Strategien nachhaltiger Kapitalanlagen in Europa (Jahr 2006, Volumina in Mrd. Euro). Grafik: Handelsblatt
„Engagement“ lässt Investoren aktiv werden
Der gesamte, „breite“ SRI-Markt, der auf einer großzügigeren Auslegung von Nachhaltigkeit basiert, umfasst mehr als 1 Billion Euro. Er enthält erstens das „einfache Sreening“, bei dem Investoren nur Waffen- oder Tabakherstellung oder Menschenrechtsverstöße ausschließen. Bedeutsamer ist aber das „Engagement“, wobei Investoren die Konzerne, in die sie investieren, im Dialog zu nachhaltigerem Wirtschaften bewegen wollen. Der dritte Bereich ist die Integration messbarer nachhaltiger Schlüsselkriterien in die Finanzanalyse (siehe Grafik).
Weil Großanleger ihren Anlagehorizont oft nicht durch strenge Nachhaltigkeitskriterien einschränken wollen, nutzen sie zunehmend ihre Macht als Aktionär, insbesondere in den USA. Sie setzen aktiv Themen bei Hauptversammlungen und vor allem sprechen sie Unternehmen - allein oder mit Verbündeten - direkt an. So warnte der kalifornische Pensionsfonds Calpers mit anderen Großanlegern die Autobauer General Motors (GM) und Ford 2005, Kapitalanteile zu entziehen, falls sie nicht die Treibhausgasemissionen offen legten und Klimastrategien entwickelten. Ford veröffentlichte prompt die geforderten Informationen. Da aber GM sich dazu nicht in der Lage gesehen habe, habe man die Drohung verstärkt, heißt es bei Calpers.
„Engagement“ ist Neuland für deutsche Anleger, aber seit kurzem auch hierzulande möglich. Einen solchen Service bietet der Londoner Vermögensverwalter F&C Asset Management. F&C überprüft permanent gemäß seines „Responsible Engagement Overlay“-Ansatz (reo) die globalen Aktienbestände seiner Kunden zu Unternehmensführung (Corporate Governance), Umwelt, Soziales und Ethik. Dabei ist unerheblich, ob F&C die Aktien verwaltet oder nicht. Im November gab ihm die berufsständische ‚Berliner Ärzteversorgung’ als erster deutscher Kunde ein derartiges Mandat. „Zum hohen Versorgungsniveau gehört für uns auch, nachhaltige Kriterien bei der Vermögensverwaltung zu berücksichtigen, um so langfristig den Wert unserer Kapitalanlagen für unsere Mitglieder zu schützen und zu erhöhen“, erläutert Günther Jonitz, Vorsitzender des Aufsichtsauschusses der Berliner Ärzteversorgung und Präsident der Ärztekammer Berlin.
Ohne die Portfoliozusammensetzung zu ändern, werden dann Interessen und Einfluss vieler Investoren gebündelt. Erstens führt F&C mit Unternehmen kontinuierlich konstruktive Dialoge. Infolgedessen übernahm zum Beispiel IBM 2004 die vorgeschlagenen Verhaltensrichtlinien für Zulieferer zu Arbeitsbedingungen und Umweltmanagement. Zweitens werden Stimmrechte genutzt, um Unternehmen zur Integration internationaler Standards zu drängen. „Wir betreuen mit dem reo-Ansatz ein Volumen von 52 Mrd. Euro“, sagt Claus Heidrich, Leiter der Frankfurter Niederlassung.
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