteht aus Anlagekonzepten für Vermögende und institutionelle Anleger wie Kirchen, Stiftungen, Pensionsfonds oder Versicherungen. Sie sind die Treiber des „Socially Responsible Investment“ (SRI), wie der international etablierte Begriff heißt. In Europa werden bereits mehr als eine Billion Euro nach nachhaltigen Kriterien verwaltet. Seit 2003 wuchs der Markt real um 36 Prozent, korrigiert um den Wertanstieg des MSCI World. Das ermittelte Eurosif, der europäische Dachverband für nachhaltige Investments in Paris. Dabei sind bloß neun europäische Länder berücksichtigt. Es fehlen die Anlagen in Skandinavien, die beträchtlich sind, weil hier viele Institutionelle nachhaltige Kriterien berücksichtigen. Allein der norwegische Pensionsfonds ist mit schätzungsweise 175 Mrd. Euro einer der größten SRI-Investoren.
Auch in den USA wachsen SRI-Investments seit zehn Jahren schneller als der gesamte Anlagemarkt, errechnete das Social Investment Forum. Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte seien sehr oder teilweise bedeutsam für die Finanzleistung von Unternehmen, urteilen drei Viertel von 180 US-Institutionellen, die die Investmentberatung Mercer vergangenes Jahr befragte. SRI senke Risiken oder steigere Renditen, sagen die Investoren.
In Deutschland weicht die Skepsis zu den Renditen: Drei Viertel der Pensionskassen erwarteten marktfähige Returns, ergab eine Umfrage der Hannover Researchagentur Scoris. „Wir wollen 100 Prozent unserer Anlagen nachhaltig ausrichten. Unsere Erfahrungen sind sehr positiv, wir stellten keine wirtschaftlichen Leistungseinbußen fest“, berichtet Claus Meier, Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayerns. Die Hälfte der französischen Großinvestoren ist mit der finanziellen Performance ihrer nachhaltigen Investments zufrieden und ein Viertel erwartet, dass sie ihren nachhaltigen Kapitalanteil binnen drei Jahren von aktuell vier Prozent auf mehr als zehn Prozent steigern, wie Umfrage von BNP Paribas Asset Management im Dezember ergab. Anleger verstehen Nachhaltigkeit oft unterschiedlich. Für jeden Geschmack gibt es inzwischen Konzepte. Strenge Kriterien wünschen Kirchen und Stiftungen. Für sie entwickeln Finanzinstitute und spezielle Researchhäuser Spezialfonds und Zertifikate. Sie ergänzen gängige Ratingkriterien mit individuellen Vorstellungen der Kunden, also weiteren Ausschlussfaktoren oder anderen Gewichtungen und Zusatzaspekten beim Best-in-Class-Ansatz, der die nachhaltigsten Unternehmen aller Branchen herausfiltert. Die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn legt bereits 60 Prozent ihrer auf dem Kapitalmarkt getätigten Anlagen und 95 Prozent der Aktienanlagen nachhaltig an. Die evangelische Kirche in Deutschland will künftig auch Schwerpunkte bei der nachhaltigen Vermögensanlage setzen, wie sie im Juni „Zweiten Wittenberger Memorandum“ erklärte.
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