0 Bewertungen
28.10.2007 
Risiken des Emissionshandels

Neuland für Versicherer

von Christoph Hardt, München

Kyoto bedeutet für die Münchener Rück ein neues Produkt, die „Kyoto-Multi-Risk-Police", die der Rückversicherer seit kurzem im Programm hat. Dabei handelt es sich nicht um eine x-beliebige neue Versicherungspolice. Mit ihr sichern die Münchener klimaschonende Industrieprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern gegen einen ganzen Strauß von Risiken ab.

MÜNCHEN. Es gibt Kritiker, die sagen, die Münchener Rück habe das Thema Klimawandel für sich entdeckt, weil sich damit prächtig Geld verdienen lässt. Für große Versicherer gehört es freilich zum Geschäft, auf sich ändernde Risiken zu reagieren, die Münchener Rück hat erstmals schon vor gut 30 Jahren vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Fakt ist, dass der Hurrikan „Katrina" im Jahr 2005 den zweitgrößten Rückversicherer der Welt mit gut 1,5 Mrd. Euro belastet hat. Fakt ist auch, dass Versicherungsunternehmen ihre Daseinsberechtigung vor allem darin finden, Risiken zu bewerten, zu übernehmen und Gewinn zu machen.

„Über mangelnde Aufmerksamkeit kann ich nicht klagen, bei mir klingelt wegen Kyoto fünf bis sechs Mal am Tag das Telefon", sagt Richard Wulff, Abteilungsleiter im Bereich Special and Financial Risks der Münchener Rück. Kyoto bedeutet für Wulff ein neues Produkt, die „Kyoto-Multi-Risk-Police", die der Rückversicherer seit kurzem im Programm hat.

Dabei handelt es sich nicht um eine x-beliebige neue Versicherungspolice. Wahrscheinlich gehört das Angebot der Münchener zu den Versicherungsprodukten, die den im Kyoto-Protokoll vereinbarten Emissionshandel erst zu einem wirtschaftlich kalkulierbaren Gut machen. Denn mit seiner neuartigen Police garantieren die Münchener, dass klimaschonende Industrieprojekte in Schwellenund Entwicklungsländern gegen einen ganzen Strauß von Risiken abgesichert werden können. Damit trägt der Rückversicherer dazu bei, dass sich die Investition rechnet.

Als eines der ersten großen Unternehmen überhaupt warnt die Münchener Rück seit mehr als 30 Jahren vor möglichen Folgen der Erderwärmung. Bereits 1974 stellte der Konzern den ersten Geowissenschaftler für das Kompetenzzentrum Geo-Risiko-Forschung ein, heute arbeiten 25 Mitarbeiter aus allen einschlägigen Fachrichtungen wie Meteorologie, Hydrologie, Seismologie, Geologie, Geophysik und Geographie in der Abteilung, deren Studien weltweit hoch anerkannt sind.

Sie versorgen nicht nur die Underwriter der Münchener Rück, die mit den Kunden – vor allem Erstversicherer - die Verträge aushandeln, mit geowissenschaftlichem Wissen. Als Know-how-Drehscheibe zwischen dem operativen Geschäft und der Wissenschaft sind die Experten der Geo-Risk-Abteilung auch für die Produktentwicklung des Konzerns unverzichtbar.

Die Kyoto-Multi-Risk-Police zeigt das beispielhaft. „Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase sind unser ureigenes Geschäftsinteresse", sagt Richard Wulff. Und so brüteten eine Hand voll Kollegen vor gut 18 Monaten erstmals über der Idee, ob es nicht möglich sei, für Projekte im Emissionsrechtehandel eine Versicherungslösung anzubieten.

Wulff konzentrierte sich zunächst auf Projekte nach dem in Kyoto verabschiedeten CDM-Mechanismus. CDM steht für „Clean Development Mechanism": Ein Unternehmen aus einer Industrienation, das in umweltschonende Technologie in einem Schwellenland investiert, erhält dafür Emissionsgutschriften. Das Problem ist nur: Wer garantiert, dass die Technologie in der Ferne wirklich ans Laufen kommt und die Investition sich damit lohnt?

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Derzeit gibt es bei der neuen Police nur ein Problem.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Einer von Wenigen

    Einer von Wenigen

    Autos werden in Fabriken gebaut, laufen von Fließbändern und kommen dann in großen Mengen zu den Händlern. Meistens jedenfalls. Es geht aber auch ganz anders: Mancher Liebhaber verweigert sich solcher Einheitskost und investiert stattdessen reichlich Geld, um ein edles...Bildergalerie 

  • GM: 100 Jahre zwischen Hybris und Abs...

    GM: 100 Jahre zwischen Hybris und Absturz

    Jeden Tag verbrennt General Motors 30 Mio. Dollar. Ende September 2008 verfügte der größte US-Autokonzern nach eigenen Angaben nur noch über 16, 2 Mrd. Dollar an Liquidität. Das hört sich zwar nach Untergang an, doch GM hat schon diverse Krisen überstanden. Wie ein Bl...Bildergalerie 

  • Spurenlos surfen im Internet

    Spurenlos surfen im Internet

    Wer sich ganz unbeobachtet im Web tummeln will, muss auf einen Anonymisierungsdienst zurückgreifen. Denn letztlich kann jeder Webseitenbetreiber, der Internetprovider und jeder beliebige Lauscher festhalten, wer was im Web abruft. Aber auch ohne Anonymisierer lassen si...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterHandelsblatt Quiz

Emissions-Quiz: Was am Ende rauskommt

Los geht's!Klimakiller wie Kohlendioxid sind in aller Munde und „Emissionen“ ein Reizwort für viele, die schädliche Gase in die Atmosphäre pusten. Doch was wiss...
Stellen Sie Ihr Können in unserem Emissions-Quiz unter Beweis!